(wS/fw) Kreis Siegen-Wittgenstein 28.08.2026 | Rund 744 Kilometer Festzaun sind inzwischen in Südwestfalen errichtet worden, um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) einzudämmen. Allein auf den Kreis Siegen-Wittgenstein entfallen davon 402 Kilometer, auf den Kreis Olpe 190 Kilometer und auf den Hochsauerlandkreis 153 Kilometer. Das geht aus einer Antwort des nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministeriums auf eine Anfrage von Benjamin Grimm hervor, dem Landesvorsitzenden der Freien Wähler NRW und Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2027.
Die Zahlen, die das Ministerium unter Leitung von Ministerin Silke Gorißen in dem Antwortschreiben vom 24. August nennt, machen zugleich die Dimension der Kosten deutlich: Mit 16.000 Euro pro Kilometer kalkuliert das Land für den Zaunbau. Rechnerisch ergibt das bei 744 Kilometern bereits Baukosten von knapp 11,9 Millionen Euro. Hinzu kommen Ausgaben für Unterhaltung, Kontrolle, Wartung und Reparaturen, die nach Aufwand und Materialeinsatz abgerechnet werden. Abschließende Rechnungen für die bisherigen Maßnahmen liegen dem Land nach eigener Auskunft noch nicht vor.
Grimm, der aus Siegen stammt, hatte das Ministerium in seinem Schreiben vom 13. August unter anderem gezielt nach messbaren Erkenntnissen zur Wirksamkeit der Zäune gefragt. Die Antwort des Ministeriums fällt dazu allgemein aus: Die Ausbreitung des ASP-Geschehens sei von der Wildschweindichte, dem Habitat und der Bewirtschaftung abhängig. Als Vergleich verweist das Ministerium auf Erfahrungen aus Belgien, wo 2018 eine Ausbreitung von mehr als einem Kilometer pro Woche festgestellt worden sei. Auch könnten bei Wildschweinen Wanderbewegungen von über 100 Kilometern in sechs Monaten beobachtet werden. Aus diesen Erkenntnissen folgert das Ministerium, dass die Ausbreitung der Virusinfektion durch den Zaunbau in Nordrhein-Westfalen „deutlich begrenzt“ worden sei.
Eine konkrete Zahl dazu, in welchem Umfang die errichteten Zäune das Infektionsgeschehen in Südwestfalen tatsächlich verhindert oder verlangsamt haben, enthält die Antwort allerdings nicht. Genau das kritisiert Grimm: „Das Ministerium hält die Zäune für wirksam. Was weiterhin fehlt, ist eine belastbare Zahl, die den konkreten Beitrag dieser inzwischen enormen Infrastruktur beziffert.“ Gerade in Zeiten leerer kommunaler Kassen müsse bei öffentlichen Ausgaben in dieser Größenordnung genau hingeschaut werden.
Grimm betont dabei, dass er die grundsätzliche Notwendigkeit der Tierseuchenbekämpfung nicht infrage stelle. Sein Anliegen sei vielmehr eine regelmäßige Überprüfung der eingesetzten Maßnahmen. „Wir sagen nicht: Zaun weg. Wir sagen: Wirkung nachweisen, Kosten transparent machen und regelmäßig prüfen, ob jeder Kilometer weiterhin notwendig ist“, so Grimm.
Neben den finanziellen und epidemiologischen Aspekten hatte der Freie-Wähler-Vorsitzende auch nach möglichen Auswirkungen der Zäune auf andere Wildtierarten gefragt. Nach Angaben des Ministeriums seien lediglich für kurze Zeit nach dem Neubau eines Zaunes sowie während der Paarungszeit Auswirkungen auf Einzeltiere festgestellt worden. Grimm stehe hierzu nach eigenen Angaben auch im Austausch mit Tierschützern aus der Region, um deren Beobachtungen in die Bewertung einzubeziehen.
Laut Ministerium werden die errichteten Zäune stetig kontrolliert. Beschädigungen seien selten und in erster Linie durch umstürzende Bäume, Schneebruch oder menschliche Einwirkungen verursacht worden. Tiere seien nur sehr selten die Ursache. Rund 40 Kilometer des Festzauns im Kerngebiet wurden zusätzlich mit einer stromführenden Litze versehen. Elektrozäune seien nur übergangsweise und in sehr geringem Umfang zum Einsatz gekommen.
Das Zaunsystem ist nach Angaben des Ministeriums noch nicht abgeschlossen. Derzeit liefen Planungen für weitere sogenannte „Weiße Zonen“, die möglichst wildschweinefrei sein sollen, um Infektionsketten zu unterbrechen. Wie viele Kilometer Zaun dafür noch gebaut werden sollen, konnte das Ministerium bislang nicht beziffern. Ein Freiheitsantrag bei der EU könne frühestens ein Jahr nach dem letzten positiven Fall gestellt werden. Erst nach Zustimmung der EU könnten die Sperrzonen dann verkleinert oder aufgehoben und die Bekämpfungsmaßnahmen eingestellt werden.

Benjamin Grimm, Landesvorsitzender der Freien Wähler NRW und Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2027, fordert vom Land eine belastbare Kosten-Nutzen-Bilanz für die ASP-Schutzzäune in Südwestfalen. Foto: Freie Wähler NRW
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