Siegener Defensive hält gegen Gladbacher Offensivkraft: Sportfreunde vor "Matchball-Spiel"

wS/jk – Siegen – 06.05.2012 – Mit einem Bein stehen die Sportfreunde Siegen in der Regionalliga. „Wir können jetzt den Kühlschrank schon anmachen und schauen am Mittwoch, ob wir ihn aufmachen oder noch zulassen“, sagte Trainer Michael Boris nach dem 1:0-Erfolg des NRW-Ligisten gegen den SV Bergisch Glabach am Sonntagnachmittag im Leimbachstadion.

„Nun haben wir ein Matchballspiel“, so Boris im Hinblick auf das am kommenden Mittwochabend (Anstoß: 19 Uhr) anstehende Nachholspiel bei NRW-Liga-Spitzenreiter Viktoria Köln, in dem man „vor heimischer Kulisse gerne hochgehen will“.

„Matchball-Spiel“ für Sportfreunde Siegen

Die folgende Konstellation macht es möglich: Die ersten drei Mannschaften steigen direkt in die Regionalliga auf. Arminia Bielefeld II und Alemannia Aachen II als Vierter und Fünfter können die Sportfreunde zwar rein rechnerisch noch einholen, dürfen aber nicht aufsteigen.

Denn die Erste der beiden Vereine spielt kommende Saison in der 3. Liga, nachdem Aachen am Sonntag als Absteiger aus der zweiten Liga feststeht und Bielefeld weiter drittklassig bleibt. Zwischen Profi- und Amateurteams muss mindestens eine Liga stehen. Der momentan Sechste aus Velbert verlor gegen Viktoria Köln mit 0:3 und liegt nunmehr zehn Punkte hinter Siegen.

In den verbleibenden vier Spielen können die Velberter noch maximal zwölf Punkte holen. Mit einem Sieg im Spitzenspiel – Erster gegen Zweiter – am Mittwoch können die Sportfreunde ihren Vorsprung auf 13 Punkte ausbauen und der Aufstieg in die Regionalliga West wäre perfekt. Klappt das nicht, hat Siegen noch das Nachholspiel gegen Kellerkind RW Ahlen (16. Mai) in der Hinterhand.

Zum 19. Mal „zu Null“: Defensivstärke setzt sich durch

Wichtig war aber zunächst ein Dreier gegen den offensivstarken Gegner aus Bergisch Gladbach, der vor 1.679 Zuschauern im Leimbachstadion zeigte, warum man mit 18 Toren beim 6:0-Triple in den letzten drei Wochen von sich Reden machte. Die Qualität in der Offensive war unverkennbar, bestätigte auch Michael Boris.

Doch in Siegen traf man auf die beste Abwehr der Liga, die zum 19. Mal die „Null“ hielt. Die Siegener Verteidiger um den abermals sehr starken Leon Binder behielten die Oberhand und waren an dem knappen 1:0-Erfolg maßgeblich beteiligt. „Wir hätten lieber in den letzten drei Wochen ein Tor weniger gemacht, dafür hier eins geschossen und einen Punkt mitgenommen“, so Bergisch Gladbachs Trainer Dietmar „Didi“ Schacht: „Der wäre verdient gewesen“, befand er.

Schacht: „Hätten einen Punkt verdient gehabt“

Der ehmalige Trainer des FC Kaan-Marienborn, nun in den Diensten der Rheinländer“, bekräftigte, er habe in den 90 Minuten ein tolles Fußballspiel seiner Mannschaft gesehen. Diese machte von Beginn an Druck auf das Siegener Tor. Aus der Drehung hatte Rachid Eckert nach elf Minuten die erste Chance; Siegens Tormann Raphael Koczor wehrte den Ball zur Ecke ab.

