Wie soll Siegens Verwaltung in zehn Jahren digital funktionieren? Stadt lädt zur Beteiligungsveranstaltung ein

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(wS/si) Siegen 02.10.2026 | Wie soll die Stadtverwaltung Siegen in zehn Jahren digital funktionieren, und welche Weichen können heute dafür gestellt werden? Diese Fragen möchte die Stadtverwaltung gemeinsam mit den Bürgern erarbeiten. Dafür lädt die Stadt am Mittwoch, 7. Oktober, zu einer Beteiligungsveranstaltung in den Historischen Ratssaal im Rathaus Oberstadt ein.

Hintergrund ist die Digitalstrategie, die die Stadt Siegen im Auftrag des Rates erstellt. Bevor diese voraussichtlich im Dezember 2026 dem Rat vorgelegt wird, sollen die Ideen und Perspektiven der Bürger berücksichtigt werden. Bei einem Nachmittagscafé mit Kaffee und Kuchen bekommen Interessierte ab 15.30 Uhr die Gelegenheit, eigene Impulse für die digitale Zukunft ihrer Stadt zu liefern und mit der Verwaltung auszuarbeiten.

Da die Plätze begrenzt sind, ist eine Anmeldung erforderlich. Diese ist online unter www.siegen.de/digitalstrategie möglich. Wer an diesem Nachmittag keine Zeit hat, kann alternativ an einer Online-Umfrage zum Thema teilnehmen. Diese ist ebenfalls auf der städtischen Homepage verlinkt.

Bei Fragen steht Thomas Scheicher von der städtischen Stabsstelle Strategische Steuerung telefonisch unter 0271/404-1410 oder per E-Mail an t.scheicher@siegen.de zur Verfügung.


Anmerkung der wirSiegen.de-Redaktion:

Die Digitalisierung von Verwaltungen ist richtig und wichtig. wirSiegen.de möchte an dieser Stelle aber auch an einen Aspekt erinnern, der bei solchen Strategien nicht zu kurz kommen darf: die IT-Sicherheit.

Was passiert, wenn eine digitalisierte Verwaltung gehackt wird, zeigt der aktuelle Fall Berlin auf erschreckende Weise. Zwischen dem 7. und 12. August 2026 verschaffte sich die kriminelle Hackergruppe Rhysida Zugriff auf das digitale Netzwerk der Berliner Verwaltung und kopierte riesige Datenbestände. Die Täter forderten ein Lösegeld von 30 Bitcoin – umgerechnet rund zwei Millionen Euro. Als der Berliner Senat nicht auf die Erpressung einging, veröffentlichten die Kriminellen am 4. September rund 1,44 Millionen Dateien mit einem Gesamtvolumen von 5,8 Terabyte im Darknet.

Das Erschreckende: Es geht nicht um abstrakte Zahlenkolonnen. In den veröffentlichten Datensätzen finden sich vollständige Personalakten, eingescannte Ausweisdokumente, detaillierte Gehaltsabrechnungen und Vertragsunterlagen. Darunter sollen sich mehr als 5.000 Personalakten, Bußgeldvorgänge und Gehaltsabrechnungen befinden – aber auch vertrauliche Unterlagen aus Bundesratsausschüssen sowie Schwachstellenanalysen zur Berliner Trinkwasserversorgung.

Betroffen sind nicht nur Beschäftigte der Senatsverwaltungen, sondern auch ganz normale Bürger, deren Akten und Vorgänge – inklusive Namen, Adressen und Bankverbindungen – digitalisiert auf den Servern lagen.

Um das greifbar zu machen: Wer beispielsweise bei einer der betroffenen Berliner Behörden einen Bauantrag gestellt, eine Baugenehmigung erhalten, einen Bußgeldbescheid bekommen oder Wohngeld beantragt hat, muss nun damit rechnen, dass der eigene Name, die Adresse, eventuell die Bankverbindung und möglicherweise eine eingescannte Ausweiskopie für jedermann im Darknet herunterladbar sind. Kriminelle können mit solchen Ausweiskopien und Kontodaten auf fremden Namen Waren bestellen oder betrügerische Konten eröffnen. Tagelang konnte wegen der Cyberattacke in Berlin unter anderem kein Wohngeld beantragt oder ausgezahlt werden.

Sicherheitsforscher warnen, der Angriff habe ein „staatsgefährdendes Ausmaß“ erreicht – unter den veröffentlichten Daten befinden sich demnach auch Unterlagen des LKA und Pläne, die den Verteidigungsfall betreffen.

Die Berliner Datenschutzbeauftragte weist darauf hin, dass Stammdaten wie Name, Anschrift und Geburtsdatum betroffen sein können, ebenso wie Inhalte aus dem Schriftverkehr mit den betroffenen Senatsverwaltungen.

Der Fall Berlin zeigt in aller Deutlichkeit: Jede Kommune, die ihre Verwaltung digitalisiert, digitalisiert damit auch die persönlichsten Daten ihrer Bürger – vom Personalausweis über die Bankverbindung bis zum Bußgeldbescheid. Wer Digitalisierung will, muss IT-Sicherheit zur obersten Priorität machen. Denn die Frage ist nicht, ob ein Angriff kommt, sondern wann. wirSiegen.de empfiehlt: Wer am 7. Oktober ins Rathaus geht, sollte auch die Frage stellen, wie die Stadt Siegen ihre digitalen Bürgerdaten gegen genau solche Angriffe schützen will, schützen kann – und wie sie im schlimmsten Fall die Bürger vor Schaden bewahren will, falls auch einmal die Daten tausender Siegener im Darknet oder anderswo für jedermann leicht zu finden sind.

Foto: Rathaus Siegen (Archivfoto)

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