Neuer Name für Gemeinschaftsschule Burbach-Neunkirchen: Festakt zu Ehren der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer

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(wS/bu) Burbach Neunkirchen 06.10.2026 | Die Gemeinschaftliche Sekundarschule Burbach-Neunkirchen (GMS) trägt einen neuen Namenszusatz: Ab sofort darf sie sich auch Margot Friedländer Schule nennen. Mit einem Festakt vor rund 300 Gästen hat die Schulgemeinschaft die Namenserweiterung in der Aula am Standort Burbach gefeiert und dabei Leben und Wirken der Namensgeberin gewürdigt.

Margot Friedländer war am 9. Mai 2025 im Alter von 103 Jahren in Berlin gestorben. Die Holocaust-Überlebende war im hohen Alter von 88 Jahren nach Deutschland zurückgekehrt, um vor allem jungen Menschen ihre Geschichte zu erzählen – mit dem Ziel, dass sie hinsehen, einander zuhören und sich mit Respekt begegnen. Geprägt von ihren Erlebnissen während der Shoah und ihrer rund einjährigen Internierung im Konzentrationslager Theresienstadt (1944–1945) hatte sie nie zugelassen, dass aus ihren Erfahrungen Hass erwuchs. Ihre bekannteste Botschaft, die an dem Abend mehrfach zitiert wurde: „Ich bin gekommen, um Euch die Hände zu reichen. Ich tue es für euch. Seid Menschen!“

Zum Auftakt wurde ein Film der Margot Friedländer Stiftung über deren Gründerin eingespielt. Unter den Gästen befanden sich unter anderem der heimische Bundestagsabgeordnete Benedikt Büdenbender, die ehemalige GMS-Schulleiterin Mechthild Ermert-Heinz, der ehemalige Schulleiter der Realschule Ludger Gruß, Alon Sander als Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland e.V., der Vorsitzende der muslimischen Gemeinde in Neunkirchen, Neunkirchens Bürgermeister Marco Schwunk sowie Burbachs stellvertretende Bürgermeisterin Heide Heinecke-Henrich, die den im Urlaub weilenden Bürgermeister Jonas Becker vertrat.

Eine besondere Videobotschaft erreichte den Festakt aus Berlin: Elke Büdenbender, aufgewachsen in Netphen-Salchendorf, hat die Patenschaft für den neuen Namenszusatz übernommen und schickte einen Gruß in ihre siegerländische Heimat. Sie und ihr Ehemann, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, sind in besonderer Weise mit Margot Friedländer verbunden: Elke Büdenbender ist Vorsitzende der Jury des Margot Friedländer Preises, während Steinmeier die Schirmherrschaft über die Stiftung innehat.

Schulleiter Jürgen Weber erklärte sichtlich bewegt, Margot Friedländer habe trotz ihrer Erlebnisse in Hitler-Deutschland „nie den Glauben an eine bessere Welt verloren“. Durch ihr Leben sei ihr Name selbst zu einem Synonym für Beständigkeit und Widerstandskraft geworden. Weber hatte für die beiden Schulstandorte ein persönliches Geschenk dabei: zwei Ginkgo-Bäume – mit rund 250 bis 300 Millionen Jahren eine der ältesten Baumarten der Welt und ebenfalls ein Symbol für Beständigkeit und Widerstandskraft. „Die Wurzeln der beiden Bäume werden sich nie berühren, aber sie sollen ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit unserer beiden Schulstandorte sein“, so Weber.

Bürgermeister Marco Schwunk betonte, die Vergabe eines Namens sei eine verantwortungsvolle Aufgabe. Für die Namenswahl seien alle Bürger beider Kommunen eingebunden worden. Die Jury hatte insgesamt 43 unterschiedliche Vorschläge zur Auswahl. Es gebe zahlreiche Beispiele von Schulen, deren Namenswahl sich im Nachhinein als unglücklich erwiesen habe. Umso glücklicher sei er, „dass die Namensfindung hier bei uns ein gelungenes Ergebnis hatte und die Einrichtung nun den Namenszusatz Margot Friedländer Schule trägt“.

Heide Heinecke-Henrich richtete ihre Grußworte direkt an die Schüler. Der Name sei eine Verpflichtung, eine persönliche Haltung, die gelebt sein wolle. „Ohne Euch wäre dieser Name zwar ein Name mit Geschichte und großer Bedeutung, aber ohne Leben und Zukunft.“ Die wichtigste Botschaft des Schulnamens sei: „Ihr müsst nicht perfekt sein. Aber ihr sollt nicht gleichgültig sein.“

Das Programm des Festakts wurde von den Schülern beider Standorte mitgestaltet. Die WP-Musik-Kurse spielten unter anderem „Ukuthula“ und „Klezmer Impressionen“, die um Schüler erweiterte Lehrerband trug „Imagine“ und „Mensch“ vor. Schülersprecher Ruka Kerellaj wurde für seinen Rap „Mensch ist Mensch“ (im Original von Moe Phoenix) gefeiert. Dazu gab es eine Ausdruck-Performance „Erfahrung“ des DuG-Kurses der Jahrgangsstufe 7 in Burbach, die Vorführung des Videoprojektes „Demokratie“ der Jahrgangsstufe 6 sowie von Schülern der Klasse 10c aus Neunkirchen vorgelesene Auszüge aus Margot Friedländers Biografie „Versuche, dein Leben zu machen“.

Kunstlehrerin Elisabeth Gräbener stellte die geplanten Kunstprojekte vor: eine Graphic Novel zur Friedländer-Biografie, ein durch die Namensgeberin inspiriertes Buch mit Texten und Bildern von Schülern sowie ein Graffiti-Projekt an beiden Standorten.

Zum Abschluss löste die Schule ihr Versprechen ein: Wer den späteren Namenszusatz vorgeschlagen hatte, sollte 250 Euro erhalten. Da 26 Personen den Namen Margot Friedländer eingereicht hatten – elf davon mit der erforderlichen Begründung – musste das Los entscheiden. Ulf von der Linde aus Neunkirchen, Großvater der Schülerin Lenie von der Linde, gewann den symbolischen Scheck. Die anderen zehn Ideengeber erhielten eine Tasche mit dem neuen Schullogo, der Margot-Friedländer-Biografie sowie ein Glas Honig aus dem Bienen-Schulprojekt.

Schulleiter Jürgen Weber (rechts) führte durch den Abend. Burbachs stellvertretende Bürgermeisterin Heide Heinecke-Henrich und Neunkirchens Bürgermeister Marco Schwunk richteten ebenfalls Worte an die Gäste.

Die WP-Musikkurse gestalteten das Programm des Festaktes mit.

Schüler beider Standorte hatten kreative Darstellungen vorbereitet, um das Leben und Wirken Margot Friedländers zu würdigen. (Fotos: Gemeinde Burbach)

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