Kunstgeschichte und Volksbildung zwischen Kaiserreich und Diktatur

wS/uni   Siegen  –   Volksbildung rückte seit dem späten 19. Jahrhundert in den Rang einer zentralen gesellschaftspolitischen Forderung auf, der in Deutschland zahllose Bildungseinrichtungen und Verlage verpflichtet waren. Auch neue Medien wie Film und Rundfunk wurden dieser Aufgabe dienstbar gemacht. Bildung verstand man dabei nicht nur als integrative gesellschaftliche Kraft, sondern auch als Instrument staatsbürgerlicher Erziehung.

Bemühungen um eine breitenwirksame Erwachsenenbildung, wie sie heute dem Namen nach nur noch in den „Volkshochschulen“ fortleben, erlebten ihre erste Blüte zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs. Anknüpfend an das Wirken der Arbeiterbildungsvereine, propagierten damals bürgerlich-liberale Kreise die Idee einer Fürsorge für sozial und bildungsmäßig unterprivilegierte Schichten: Insbesondere die ländliche Bevölkerung und die Industriearbeiterschaft geriet dabei in den Blick. Bezeichnend ist, dass es während der Gründerjahre des Deutschen Reichs zu einem Boom von Leihbibliotheken, Lesehallen, Vortragszirkeln und ähnlichen Initiativen der Erwachsenenbildung kam

Die Siegener Tagung „Die Teilhabe am Schönen – Kunstgeschichte und Volksbildung zwischen Kaiserreich und Diktatur“, veranstaltet von Professor Dr. Joseph Imorde (Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Siegen) geht der Frage nach, welchen Anteil das Fach Kunstgeschichte an den Volksbildungsbewegungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts hatte. Zur Sprache kommen die Bereiche Erziehung & Unterricht, Publizistik & Medien sowie wie Museumsdidaktik. Die Teilnehmer verfolgen interdisziplinäre Sichtweisen und beleuchten die Thematik aus der Perspektive der Kunstgeschichte, Pädagogik und Museologie.

Eröffnet wird die Konferenz am Donnerstag, 21. Juli um 13 Uhr im Siegener Museum für Gegenwartskunst. Die Teilnahme ist kostenlos.

Begleitend zur Tagung wird die Ausstellung „Eintritt in die Moderne für nur 2 Silbergroschen. Reclams Universalbibliothek bis 1945“ aus der Sammlung des Antiquariats Armin Nassauer gezeigt.

Kontakt und weitere Informationen:

Dr. Andreas Zeising

Tel.: 0271 / 740-3371

zeising@kunstgeschichte.uni-siegen.de