(wS/hgm) Bad Laasphe 27.10.2026 | Wenn sich zwei hochkarätige Formationen wie „EGERLÄNDER6″ und „BlechOut” zusammenschließen, ist ein musikalisches Feuerwerk garantiert. Am vergangenen Sonntag verwandelte sich das restlos ausverkaufte Haus des Gastes in Bad Laasphe in ein Mekka für alle Liebhaber der böhmischen Blasmusik. Unter der bewährten Leitung von Timo Groos bewies das Großprojekt „Egerländer Festmusik” eindrucksvoll, warum diese Musikrichtung die Herzen der Menschen nach wie vor im Sturm erobert. Für die Formation war es bereits das zweite Gastspiel in dieser kombinierten Großbesetzung in Bad Laasphe, und der Empfang vor Ort war wie gewohnt herzlich.

Militärmusikalische Elite auf der Bühne
Hinter dem Projekt stehen zwei Ensembles, die in der Blasmusikszene einen hervorragenden Ruf genießen. Auf der einen Seite die EGERLÄNDER6, die sich der traditionellen böhmischen Blasmusik im Stile von Ernst Mosch verschrieben haben und trotz kleiner Besetzung den vollen, typischen Sound transportieren. Auf der anderen Seite die Formation BlechOut, die für dynamischen, druckvollen Blechbläsersound steht und musikalisch gerne auch moderne Akzente setzt.
Der historische Ursprung des Sounds
Der Name der Musikrichtung verweist auf eine traditionsreiche Region: Das historische Egerland liegt im heutigen West-Tschechien rund um die Stadt Cheb (Eger). Von dort brachten vertriebene Musiker nach 1945 den unverkennbaren, böhmisch-melancholischen Spielstil mit, den Ernst Mosch später weltberühmt machte. Die Musiker der Egerländer Festmusik ließen diesen Geist in Bad Laasphe meisterhaft aufleben.
Nach der einleitenden Polka „Wenn die Egerländer spielen” begrüßte Timo Groos das Publikum sehr herzlich. Er benötigte keinen Moderator, machte alles selbst und kündigte auch die gespielten Titel an.
Dass hier absolute Profis am Werk waren, machten später die Einzelvorstellungen der Musiker im Laufe des Abends deutlich: Ein Großteil des Ensembles ist hauptberuflich in den renommierten Musikkorps der Bundeswehr aktiv und gestaltet dort unter anderem den musikalischen Rahmen bei offiziellen Staatsempfängen im Deutschen Bundestag. Von wegen abwertend oft belächelte „Opa-Musik” – diese hochkomplexen Arrangements muss man handwerklich erst einmal so fehlerfrei und virtuos auf die Bühne bringen.

Perfektion im Detail und das Erbe von Ernst Mosch
Dass dieses Konzert musikalisch auf absolutem Spitzenniveau agierte, lag auch an der technischen und stilistischen Detailarbeit. Wie bei den „Original Egerländer Musikanten” üblich, wurde jedes einzelne Instrument über ein eigenes Mikrofon verstärkt – ein enormer technischer Aufwand, der jedoch für den charakteristischen, glasklaren Studio-Sound im Saal sorgte und hohe Anforderungen an den Tontechniker am Mischpult stellte.
Ein ganz besonderes Highlight für Insider war zudem das Dirigat von Timo Groos. Er hat nicht nur die musikalische Leitung, sondern auch das markante Mienenspiel und die subtilen Gesten des legendären Ernst Mosch übernommen. Statt starrer Taktstock-Muster dirigiert Groos – genau wie sein großes Vorbild – weite Strecken mit dem Gesicht, vollem Körpereinsatz und marschiert auf der Bühne auf und ab. Warum gerade diese emotionale und mimische Interaktion das Ensemble zu solchen Höchstleistungen anspornt, bleibt das Geheimnis der Musiker. Fest steht: Die Chemie zwischen Dirigent und Orchester stimmte bis in die Haarspitzen. Ein Paradebeispiel dafür war auch der packende Gesang: Oft sang Dirigent Timo Groos zeitweise mit; dabei harmonierte er in den zweistimmigen Parts perfekt mit seinem Gesangspartner Christian Wahl (Trompete) – ein eingespieltes Duo, das den typischen Egerländer Gesangsstil perfekt traf.

