Schockanruf und Enkeltrick: Polizei und Dilldappen starten gemeinsame Aufklärungsaktion

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(wS/red) Kreis Siegen-Wittgenstein 23.07.2026 | Im Siegerland und in Wittgenstein kennt sie praktisch jeder: die Dilldappen, jene kleinen Fabelwesen aus der Feder von Zeichner und Autor Matthias Kringe, die seit nunmehr 44 Jahren als Comic-Familie den Alltag in der Region begleiten. Ab sofort bekommen die beliebten Figuren eine neue Aufgabe – sie unterstützen die Polizei bei der Kriminalprävention.

Denn nicht nur in der realen Welt treiben Betrüger und Diebe ihr Unwesen. Auch bei den Dilldappen tauchen die Halunken auf – oder wie es auf Platt heißt: „de Saudierer“. Das Gute dabei: Die Dilldappen sind auf Zack, gehen den Betrügern nicht auf den Leim und sorgen mit Hilfe der Polizei dafür, dass am Ende die Handschellen klicken.

Vorgestellt wurde die neue Präventionsaktion am heutigen Donnerstag, 23. Juli 2026, bei einer Pressekonferenz in den Räumen der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein. Mit dabei: Vertreter der Polizei, des Vereins Impuls e.V. und natürlich Matthias Kringe selbst, der sein neuestes Werk im Arm hielt – ein großformatiges Comic-Plakat mit dem Titel „Der Schockanruf – Die Dilldappen und der Enkeltrick“.

Ein ganz neues Format für die Prävention

Die Kooperation ist in dieser Form ein Novum. In Zusammenarbeit mit Impuls e.V. – einem gemeinnützigen Verein, der die Förderung der Zusammenarbeit aller mit Prävention und Opferschutz befassten Institutionen zum Ziel hat – und der Kreispolizeibehörde soll die neue Dilldappen-Geschichte die Menschen in der Region auf eine ganz andere Art erreichen als bisher.

Dabei ist die Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein durchaus erfahren, wenn es um kreative Kooperationen geht: Es gibt die Zusammenarbeit mit der VWS unter dem Motto „Augen auf – Tasche zu“, mit der Sparkasse Siegen über Bildschirminfos an den Geldautomaten zu Betrugsanrufen oder mit Radio Siegen bei der Bürgersprechstunde „Bitte folgen – hier antwortet die Polizei“. Mit Matthias Kringe und seinen Dilldappen kommt jetzt aber ein völlig neues Format hinzu.

Landrat Müller: „Mehr Regionalbezug geht nicht“

Landrat Andreas Müller – zugleich Leiter der Kreispolizeibehörde und Vorsitzender von Impuls e.V. – ist begeistert von der Aktion: „Jetzt erhalten wir bei der Bekämpfung von Betrugsdelikten namhafte Unterstützung, denn die Dilldappen von Matthias Kringe kennen ganz viele Siegerländer und Wittgensteiner.“ Die „cricetus unicornis riivecoochis“, wie die Dilldappen mit ihrem (ausgedachten) lateinischen Namen heißen, hätten Kultstatus bei Jung und Alt. Gerade die Älteren wolle man mit Präventionskampagnen erreichen. Besonders gelungen findet er, dass die Dilldappen auch Sejerlänner Platt schwätzen. Sein Fazit: „Mehr Regionalbezug geht nicht.“

Wie die Geschichte funktioniert

Der Comic erzählt, wie Opa Hermelinchen – der „Obba“ – einen Schockanruf bekommt. Eine unbekannte Nummer, eine aufgeregte Stimme, dringende Geldforderungen. Doch der Obba ist nicht allein: Mit Hilfe der Familie und der Polizei durchschaut er die Masche, und am Ende werden den Betrügern die Handschellen angelegt.

Besonders clever ist der sprachliche Aufbau: Der Opa spricht Siegerländer Platt, die jüngeren Familienmitglieder reden Hochdeutsch. Und wenn der Opa mit den Jüngeren spricht, bemüht er sich um Hochdeutsch – genau so, wie es in vielen Familien in der Region tatsächlich Tag für Tag passiert. Dadurch fühlen sich alle Generationen angesprochen.

