Landrat Andreas Müller: „Ehrenamt braucht Unterstützung – nicht nur lobende Worte“

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(wS/si) Siegen 29.09.2026 | Wer in Siegen-Wittgenstein ehrenamtlich tätig ist, leistet immer mehr Stunden: Waren es 2024 rund 187 im Jahr, sind es aktuell 203. Das zeigt der „Ehrenamtsatlas 2026“, der auf einer Forsa-Befragung im Auftrag von Westlotto basiert. Die meisten engagieren sich im Sport (29 Prozent), in Kirchen und Religionsgemeinschaften (24 Prozent) oder kulturell (22 Prozent).

Die landesweiten Ergebnisse machen deutlich, dass Siegen-Wittgenstein nach wie vor eine der führenden Ehrenamtsregionen in NRW ist. 65 Prozent der Menschen über 18 Jahren engagieren sich bei uns in ihrer Freizeit unentgeltlich. Dieser Wert liegt weit über dem NRW-Durchschnitt von 53 Prozent. Er ist aber auch leicht niedriger als 2024, als für Siegen-Wittgenstein eine Engagementquote von 67 Prozent ermittelt wurde.

Für Landrat Andreas Müller untermauern diese Zahlen noch einmal den Kerngedanken, der hinter dem neuen Markenauftritt des Kreises Siegen-Wittgenstein steckt. Dieser wird ab dem 1. Oktober schrittweise ausgerollt: „Unsere neue Marke basiert auf zwei Werten: unserem Waldreichtum und dem großen ehrenamtlichen Engagement“, erläutert Müller: „Beides zeichnet uns in besonderem Maße aus. Der Wald und das ehrenamtliche Engagement prägen unser Selbstverständnis. Deshalb ist es mir als Landrat auch außerordentlich wichtig, das ehrenamtliche Engagement zu fördern. Dieses Engagement trägt maßgeblich zur Lebensqualität in unseren Städten und Gemeinden bei. Zudem sind wir als Kreis auch im Kontext zahlreicher Aufgaben, für die wir zuständig sind, eng mit dem Ehrenamt verbunden. Das reicht vom Katastrophenschutz bis zur Jugendarbeit, vom Heimatbund bis zum ‚Pakt für den Sport‘ mit dem Kreissportbund.“

Der Landrat möchte gerne einen weiteren Aspekt der Forsa-Umfrage besonders herausheben: Das Institut wollte auch wissen, was die Befragten zum ehrenamtlichen Mitmachen bewegen würde. Zu den drei häufigsten Antworten gehörte neben „digitalem Engagement von zuhause“ und „mehr finanzielle Vorteile“ auch „mehr Qualifizierungsmöglichkeiten“.

„Das hat einmal mehr deutlich gemacht, dass Lob alleine den ehrenamtlich Tätigen nichts bringt. Wertschätzung darf man nicht nur in warme Worte verpacken, sie muss gelebt und spürbar werden. Wenn nach der Veröffentlichung des Ehrenamtsatlas nun von allen Seiten wieder das hohe Lied auf das Ehrenamt gesungen wird, dann klingt das hohl, wenn die praktische Unterstützung fehlt oder sogar gestrichen wird“, sagt Landrat Andreas Müller.

Er erinnert daran, dass der Kreistag 2024 das kostenlose Fortbildungsprogramm des Kreises speziell für ehrenamtlich Tätige eingestellt hat. „Gerade Qualifizierungsmöglichkeiten sind ein zentrales Element, das Menschen zum ehrenamtlichen Engagement bewegen kann, sagen die Betroffenen selbst. Dies gegen meinen ausdrücklichen Rat abgeschafft zu haben, ist ein großer strategischer Fehler gewesen“, so Müller: „Ehrenamt braucht keine Sonntagsreden, Ehrenamt braucht praktische Unterstützung – gerade auch in Zeiten leerer Kassen. Wer beim Ehrenamt spart, wird das später an anderer Stelle ganz teuer bezahlen“, ist der Landrat überzeugt: „Deshalb werde ich gerne wieder mit den Fraktionen ins Gespräch kommen, um sie davon zu überzeugen, dass Ehrenamt handfeste Unterstützung benötigt. Dieser Pflicht sollten wir uns nicht entziehen.“

Foto: Archiv wirSiegen.de

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