Der warme Sound und eine exklusive Premiere
Den Kern des unverwechselbaren Sounds bildete an diesem Abend wieder der wunderbar warme, weiche Klang der Flügelhörner, der das harmonische Fundament für das gesamte Orchester legte. Nun gab es noch eine Besonderheit: Normalerweise spielen „BlechOut“ und „EGERLÄNDER6“ ohne Posaunen. Nur in dieser großen Besetzung war das anders. Beim zusätzlich eingesetzten Posaunenregister war Bernd Halberstadt mit dabei, ein Musiker aus dem Siegener Blasorchester.
Das Publikum im Saal war von den ersten Tönen an schlichtweg aus dem Häuschen. Obwohl das Repertoire prall gefüllt war, stach ein Titel ganz besonders hervor: Die Musiker präsentierten eine echte Premiere. Zum allerersten Mal überhaupt spielten sie in dieser Besetzung den absoluten Klassiker „Schwarzwaldmarie”. Dass dieser Titel den Nerv trifft, zeigte sich nicht nur im Saal, sondern auch im Netz: Ein noch am Sonntagabend veröffentlichter Video-Teaser der exklusiven Darbietung entwickelte sich rasant zum Klick-Hit und wurde innerhalb kürzester Zeit vielfach geteilt. Gleich hinter diesem Titel wurde das Bergsteigerlied „Wenn wir erklimmen”, mit zahlreichen Koloraturen versehen, hinterhergeschoben. Stimmung pur!
Zahlreiche Titel – die alle mit Herzblut und Hingabe gespielt wurden – kamen im Laufe des Konzertes zum Vortrag: Darunter „Einmal nur”, der Klassiker „Rauschende Birken”, „Ich bin verliebt in deine schönen Augen” und „Am Kreuzer Steg”. Zur „Böhmischen Liebe” erhob sich das Publikum von den Plätzen. Zackig und rasant: der „Königsmarsch”. Für einzelne Titel hatte man quasi tief im Musikkoffer von Ernst Mosch gekramt, um diese wieder bekannter zu machen.
Präzision aus dem Hintergrund
Das Zusammenspiel eines solchen Projektorchesters aus Spitzenmusikern erfordert absolute Präzision. Eine Schlüsselrolle kam dabei der Klarinettistin Bettina Hüttl zu, die Egerländer Wurzeln entstammt. Die studierte Berufsmusikerin saß ganz links auf der Bühne und stand im Scheinwerferschatten optisch zwar etwas im Hintergrund, zog musikalisch jedoch die Fäden: Als Stimmführerin trug sie die Verantwortung für das gesamte Klarinetten-Register. Sie gab die Phrasierungen – also die gemeinsame musikalische Atmung und Artikulation – vor und bildete damit das synchrone Fundament für den Holzbläsersatz.

Ein Abend wie in einer großen Familie
Was diesen Abend neben der Musik so besonders machte, war das sagenhafte, zutiefst herzliche Verhältnis zum Publikum. Die Zuschauer wurden von den Musikern nicht wie anonyme Gäste, sondern wie ein Teil einer großen Familie behandelt. Entsprechend emotional war der Abschied am Ende des regulären Programms: Das Publikum war so begeistert, es wäre gefühlt noch die doppelte Zeit sitzengeblieben.
Ohne Zugaben durfte das Ensemble die Bühne verständlicherweise nicht verlassen. Mit dem Kult-Hit „Auf der Vogelwiese” und der traditionellen Abschieds-Polka „Auf Wiedersehen” verabschiedete die Egerländer Festmusik ein glückliches Publikum in den Sonntagabend. Ein Konzert, das bewies, wie lebendig und mitreißend traditionelle Blasmusik auf höchstem Niveau sein kann. Ein Wiedersehen mit dieser Besetzung in Bad Laasphe steht auch schon fest: Es ist für den 24. Oktober 2027 geplant.




Text und Fotos: Hans-Gerhard Maiwald
Werbepartner der Region – AnzeigeIn eigener Sache
Immer für Sie vor Ort — Ihr wirSiegen-Team
Wir sind rund um die Uhr für Sie in Siegen und der Region unterwegs. Dabei berichten wir völlig unabhängig — keiner Partei und keinem Konzern verpflichtet, nur Ihnen als Leser. Uns ist wichtig, dass alle Nachrichten für jeden Bürger frei zugänglich bleiben: komplett ohne Bezahlschranke, kostenlos für alle. Recherche, Fotos vor Ort, Technik und Deutschlands sagenhaft günstiger Super-Sprit 😉 kosten uns allerdings einiges an Zeit und Geld. Wenn Sie schätzen, was wir machen, motiviert uns ein kleiner Beitrag riesig — und hilft uns, weiter dranzubleiben. Schon der Preis eines Kaffees zählt.
Beträge für Handys, Autos und Mehrfamilienhäuser gehen natürlich auch 😉
Sicher per PayPal · auch ohne PayPal-Konto · einmalig oder regelmäßig
Und ganz gleich, ob mit oder ohne Beitrag — schön, dass Sie wirSiegen lesen. 💙