Den kompletten Comic gibt es hier zum Lesen und Ausdrucken: Der Schockanruf – Die Dilldappen und der Enkeltrick (PDF)

Matthias Kringe: „Ich war sofort dabei“

Matthias Kringe erinnert sich an den Moment, als die Polizei auf ihn zukam: „Die Mitglieder der Dilldappenfamilie, wie wir sie seit nunmehr 44 Jahren aus den Comicgeschichten des Dilldappen-Kalenders kennen, sind seit Anfang an Spiegelbilder einer typischen Siegerländer Großfamilie. In ihren kleinen Abenteuern setzen sie sich immer mit dem auseinander, was uns menschliche Siegerländer und Siegerländerinnen so im Alltag beschäftigt.“ Und ein Thema, das die Menschen in der Region umtreibt, sei das Sicherheitsgefühl. „Daher war ich sofort dabei, als man an mich herantrat, etwas in Sachen Kriminalprävention beizusteuern.“

Kringe hat die Nutzungsrechte für die Geschichte befristet an Impuls e.V. übertragen. Die Kreispolizeibehörde kann das Plakat im Rahmen dieser Zusammenarbeit ebenfalls befristet nutzen.

Wo der Comic überall auftaucht

Das Plakat wurde doppelseitig gedruckt, damit es in den Bussen der VWS sowohl nach innen als auch nach außen gut sichtbar aufgehängt werden kann. Die Idee dahinter: Während der Fahrt haben die Fahrgäste Zeit, die Comic-Geschichte in Ruhe zu lesen. Zusätzlich sollen die Plakate dort hängen, wo Menschen ohnehin verweilen – in Apotheken, Arztpraxen und Schaufenstern. Ehrenamtliche Seniorensicherheitsberater unterstützen bei der Verbreitung.

Worauf die Polizei dringend hinweist

Susanne Otto, Leiterin des Kriminalkommissariats für Prävention und Opferschutz, machte bei der Vorstellung noch einmal deutlich, worauf es im Ernstfall ankommt:

Erstens: Auf Geldforderungen am Telefon niemals eingehen – egal wie emotional oder dringend die Situation dargestellt wird.

Zweitens: Einfach auflegen. Das ist nicht unhöflich. Im Gegenteil – es beendet im ersten Schritt den psychischen Druck, den die Betrüger gezielt aufbauen.

Drittens: Sich nicht schämen. Die Betrugsmaschen sind hochprofessionell aufgezogen. Jeder Vorfall – auch ein gescheiterter Versuch – sollte der Polizei (auch über 110) oder einer Vertrauensperson gemeldet werden. Telefonnummern, Fahrzeugdaten und andere Details helfen den Ermittlern bei der Aufklärung.

Und viertens: Vornamen im Telefonbuch abkürzen. Denn Betrüger nutzen ausgeschriebene Vornamen, um auf das Alter der Anschlussinhaber zu schließen und gezielt ältere Menschen anzurufen.

Ein persönlicher Appell

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein sind bekannt dafür, bei der Prävention immer wieder kreative Wege zu gehen. Die Dilldappen-Aktion ist das jüngste Beispiel dafür. Wie Susanne Otto betonte, sind sie und ihre Kolleginnen und Kollegen mit Herz und Seele dabei, um Menschen zu schützen und Schlimmeres zu verhindern. Gleiches gilt für Uwe Jeschke, ehemaliger Leiter des Kriminalpräventionskommissariats, der die Idee zu dieser Aktion mit angestoßen hat und seit Kurzem seinen wohlverdienten Ruhestand genießt – aber dem Thema Prävention offensichtlich weiter verbunden bleibt.

Und eine Bitte zum Schluss, die sich besonders an die jüngere Generation richtet: Zeigen Sie den Comic Ihrer Oma, Ihrem Opa, den Eltern, den Nachbarn. Drucken Sie ihn aus, sprechen Sie beim nächsten Familientreffen darüber. Denn je mehr Menschen die Maschen der Betrüger kennen, desto weniger Opfer gibt es.

Alle Informationen der Polizei zur Aktion gibt es hier: Schockanruf bei den Dilldappen – Polizei Siegen-Wittgenstein

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