Nach Konsum von Kräutermischungen: Erneut Jugendliche in Krankenhaus eingeliefert

wS/po  Siegen   Polizei warnt nochmals auf das Eindringlichste vor unabsehbaren Gesundheitsfolgen  – – –  Nachdem bereits im August diesen Jahres mehrere Jugendliche in Siegen nach dem Konsum  höchst gefährlicher „Kräutermischungen“ zum Teil auf der Intensivstation der Siegener Kinderklinik behandelt werden mussten, haben sich nun im September 2011 nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden weitere vergleichbare Fälle ereignet.

Wiederum hatten die jetzt betroffenen Jugendlichen die vermeintlich „legalen“ Kräutermischungen inhaliert. Auch hier war es unmittelbar danach zu äußerst ernstzunehmenden und kritischen Gesundheitszuständen gekommen, die sofortige ärztliche Maßnahmen erforderlich machten.

Bereits nach den Vorkommnissen vom August 2011 hatten die Ermittlungsbehörden sofortige  strafprozessuale Maßnahmen gegen den verantwortlichen Betreiber eines sog. Headshops im Bereich der Siegener Oberstadt eingeleitet, weil die Ermittlungen ergeben hatten, dass die im August 2011 im Krankenhaus behandelten Kinder die Kräutermischungen über diesen Headshop bezogen hatten.

In diesem Zusammenhang wurde der besagte Headshop am 03.08.2011 auf richterliche Anordnung von den Ermittlungsbehörden durchsucht. Dabei wurden über 100 Packungen der gefährlichen Kräutermischungen sichergestellt.

Gegen den Betreiber wurde sofort nach den ersten Vorfällen ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz eingeleitet. Seitens der Ermittlungsbehörden wurde mit dem 38-jährigen Mann, der aus dem benachbarten Hessen stammt, im Rahmen seiner verantwortlichen Vernehmung bei der Polizei auch ein eindringliches Gespräch geführt, in dem er auf die Strafbarkeit  und die Konsequenzen eines weiteren Verkaufs der gefährlichen Kräutermischungen hingewiesen wurde.

Im September 2011 mussten in Siegen erneut Jugendliche nach der Inhalation von Kräutermischungen medizinisch behandelt werden. Aus den anschließenden polizeilichen Ermittlungen ergaben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass auch diese verwendeten Kräutermischungen aus dem Headshop im Bereich der Siegener Oberstadt stammen.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Siegen wurde daher kurzfristig ein weiterer Durchsuchungsbeschluss gegen den Betreiber des Headshops beim Amtsgericht Siegen erwirkt und am heutigen Nachmittag (29.09.2011) von den Ermittlungsbehörden (Polizei und Staatsanwaltschaft) vollstreckt.

Im Rahmen der heutigen Durchsuchungsmaßnahmen wurden in dem Headshop erneut mehr als 100 Packungen der brisanten Kräutermischungen aufgefunden und sichergestellt.

Die Stadt Siegen , die ebenfalls vor Ort war, ordnete nach Abschluss der polizeilichen /staatsanwaltschaftlichen Maßnahmen  die sofortige  Schließung des Headshops an.

Die Kreispolizeibehörde nimmt die jüngsten Fälle zum Anlass, um aus ihrer Sicht nochmals  dringend vor den gefährlichen und vollkommen unberechenbaren Kräuter- bzw. Räuchermischungen zu warnen.

Dazu Kriminaloberrat Alfons Schäfers, Leiter der Siegener Kripo:

“ Wir können alle Betroffenen wirklich nur eindringlich warnen, die Finger von diesen höchst gefährlichen Mixturen zu lassen. Aus Sicht unserer Kreispolizeibehörde sind diese Kräutermischungen vollkommen unberechenbar. Die Inhaltsstoffe sind zum Teil überhaupt nicht  bekannt und von daher natürlich auch in keinster Weise in ihrer Wirkung kalkulierbar. Wer diese Kräutermischungen konsumiert, der riskiert im Extremfall sein Leben!“

Bereits nach den Vorkommnissen im August 2011 hatte die Kreispolizeibehörde sofortigen Kontakt mit den zuständigen Stellen des Kreises Siegen-Wittgenstein sowie der Stadt Siegen aufgenommen, um diese – unter anderem als Träger der medizinischen Notfalldienste – über die gefährlichen Kräutermischungen und deren mögliche unabsehbare Folgen zu informieren.

Noch einmal der Kripo-Chef: „Ratsuchende Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern können sich während der normalen Bürodienstzeiten jederzeit an unser Kriminalkommissariat für Kriminalprävention unter der Rufnummer 0271-7099-4800 wenden. Wir helfen weiter!“

Vor dem Konsum der gefährlichen Kräutermischungen – auch „Legal High“-Produkte genannt, deren Angebot stetig steigt – warnt auch das Bundesministerium für Gesundheit in seinem aktuellen Drogenbericht. „Legal Highs“ werden unter anderem als Kräutermischungen, Badesalze oder Legal Ecstasies angeboten und zumeist über das Internet vertrieben. Sie vermitteln dem Interessierten den Eindruck der Legalität. Doch handelt es sich hierbei um chemische Abänderungen bekannter Drogen. Besonders problematisch ist, dass die aufgeführten Bestandteile häufig nicht, beziehungsweise falsch, deklariert sind. Die Wirkung der Drogen sowie die Folgen für die Gesundheit des Konsumenten sind dadurch nicht kalkulierbar.

Weitere Information zu den gefährlichen Kräutermischungen, die auch unter dem Begriff „Legal Highs“ firmieren, finden Interessierte:

a.) auf den Informationsseiten der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes

b.) im Drogenbericht 2010 des Bundesministeriums für Gesundheit.

Im Auftrag

Johannes Daheim
Oberstaatsanwalt
Staatsanwaltschaft Siegen

Georg Baum
Pressesprecher
KPB Siegen-Wittgenstein

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