„Volpone“ – ein Finanzjongleur stolpert über seine Gier

wS/apo Siegen – Das Schauspielhaus Bochum bringt mit „Volpone“ eine Komödie aus dem frühen 17. Jahrhundert auf die Apollo-Bühne, die brandaktuell ist – wie für das 21. Jahrhundert geschrieben.

Dabei war der Dichter Ben Jonson ein Freund und Zeitgenosse von Shakespeare. Zu erleben ist „Volpone“ im Siegener Theater an der Morleystraße 1 am Donnerstag und Freitag, 2. und 3. Mai, jeweils ab 20 Uhr, sowie am Samstag, 4. Mai, 19 Uhr.

Die Geschäftsidee des Titelhelden Volpone wirkt wie die Perfektionierung der Aktionen heutiger Finanzjongleure. Denn Volpone hat ein unschlagbares Investitionsangebot: Auf dem Sterbebett liegend, bietet er demjenigen sein Erbe an, der ihn am besten behandelt – und am meisten in ihn investiert.

Indem er sich todkrank stellt, ruft dieser schlaue Fuchs eine ganze Schar von tierischen Erbschleichern auf den Plan, deren Gier nach Reichtum sie alle Moral und Ehrgefühle vergessen lässt. Doch Volpone spielt falsch und ist in Wirklichkeit kerngesund, die Wette auf den eigenen Tod also ein einziger Bluff. Das geht solange gut und ist einträglich, bis der Spieler Volpone sein Blatt überreizt und die Gier und der Reiz des Spiels größer werden als das Abwägen des Risikos.

„Volpone“ war bereits zu Lebzeiten Jonsons ein großer Erfolg. Sowohl von Zeitgenossen als auch von der Nachwelt als satirisches und realistisches Meisterwerk höchsten Ranges gelobt, spricht aus dieser klassischen Komödie in erster Linie die Menschenkenntnis und die scharfe Zunge des Autors.

Als lustvolle bissige Satire auf die Verlogenheit einer Welt, deren einzige Motivation das Streben nach Geld und Reichtum ist, zielt „Volpone“ in das Herz unserer heutigen kapitalistischen Gesellschaft.

Übrigens: Der Handlungskern geht auf die Tierfabel vom schlauen Fuchs zurück, der sich tot stellt, um Aasfresser anzulocken, die ihm sodann zur leichten Beute werden.

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