Erndtebrücker Pokal-Sensation lässt Sportfreunde-Träume platzen

wS/jk – Erndtebrück – 12.09.2012 – Ein vielsagendes Bild im Pulverwald-Stadion: Die Erndtebrücker Oberligisten feierten und die im Westfalenpokal geschlagenen Siegener mussten zehn Runden auslaufen. Das Fazit aus 90 Minuten eines Lokalderbys, das nur den Wittgensteiner Vertretern geschmeckt haben dürfte. Die TuS-Elf von Trainer Peter Cestonaro war dabei der verdiente Sieger.

Nicht nur, weil man dem Regionalligisten in der ersten Halbzeit dieses Pokal-Derbys den Schneid abkaufte und mit zwei Toren praktisch schon zur Halbzeit für eine Sensation am Pulverwald sorgte, sondern vor allem, weil man den Vorsprung bis zur letzten Minute verteidigte. „Nach den Turbulenzen der letzten Tage ist es bemerkenswert, mit welcher Einstellung die Mannschaft hier aufspielte“, umschrieb Erndtebrücks Trainer Peter Cestonaro die starke Moral seiner Truppe.

Gemeint war natürlich der auch von den Medien aufgebauschte Skandal um den suspendierten Ersatz-Torhüter Jannik von der Heiden, der dem Lokalderby fern blieb. Doch dass der TuS Erndtebrück vor dem Duell mit dem Lokalrivalen aus Siegen mächtig in den Schlagzeigen war, tat dem Oberligisten offensichtlich gut.

Waldrich und Burk schocken Siegen

„In den Duellen zuvor war nur von Siegen die Rede, dann bekamen meine Spieler das Flattern. Nun war es mal andersherum“, so Cestonaro. In der Tat: Denn schon nach zwei Minuten hätte es im Kasten von SFS-Torwart Raphael Koczor klingeln können, als ein Fehlpass von Christoph Klippel die Vorlage für TuS-Stürmer Markus Waldrich war. Der vergab die Chance.

Was eigentlich ein Warnschuss für die Elf von Trainer Michael Boris gewesen sein dürfte, läutete nach einem Pfostentreffer von Richard Weber (15.), der das Aluminium nach Zeh-Freistoß getroffen hatte, den Erndtebrücker Siegeszug ein. Womöglich wäre das Spiel anders verlaufen, hätte Weber hier getroffen, doch der Moral der Wittgensteiner hätte an diesem Tag auch das keinen Abbruch getan.

Man schrieb die 18. Minute, als José Matuwila einen Freistoß trat, den Markus Waldrich unhaltbar für Koczor noch abfälschte. Plötzlich führte der „Underdog“. Daraufhin musste sich der Siegener Torwart nochmal beweisen, als eine Maser-Ecker auf den kurzen Pfosten kam. Der TuS-Spieler leitete dann auch den Doppelschlag ein.

Schwache Siegener zur Pause 0:2 hinten

Aus gut 35 Meter nahm Maser, seine Freistöße sind stets torgefährlich, Maß und Siegens Keeper konnte den Ball nur abklatschen, wofür sich der herangestürmte Ex-Sportfreund Johannes Burk nur bedankte und das Leder zum 2:0 über die Linie drückte. Das saß! Die Siegener reklamierten noch Abseits, doch Schiedsrichter Oliver Topp gab den Treffer und verteilte gelbe Karten wegen der Proteste.

Doch weil die Erndtebrücker sich in Durchgang eins besser verkauften, war die 2:0-Pausenführung mehr als leistungsgerecht. Mit einem Schuss von Markus Waldrich (40.) hatten sie auch die letzte Torgelgenheit in den ersten 45 Minuten, in denen Siegen bis auf einen Zeh-Schuss aufs Tor von Bäcker (29.), der am langen Pfosten vorbei ging, nichts zu Stande brachte.

Aus dem ersten Saisonsieg in Gütersloh und erst kürzlich beim Kick gegen Schalke 04 hatte Erndtebrück genügend Selbstvertrauen für ein Derby gesammelt, bei dem die Motivation ohnehin ungeahnte Höhen erreicht. Umso unverständlicher die Einstellung der Siegener, die immerhin weitaus höhere Pokal-Ziele propagierten. „Mehr als warnen, kann ich die Spieler nicht“, so ein sichtlich angefressener Michael Boris.