Trotz teils gelungener Ballstaffetten über Alexander Hettich oder Sven Michel konnte sich Siegen im Mittelfeld nicht entscheidend durchsetzen und Bergisch Gladbach hatte mehr vom Spiel. Das sah auch Michael Boris so: „Da sind wir nicht klar gekommen und mussten die beiden Außenspieler Sven Michel und Julian Jakobs mehr nach innen ziehen“, so der Trainer.

Als man das Mittelfeld durch einen Steilpass aus der eigenen Abwehr überbrückte und Rene Lewejohann den Ball in die Schnittstelle der Gäste-Verteidigung weiterleitete, war Sven Michel in der 14. Minute plötzlich durch und schob überlegt zum 1:0 der Sportfreunde ein. Der Führungstreffer beflügelte auch in den Folgeminuten.

Tor von Rene Lewejohann wegen Abseits aberkannt

Siegen hatte Chancen: Als Hettich nach 16 Minuten Julian Jakobs freispielte, war dieser im Abseits und sechs Minuten später kam Jakobs‘ Pass auf Michel bei einem Konter zu spät. Zwei Verteidiger der Gladbacher konnten Sven Michel nach 34 Minuten noch stoppen, als Hettich in seinen Lauf spielte.

Das vorentscheidende 2:0 wäre in der 44. Minute auf das Konto von Rene Lewejohann gegangen, als dieser von Hettich auf der linken Seiten bedient wird, in den Strafraum geht und den Ball im langen Eck unterbringt. Doch Schiedsrichter Martin Gropengießer entschied hier fälschlicherweise auf Abseits.

Da Bergisch Gladbach nicht ungefährlich war und beispielsweise durch Andre Schilamow (25.) aus der Distanz und Deniz Öztürk (38.) nach einem Fehlpass gute Tormöglichkeiten hatte, wäre der Zwei-Tore-Vorsprung zur Pause beruhigend gewesen. Auf die Siegener Abwehr wartete somit in der zweiten Halbzeit noch viel Arbeit.

Boris: „Konter in der zweiten Halbzeit nicht gut gesetzt“

Denn Bergisch Gladbach war in den zweiten 45 Minuten am Drücker, während sich die Sportfreunde Siegen auf das Kontern konzentrierten. Auf Höhe der Mittellinie wartete der schnelle Julian Jakobs auf solche Möglichkeiten. „Die Konter haben wir nicht gut gesetzt“, bemängelte Michael Boris an der zweiten Halbzeit. Einzig Sven Michel setzte sich in der 68. Minute einmal durch und versuchte einen Heber über SV-Torwart Sven Forsbach, der aber noch an den Ball kam.

Auch Rene Lewejohann scheiterte zweifach an dem Gladbacher Schlussmann in der 62. Minute aus kurzer Distanz. Auf der anderen Seite musste sich Leon Binder in den Schuss von Uwe Brüggemann (70.) werfen, um ein Gegentor zu verhindern sowie nach einem 20-Meter-Schuss von Norman Wermes (80.) kurz vor der Linie retten.

Die Sportfreunde-Spieler brachten den knappen Vorsprung über die Zeit und ihre Defensivstärke gewann gegen die Offensivkraft aus Bergisch Gladbach. Nun wartet das bereits erwähnte „Matchball“-Spiel in Köln, für das auch die Siegener Fans mobil machen wollen.

Sportfreunde Siegen – SV Bergisch Gladbach 1:0 (1:0).
Siegen: Koczor, Dalman, Nowak, Binder, Tuysuz, Issa, Jakobs (89., Saidi), Grebe (82., Göbel), Michel, Hettich (69., Schattner), Lewejohann. – Bergisch Gladbach: Forsbach, Balduan (74., Heinen), Retterath, Sezer (68., Volkert), Erdmann, Brüggemann, Windmüller, Öztürk (53., Püttmann), Schilamow, Eckert. – Tor: 1:0 Sven Michel (14.). – Schiedsrichter: Martin Gropengießer (Hemer). – Zuschauer: 1679.

Bericht: Jürgen Kirsch

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