Bei Auslandsgeschäften Kontakt zur Botschaft vor Ort suchen

wS/si  –  IHK  –  Auswärtige Dienste im Mittelstand zu wenig bekannt  –  –  –  Im letzten Jahr haben die Auslandsumsätze deutscher Unternehmen erstmals die Grenze von einer Billion Euro überschritten. Zu den besonders exportstarken Regionen zählt auch die Wirtschaft im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK). Im letzten Jahr stieg der Auslandsumsatz der heimischen Industrie um 11 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Das sind etwa 48 Prozent ihres Gesamtumsatzes (Basis: Produktionsbetriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern). Bemerkenswert ist, dass dieser Erfolg erzielt wird, obwohl ein Großteil der deutschen Auslandsumsätze im Gegensatz zu Ländern wie Frankreich ohne politische Flankierung erzielt wird. Bisher werden die Auswärtigen Dienste insbesondere vom Mittelstand wenig in Anspruch genommen. Das sollte sich ändern. Davon würden nicht nur die Unternehmen profitieren. Hieran haben auch die Botschaften Interesse. Das betonten jetzt Botschafter a. D. Dr. Günther Koenig sowie Dr. Volker Berresheim, Leiter des Arbeitsstabs Außenwirtschaftsberatung im Auswärtigen Amt, Berlin, anlässlich eines Workshops in der Industrie- und Handelskammer Siegen. „Gehen Sie frühzeitig zur Deutschen Botschaft. Sprechen Sie dort mit dem Spezialisten für Wirtschaftsfragen“, so die Botschaft der Referenten, „reduzieren Sie Ihr Risiko. Lassen Sie Probleme erst gar nicht entstehen. Kontakte vor Ort sind durch nichts zu ersetzen“.

Die Referenten erläuterten Hintergründe: Die Botschaften arbeiten vertraulich und wettbewerbsneutral. Sie anzusprechen, kostet nichts. „Hilfreich kann mitunter sein, einen Vertreter der Botschaft zu Vertragsverhandlungen hinzuzuziehen. Der Verhandlungspartner wird dies in seinem Verhalten berücksichtigen“, so Dr. Berresheim, schließlich repräsentiere der Botschafter das Land vor Ort. Die Botschaften lieferten aus ihren Kontakten wichtige Hintergrundanalysen für die Politik. Auch vor Auslandsreisen politischer Vertreter werden an erster Stelle die Botschaften vor Ort eingeschaltet.

Viele Botschaften unterhalten eigene Wirtschaftsdienste. Unternehmer sollten versuchen, ihre Vorhaben und ihre Anliegen an erster Stelle dort anzusprechen, weil sie in jedem Fall mit der Sache befasst werden, ganz gleich, wo die Anfrage angebracht wird. „Es empfiehlt sich deshalb, die Arbeitsebene von vornherein einzubinden“, so Dr. Berresheim. Allerdings ist der Auswärtige Dienst nicht für alle Probleme der richtige Ansprechpartner. Auf das Thema Exportkontrolle gingen die Referenten nicht im Detail ein. Wichtigster Ansprechpartner ist hier das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, BafA, in Eschborn. Federführend ist innerhalb der Bundesregierung das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Das Auswärtige Amt wird dagegen bei diesen Fragen nur in relativ wenigen Fällen befasst.

Wer im Ausland tätig wird, sollte nach dem Ratschlag der Referenten auch Kontakte zu anderen Einrichtungen aufbauen, etwa zur Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, sowie zur jeweiligen Auslandshandelskammer vor Ort. Gut aufbereitete Informationen über die wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse in den Ländern finden sich vor allen Dingen auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes (http://www.auswaertiges-amt.de) und der Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH, GTAI, (http://www.gtai.de).

Zu dem Workshop hatte die Industrie- und Handelskammer Siegen gemeinsam mit dem Industrie- und Handelsclub, IHC, eingeladen.

Bildzeile: Die Deutschen Botschaften sind für die Wirtschaft erste Adressen vor Ort. Von links nach rechts: Botschafter Dr. Günther Koenig, IHC-Präsident Joachim Herbst, Dr. Volker Berresheim

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