(wS/Si) Siegen 07.09.2026 | Die Kreisverwaltung Siegen-Wittgenstein empfiehlt dem Kreistag, die Vorbereitungen für einen möglichen Nationalpark Rothaarkamm fortzuführen und die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Damit schließt sich die Verwaltung der Einschätzung der Arbeitsgruppe Nationalpark an. Eine entsprechende Vorlage für den Kreistag und seine Ausschüsse hat die Kreisverwaltung jetzt veröffentlicht.
Die Arbeitsgruppe befürwortet nach einer Gesamtbetrachtung und Bewertung der Ergebnisse aus der Bürgerbeteiligung die Ausweisung eines Nationalparks in der derzeit diskutierten Gebietskulisse. Die Bürgerbeteiligung habe keine unlösbaren Konflikte aufgezeigt, heißt es in der Mitteilung der Kreisverwaltung, sondern präzisiere die Anforderungen an die konkrete Ausgestaltung eines Nationalparks. Chancen für Natur- und Prozessschutz, Tourismus, Bildung und die regionale Entwicklung überwiegen nach Einschätzung der Experten die fachlich begründbaren Risiken.
„Wir haben seit Mai sehr intensiv zugehört und alle Fragen aufgenommen, die an uns herangetragen worden sind“, fasst Landrat Andreas Müller den Prozess der vergangenen Monate zusammen. Die fachlich zuständigen Experten von Landesregierung, Bezirksregierung, Kreis sowie von Behörden wie den Landesbetrieben Straßen.NRW und Wald und Holz hätten die eingegangenen Fragen sachlich fundiert aufgearbeitet und verbindliche Antworten formuliert. Ziel sei es gewesen, Sorgen ernst zu nehmen und anhand überprüfbarer Fakten abzugleichen, so Müller.
Eines der zentralen Ergebnisse laut Kreisverwaltung: Ein möglicher Nationalpark würde den Bau der Route 57 nicht beeinträchtigen. Die Landesregierung habe vorgeschlagen, die für den Bau der Route 57 benötigte Trasse aus der Nationalparkkulisse auszusparen. Vergleichbare Regelungen seien auch für die L719 und die Eisenstraße vorgesehen, um den Erhalt und die Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur in einem möglichen Nationalpark dauerhaft sicherzustellen.
Der Landrat wünscht sich nach eigener Aussage in den kommenden Monaten eine intensive und vor allem sachliche Diskussion. „Mit dem Abschluss der Arbeit der Expertengruppen und der Vorlage der Ergebnisse haben wir jetzt eine Faktenbasis, auf der man fundiert diskutieren kann“, erläutert Müller.
Gleichzeitig räumt der Landrat ein, dass manche die Ergebnisse der Expertengruppen infrage stellten oder negierten. „Dass Fachwissen bezweifelt wird, ist leider ein bedauerlicher Trend unserer Zeit – aber man muss das ernst nehmen, weil auch falsche Informationen, die ständig wiederholt werden, Diskussionen beeinflussen“, so Müller. Deshalb habe er den Kreistagsfraktionen vorgeschlagen, die zentralen Ergebnisse der Expertengruppen in einem Rechtsgutachten bewerten zu lassen. Dieses Gutachten solle eine weitere belastbare Grundlage sein, auf der der Kreistag seine Entscheidung fällen könne.
Mit seinem Votum entscheidet der Kreistag zunächst darüber, ob der Kreis Siegen-Wittgenstein gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen in die nächsten Schritte zur Ausweisung eines Nationalparks auf dem Rothaarkamm einsteigt. Im Anschluss würden konkrete Grundlagen und Rahmenbedingungen erarbeitet. So würden unter anderem die naturschutzfachlichen und regionalen Voraussetzungen geprüft und die konkreten Inhalte gemeinsam mit der Region entwickelt. Dabei sollen die unterschiedlichen Interessen und Perspektiven von Kommunen, Bevölkerung, Land- und Forstwirtschaft, Jagd, Sport, Naturschutz, Tourismus sowie weiteren Akteuren einbezogen werden.
„Es gibt Chancen, die bekommen Regionen vielleicht ein einziges Mal in ihrer Geschichte“, betont Landrat Andreas Müller. Ein Nationalpark würde das Profil des Kreises als waldreichster Kreis Deutschlands weiter schärfen und neue Perspektiven für Naherholung und Tourismus ermöglichen, ohne das südwestfälische Profil als Industrieregion infrage zu stellen, so Müller. Der Kreis werde in den kommenden Monaten entsprechende Diskussionsformate anbieten.

In eigener Sache
Immer für Sie vor Ort — Ihr wirSiegen-Team
Wir sind rund um die Uhr für Sie in Siegen und der Region unterwegs. Dabei berichten wir völlig unabhängig — keiner Partei und keinem Konzern verpflichtet, nur Ihnen als Leser. Uns ist wichtig, dass alle Nachrichten für jeden Bürger frei zugänglich bleiben: komplett ohne Bezahlschranke, kostenlos für alle. Recherche, Fotos vor Ort, Technik und Deutschlands sagenhaft günstiger Super-Sprit 😉 kosten uns allerdings einiges an Zeit und Geld. Wenn Sie schätzen, was wir machen, motiviert uns ein kleiner Beitrag riesig — und hilft uns, weiter dranzubleiben. Schon der Preis eines Kaffees zählt.
Beträge für Handys, Autos und Mehrfamilienhäuser gehen natürlich auch 😉
Sicher per PayPal · auch ohne PayPal-Konto · einmalig oder regelmäßig
Und ganz gleich, ob mit oder ohne Beitrag — schön, dass Sie wirSiegen lesen. 💙












