(wS/dia) Siegen 20.03.2026 | Nach der Theorie in die Praxis: Aufbauend auf dem bereits seit zwei Jahren erfolgreich durchgeführten KI-Workshop „Von Nerds für Nerds“ durften Schüler des Talentnetzes Siegen-Wittgenstein nun einen exklusiven Blick hinter die Kulissen des Diakonie Klinikums Jung-Stilling in Siegen werfen. Einen Tag lang begleiteten sie die Mediziner Prof. Dr. Mohammad Golriz und Dr. Murat Yavuz im Operationssaal – dort, wo künstliche Intelligenz, Robotik und modernste Visualisierungstechniken tagtäglich dabei helfen, Leben zu retten.
Ziel des On-top-Angebots war es, das im Seminar Erlernte greifbar zu machen: Was zuvor als Konzept, Simulation oder Zukunftsvision besprochen wurde, konnten die Jugendlichen nun in realen klinischen Abläufen erleben. „Wir wollen den Schülern zeigen, wie eng Theorie und Praxis heute in der modernen Medizin miteinander verzahnt sind“, erklärte Professor Golriz, Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am „Stilling“, zu Beginn des Tages. Der erfahrene Chirurg ist unter anderem auf komplexe Onko-Chirurgie spezialisiert und bringt seine Expertise regelmäßig bei anspruchsvollen, interdisziplinären Eingriffen ein.
Nach einer Sicherheitsunterweisung und dem Anlegen der OP-Kleidung führte der Weg zunächst in den zentralen Operationsbereich. Dort erhielten die Teilnehmer eine Einführung in die Abläufe eines Hightech-OPs: sterile Zonen, präzise abgestimmte Teams, digitale Bildgebung und KI-gestützte Planungssysteme, die den Chirurgen bereits vor dem ersten Schnitt detaillierte Einblicke in die Anatomie des Patienten liefern. Besonderes Augenmerk lag auf den sogenannten „Da Vinci“-OP-Robotern, die im Diakonie Klinikum Jung-Stilling etabliert im Einsatz sind. Die Schüler konnten aus sicherer Position beobachten, wie Professor Golriz und sein Team das System nutzen, um minimalinvasive Eingriffe mit höchster Präzision durchzuführen. Die hochauflösende 3D-Visualisierung ermöglichte es den Jugendlichen, den Eingriff nahezu in Echtzeit nachzuvollziehen.
„Viele denken bei Robotik in der Medizin an Science-Fiction. Tatsächlich ist sie längst gelebter Alltag – und sie verbessert die Behandlung unserer Patienten erheblich“, erläuterte Professor Golriz. „Gleichzeitig brauchen wir genau für diese Technologien gut ausgebildeten Nachwuchs.“ Ebenso seien 3D-Visualisierungen nicht nur für die Operateure hilfreich, sondern stellten auch einen enormen Gewinn in der Ausbildung dar, verdeutlichte Dr. Murat Yavuz, Oberarzt der Neurochirurgie am Diakonie Klinikum. „Damit machen wir unsichtbare Prozesse sichtbar – und genau das wollten wir heute auch den Schülern vermitteln.“
Ein zentrales Anliegen der Veranstaltung war es zudem, den Jugendlichen zu zeigen, dass Medizin auf höchstem Niveau nicht nur in großen Metropolen stattfindet. Das Diakonie Klinikum in Siegen und Freudenberg versteht sich als modernes Zentrum, das international vernetzt ist und innovative Technologien einsetzt. „Wir merken natürlich auch bei uns den Ärztemangel und den Trend, dass viele junge Mediziner in Ballungsräume gehen“, räumte Professor Golriz ein. „Umso wichtiger ist es, frühzeitig Talente für die Medizin zu begeistern und ihnen zu zeigen, dass sie auch hier in der Region auf Spitzenniveau arbeiten können.“
Dr. Yavuz ergänzte: „Wir brauchen motivierte, technisch affine junge Menschen – nicht nur für die großen Universitätskliniken, sondern gerade auch für Krankenhäuser wie unseres. Veranstaltungen wie diese sind ein wichtiger Baustein, um genau das zu fördern.“
Auch Geschäftsführer Dr. Josef Rosenbauer begrüßte das Format ausdrücklich: „Für uns ist die Nachwuchsförderung ein strategisches Thema. Wer heute Schülerinnen und Schüler für moderne Medizin begeistert, legt den Grundstein für die Gesundheitsversorgung von morgen – und das direkt hier vor Ort.“
Schon vor Beginn des OP-Tages war die Vorfreude bei den Teilnehmenden spürbar. „Nach dem Abi möchte ich Operationstechnische Assistentin werden. Ich bin gespannt, was heute passiert“, sagte die 17-jährige Jona Popp (12. Klasse) aus Eiserfeld. Auch die gleichaltrige Anastasia Johanna Peters aus Hilchenbach zeigte sich begeistert: „Ich freue mich total auf die Chance, mir das ansehen zu können, und es macht mich sehr glücklich. Ich bin sehr aufgeregt und möchte mal Chirurgin werden.“
Am Ende des Tages zeigten sich die Jugendlichen sichtlich beeindruckt. „Es war richtig cool, einfach mal hautnah zu erleben, wie so eine OP abläuft. Es ist eine Bestätigung, weiter in den Bereich zu wollen – vor allem die Technik ist faszinierend“, resümierte Lina Knie (10. Klasse) aus Freudenberg. Mit diesem OP-Tag ist es dem Diakonie Klinikum Jung-Stilling gelungen, das erfolgreiche KI-Seminar „Von Nerds für Nerds“ um eine erlebnisreiche Praxiskomponente zu erweitern – und gleichzeitig ein starkes Signal für moderne Medizin und gezielte Nachwuchsförderung in der Region zu setzen.

Einen spannenden Tag im Zentral-OP des Diakonie Klinikums Jung-Stilling in Siegen mit den Medizinern Prof. Dr. Mohammad Golriz und Dr. Murat Yavuz (4. und 5. von links) erlebten Schülerinnen und Schüler des Talentnetzes Siegen-Wittgenstein. Foto: Diakonie in Südwestfalen