Cestonaro: „Vorsprung ordentlich über die Bühne gebracht“

„Schon beim ersten Ball spielen wir einen Fehlpass. Da kann man ein Einstellungsproblem nicht leugnen. Wir haben in der ersten Halbzeit nicht genügend Aufwand betrieben“, so der Sportfreunde-Trainer. Sein Gegenüber sah das naturgemäß anders: „Schon am Anfang haben wir die erste Chance und spielen gut mit“, lautete die Analyse von Cestonaro.

Die zweite Halbzeit verlief aus Siegener Sicht deutlich besser. Die Sportfreunde schnürten Erndtebrück ein. Der Anschlusstreffer war nur eine Frage der Zeit. Nach einem Steilpass von Richard Weber nimmt Alexander Hettich das Spielgerät an der Strafraumgrenze volley und drischt es in die Maschen – nur noch 1:2!

Doch aufkeimende Hoffnungen der Sportfreunde-Anhänger im Pulverwald-Käfig auf mindestens eine Verlängerung wurden dadurch getrübt, dass es die Siegener Mannschaft versäumte in der übrigen halben Stunde des Spiels das Mehr an Ballbesitz auch im TuS-Strafraum auszuspielen. Erndtebrück ließ wenig zu und brachte den knappen Vorsprung über die Zeit.

Siegener Traum vom DFB-Pokal ist geplatzt

Zwar kam Siegen noch zu Chancen nach einem Zeh-Kopfball (67.) und nach einem Schussversuch (77.) sowie einem Kopfball (85.) von Alexander Hettich. Doch über Konter hätte Erndtebrück gut und gerne auch das 3:1 schießen können – und die Taktik wäre aufgegangen. „Wir haben zu viele Standards zugelassen in Hälfte Zwei, doch auch diese Phase haben wir überstanden“, so TuS-Coach Cestonaro, der seine Elf gut einstellte, um den Vorsprung „ordentlich über die Bühne zu bringen“.

Unterm Strich ein verdienter Sieg der Erndtebrücker, an der die Siegener Fanseele noch lange zu nagen hat. Der „Betriebsunfall“ von Netphen-Deuz 2011, als Siegen im Elfmeterschießen um den Kreispokal-Sieg gegen Erndtebrück verlor, fand seine Fortsetzung.

„Ich bin total enttäuscht“, sagte Sportfreunde-Trainer Michael Boris, der trotz anderer Bekundung die Siegener Pokal-Pleite vielleicht doch persönlich nahm. Er stellte fest, dass seine Regionalligisten sich trotz mehr Schwung im zweiten Durchgang keine Chance mehr erarbeiten. Der Traum von den Fleischtöpfen des DFB-Pokals ist für die Sportfreunde Siegen geplatzt.

Die Erndtebrücker, die des Feierns an diesem Mittwochabend nicht müde wurden, dürfen sich nun auf die nächste Pokal-Runde freuen. Nehmen sie auch die Achtelfinal-Hürde gegen Westfalenligist Maaslingen, der 3:2 gegen Rödinghausen gewann, winkt ein weiteres Highlight gegen Drittligist Arminia Bielefeld, die sich allerdings in Gütersloh erst in der Verlängerung durchsetzen.

TuS Erndtebrück – Sportfreunde Siegen 2:1 (2:0).
Erndtebrück: Bäcker – Matuwila, Wahl, Gelber, Leicher – Burk (59., Stein), Maser, Ziegler, Hinkel (72., Wadolowski) – Schneider (83., Markow), Waldrich. – Siegen: Koczor, Dalman, Klippel, Weber, Lemke (85., Süßenbach) – Zeh, Dej (73., Mlynikowski) – Jakobs, Hettich, Michel – Lewejohann. – Tore: 1:0 Markus Waldrich (18.), 2:0 Johannes Burk (23.), 2:1 Alexander Hettich (54.). – Schiedsricher: Oliver Topp (Büren). – Zuschauer: 650.

Derweil hat sich auch Germania Salchendorf als dritter Vertreter im Westfalenpokal aus dem Wettbewerb verabschiedet. Gegen Oberligist SV Lippstadt setzte es eine 1:5-Niederlage.

Auch Salchendorf muss Segel streichen

Die Gäste-Führung durch Serdar Erdogmus (22.) glich der Bezirksligist durch den spielenden Co-Trainer Sebastian Reineck (30.) aus, doch Björn Traufetter (36.) sorgte für den 2:1-Pausenstand.

Im zweiten Durchgang erzielte der Lippstädter Lars Schröder (55.) das 3:1 für die Gäste, ehe erneut Traufetter (65.) für die endgültige Entscheidung sorgte. Den Schlusspunkt setzte dann Erdogmus in der Nachspielzeit.

Bericht: Jürgen Kirsch