(wS/hg) Siegen-Wittgenstein 26.08.2026 | Mit dem Verein „Zukunft Siegen-Wittgenstein e.V.“ tritt ein neues regionales Bündnis öffentlich in die Debatte über einen möglichen Nationalpark am Rothaarkamm ein. Unternehmen, Waldbesitzer, Landwirte, Vereine sowie Bürgerinnen und Bürger aus der Region wollen die Diskussion bis zur Entscheidung des Kreistags am 13. November kritisch und sachlich begleiten. Unter dem Claim „Unsere Region. Viele Stimmen.“ setzt sich das Bündnis dafür ein, die langfristigen Folgen einer möglichen Nationalparkausweisung umfassend zu prüfen. Die zentrale Forderung lautet: Erst klären, dann entscheiden.
„Bei dieser Entscheidung geht es um sehr viel mehr als um ein einfaches Ja oder Nein zum Naturschutz“, sagt Harald Görnig, Vorsitzender von Zukunft Siegen-Wittgenstein. „Ein Nationalpark kann Chancen bieten. Gleichzeitig wird eine solche Entscheidung unsere Region über Jahrzehnte prägen. Deshalb wollen wir wissen, welche konkreten Auswirkungen diese auf Natur, Wirtschaft, Kommunen, Verwaltung und die Menschen vor Ort hätte. Berechtigte Fragen verdienen belastbare Antworten.“

Gruppenfoto der Mitglieder von Zukunft Siegen-Wittgenstein e.V.
Keine Kampagne gegen Naturschutz
Das Bündnis versteht sich ausdrücklich nicht als Gegner von Nationalparks oder Naturschutz. Zukunft Siegen-Wittgenstein will darauf hinwirken, Chancen, Kosten und mögliche Zielkonflikte eines Nationalparks gleichermaßen zu betrachten. Nationalparks könnten positive Wirkungen für Artenvielfalt, Forschung, Naturerlebnis und Tourismus entfalten. Nach Auffassung des Bündnisses lassen sich Erfahrungen aus anderen Nationalparkregionen jedoch nicht ohne Weiteres auf den Rothaarkamm übertragen. Entscheidend sei eine auf die konkreten Bedingungen in Siegen-Wittgenstein zugeschnittene Betrachtung.
„Wir wollen mögliche Vorteile nicht kleinreden und ebenso wenig mögliche Risiken dramatisieren“, so Görnig. „Unsere Frage ist vielmehr: Was bedeutet ein Nationalpark konkret für diese Region? Eine Entscheidung dieser Größenordnung sollte nicht auf Hoffnungen oder Befürchtungen beruhen, sondern auf einer nachvollziehbaren Grundlage.“
Fünf Themenfelder im Mittelpunkt
In den kommenden Wochen will sich das Bündnis insbesondere mit fünf Themenfeldern beschäftigen: Wirtschaft, Arbeit und öffentliche Finanzen; Natur und Wald; Tourismus; Alltag und Infrastruktur sowie Beteiligung und regionale Selbstbestimmung. Dabei sollen vorhandene Informationen eingeordnet, offene Punkte benannt und neue Erkenntnisse aus dem weiteren Verfahren berücksichtigt werden.
Die Verschiebung der Kreistagsentscheidung auf den 13. November begrüßt das Bündnis ausdrücklich als zusätzliche Möglichkeit zur Klärung. Entscheidend sei nun, diese Zeit auch zu nutzen, um bislang offene Fragen und fehlende Untersuchungen nachzuliefern.
Website und nächste Schritte
Parallel zum öffentlichen Start ist unter zukunft-siwi.de der neue Internetauftritt des Bündnisses online gegangen. Dort stellt Zukunft Siegen-Wittgenstein seine Haltung, die zentralen Themen der Debatte und künftig auch aktuelle Einordnungen zum laufenden Verfahren vor.
Bereits am Donnerstag, 27. August, steht mit dem Nationalparkforum ein wichtiger nächster Termin in der öffentlichen Debatte an. Das Bündnis will die dort vorgestellten Aussagen und Erkenntnisse zunächst sorgfältig auswerten.
„Wir werden nicht jede Wortmeldung mit einer Gegenposition beantworten“, sagt Görnig. „Wo neue Fakten auf den Tisch kommen, schauen wir genau hin. Unser Anspruch ist eine sachliche Debatte, in der unterschiedliche Stimmen gehört werden und am Ende eine möglichst gute Entscheidung für Siegen-Wittgenstein getroffen werden kann.“ Die Entscheidung treffe allein der Kreistag — das Bündnis wolle zu einer vorurteilsfreien Willensbildung beitragen.

Harald Görnig, Vorsitzender von Zukunft Siegen-Wittgenstein e.V.
Fotos: Zukunft Siegen-Wittgenstein e.V.
wirSiegen – Hintergrund: Was ist ein Nationalpark – und worum geht es am Rothaarkamm?
Ein Nationalpark ist die höchste Schutzkategorie für Natur in Deutschland und im Bundesnaturschutzgesetz geregelt. Der Leitgedanke lautet „Natur Natur sein lassen“: Auf einem großen Teil der Fläche wird die Natur weitgehend sich selbst überlassen, forstwirtschaftliche und andere wirtschaftliche Nutzung entfällt dort. Wandern und Naturerleben bleiben in der Regel möglich, können aber über Wege und Zonen gelenkt werden. In Nordrhein-Westfalen gibt es bislang nur einen einzigen Nationalpark – die Eifel (seit 2004).
Zur Diskussion steht ein möglicher zweiter NRW-Nationalpark auf dem Rothaarkamm im Rothaargebirge, grob zwischen Hilchenbach-Lützel und Netphen-Hainchen. Die vorgesehene Kulisse umfasst rund 4.300 Hektar und liegt ausschließlich auf staatlichen Waldflächen. Das Land NRW hatte 2023 die Suche nach einem zweiten Nationalpark angestoßen. Der Kreistag Siegen-Wittgenstein lehnte eine Bewerbung im März 2024 zunächst ab, holte das Thema aber im März 2026 zurück: Mit 28 zu 26 Stimmen sprach sich der Kreistag am 27. März dafür aus, die Auswirkungen erneut zu prüfen. Eine abschließende Entscheidung – Pro oder Contra – soll der Kreistag am 13. November 2026 treffen.
Befürworter – darunter Landrat Andreas Müller (SPD), FDP, Grüne sowie Naturschutzverbände wie NABU, BUND und die AG Rothaargebirge – sehen Chancen für Artenvielfalt, Naturerlebnis, Tourismus und regionale Entwicklung. Kritiker – darunter der CDU-Kreisverband, Teile der heimischen Wirtschaft sowie das Bündnis „Zukunft Siegen-Wittgenstein“ – fürchten Nachteile für Arbeitsplätze, Holznutzung, Infrastruktur und kommunale Mitsprache und fordern belastbare Folgenabschätzungen, bevor entschieden wird.
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