(wS/dia) Siegen 23.07.2026 | Die Diagnose Hirntumor verändert alles. Von einem Moment auf den anderen stehen Betroffene vor Fragen, auf die sie keine Antworten haben, vor Ängsten, die sie oft mit sich allein ausmachen. Damit das nicht so bleiben muss, gründet sich in Siegen eine Selbsthilfegruppe für Hirntumorpatienten. Unterstützt wird sie von der Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie in Südwestfalen und dem neuroonkologischen Zentrum im Diakonie Klinikum Jung-Stilling.
Einer der Initiatoren ist Andreas S. (Name von der Redaktion geändert). Der 49-jährige Familienvater erhielt vor vier Jahren seine Diagnose – und möchte heute anderen Betroffenen Mut machen, den Weg nicht allein zu gehen.
Es war ein Februarabend, als Andreas S. wie so oft eine Runde auf dem Fahrrad drehte. Aus der Ferne blickte er auf die Windräder – doch plötzlich sah er sie doppelt. „Das ist mir zuvor noch nie passiert“, erinnert er sich. Der Augenarzt verwies ihn an einen Neurologen. Eine bildgebende Untersuchung brachte schließlich die Diagnose: Ein Tumor in seinem Kopf.
In den folgenden Jahren entschied sich Andreas S. zunächst gegen eine Operation. Stattdessen unterzog er sich regelmäßigen Verlaufskontrollen, um ein mögliches Wachstum des Tumors im Blick zu behalten. Im Oktober 2025 erreichte der Hirntumor jedoch eine Größe, aufgrund derer ihm die Ärzte zu einem Eingriff rieten. „Mit dem Wissen von heute würde ich mich direkt für eine OP entscheiden“, sagt der 49-Jährige.
Rückblickend beschreibt er vor allem die Zeit der Verlaufskontrollen als belastend: „Die Ungewissheit vor den regelmäßigen Kontrollen war für mich belastender, als mir damals bewusst war. Als feststand, dass eine Operation notwendig wird, wurde mir die Entscheidung abgenommen. Das gab mir Klarheit und die Möglichkeit, meine ganze Energie auf die Behandlung zu richten.“
Der Eingriff verlief gut. Andreas S. hebt besonders das Vertrauen hervor, das ihm das medizinische Team gab: „Ich bin auf engagierte Menschen getroffen, die auf eine ganz tolle Weise für mich da waren. Vor einer Hirnoperation ist Vertrauen besonders wichtig. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, bei den Ärzten und dem Pflegepersonal in guten Händen zu sein.“
Der Operation schlossen sich Bestrahlungs- und Chemotherapien an, um das Rückfallrisiko zu senken und die Heilungschancen zu verbessern. Die Begleitsymptome wie Haarausfall und anhaltende Erschöpfung prägten den Alltag. Andreas S. durfte kein Auto mehr fahren und konnte sportlich nicht mehr so aktiv sein wie gewohnt. In dieser Phase gab ihm vor allem die Zeit mit seiner Familie Kraft.
Aktuell befindet sich Andreas S. in der letzten Phase der Chemotherapie. Sein Ziel: wieder fit werden und ins Berufsleben zurückkehren. „Ich versuche nicht, gegen die Krankheit anzukämpfen. Sie kostet ohnehin schon Kraft. Deshalb möchte ich meine Energie lieber in das stecken, was mir hilft – in die Behandlung, Erholung, meine Familie und jeden kleinen Fortschritt.“
Anderen Betroffenen rät er, Warnzeichen ernst zu nehmen, sich an erfahrene Ärzte zu wenden und die notwendige Behandlung nicht aus Angst vor der Diagnose aufzuschieben. „Je früher Klarheit besteht, desto eher kann gehandelt werden“, so Andreas S.
Die neue Selbsthilfegruppe wird vom Team des neuroonkologischen Zentrums im Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen fachlich begleitet. Die Experten stehen bereit, um auf Wunsch der Teilnehmer Vorträge zu organisieren – etwa zu Therapien, Nachsorgemaßnahmen und aktueller Forschung rund um Hirntumoren.
Interessierte können sich bei der Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie in Südwestfalen melden: telefonisch unter 0271 / 5003 131 oder per E-Mail an Selbsthilfe@diakonie-sw.de.









