(wS/fdp) Siegen-Wittgenstein 12.08.2026 | In der Debatte um einen möglichen Nationalpark Rothaarkamm meldet sich die FDP-Kreistagsfraktion Siegen-Wittgenstein zu Wort – und stellt sich klar hinter das Projekt. Nachdem in den vergangenen Tagen erneut Kritik an den Plänen laut geworden war, wollen die Liberalen ein Gegengewicht setzen. Ihr zentrales Argument: Der Nationalpark sei kein Naturschutz-Projekt, sondern vor allem Standort- und Wirtschaftspolitik.
„Wer Naturschutz und wirtschaftliche Entwicklung gegeneinander ausspielt, denkt in den Kategorien von gestern“, sagt der Fraktionsvorsitzende Guido Müller. Gerade im Wettbewerb um Fachkräfte könne ein Nationalpark vor der Haustür zum entscheidenden Vorteil werden. „Wir reden seit Jahren darüber, wie wir junge Menschen und hochqualifizierte Fachkräfte ins Siegerland bekommen. Gleichzeitig sollen wir die Chance ablehnen, unserer Region ein bundesweit bekanntes Alleinstellungsmerkmal zu geben? Das wäre wirtschaftspolitisch kurzsichtig.“
Die FDP widerspricht damit ausdrücklich der Darstellung, ein Nationalpark sei mit liberaler Wirtschafts- und Eigentumspolitik nicht vereinbar. Die derzeit diskutierte Gebietskulisse umfasse ausschließlich Flächen des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Dieter Mennekes Umweltstiftung. Private Flächen könnten nur freiwillig einbezogen werden, Enteignungen seien nicht vorgesehen.
„Natürlich nehmen wir die Sorgen der Waldbauern ernst. Aber Sorgen müssen überprüft und offene Fragen beantwortet werden. Inzwischen liegen Antworten auf mehrere hundert Fragen vor“, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Peter Hanke.
Nationalpark-Tore und Tourismus-Infrastruktur
Besonders die Kommunen Hilchenbach, Erndtebrück, Bad Laasphe und Netphen könnten nach Einschätzung der FDP wirtschaftlich profitieren. Die Fraktion setzt sich für sogenannte Nationalpark-Tore in diesen Kommunen ein, ergänzt durch touristische Infrastruktur. Auch Mountainbike-Trails in der Nähe des Nationalparks, Camping-Angebote und Trekkingplattformen – angebunden an bestehende Gastronomie und den Rothaarsteig – schweben den Liberalen vor. Die Erfahrung aus bestehenden Nationalparken in Deutschland zeige, dass diese zu echten Publikumsmagneten mit hoher Wertschöpfung geworden seien.
Klare Bedingungen
Eine Zustimmung knüpft die FDP allerdings an Bedingungen: Privates Eigentum und die Bewirtschaftung angrenzender Wälder müssten geschützt bleiben, Wegerechte dauerhaft gesichert sein. Vor allem dürfe der Nationalpark wichtige Infrastrukturprojekte nicht blockieren – insbesondere die Route 57 und die Verkehrsverbindungen über den Rothaarkamm.
Peter Hanke sieht zudem eine Verhandlungschance: „Wenn das Land NRW einen zweiten Nationalpark haben möchte, sollten wir das als Hebel nutzen – etwa bei der Freigabe fehlender Gewerbeflächen im Kreis, Investitionen in Infrastruktur und auch beim Weiterbau der Route 57.“
„Wenn die sachlichen Bedenken ausgeräumt sind, darf man nicht aus Prinzip Nein sagen. Wer dann immer noch behauptet, der Nationalpark bedrohe automatisch Eigentum und Wirtschaft, betreibt keine sachliche Debatte mehr, sondern Angstpolitik“, so Müller abschließend.










