Uni-Angebot für Flüchtlinge

(wS/uni) Siegen – Universität und Stadt Siegen stellen Gesamtkonzept „Haardter Berg“ für die umfangreiche Betreuung von Flüchtlingen vor. Bildungsangebot steht allen offen, Engagement von Studierenden wird belohnt, Haardter-Berg-Schule wird einbezogen.

Archivbild: Hercher

Archivbild: Hercher

Die Sporthalle der Universität Siegen auf dem Haardter Berg bleibt für weitere sechs Monate eine Notunterkunft – dazu haben sich die Universität und die Stadt Siegen bekannt. „Es ist unsere Aufgabe als Universität, zu helfen. Das ist das Wichtigste überhaupt. Diese gesellschaftliche Verantwortung übernehmen wir, diese Willkommenskultur möchten wir leben“, sagte Prof. Dr. Holger Burckhart, Rektor der Uni Siegen. „Flüchtlinge riskieren alles, riskieren ihr Leben und das ihrer Kinder. Diesen Menschen möchten wir helfen und sie menschenwürdig aufnehmen“, sagte Bürgermeister Steffen Mues. Gemeinsam stellten Stadt und Universität Siegen nun die Pläne für die zukünftige Betreuung der Geflüchteten vor.

Bildungsangebote für Flüchtlinge

Ziel ist, allen Flüchtlingen den Zugang zu den Bildungsangeboten der Universität zu ermöglichen und so ihre Integration in die Gesellschaft zu fördern. Der erste Schritt dazu ist die Öffnung der Universität. „Integration durch Bildung, diesen Spruch gibt es seit Jahren. Wir möchten ihn mit Leben füllen. Der Bildungshügel kann gesellschaftlich wirken, deshalb möchten wir ein ‚Gesamtkonzept Haardter Berg‘ angehen. Dieses Angebot ist nicht nur für die Flüchtlinge hier in der Sporthalle, es ist für alle“, erklärte Prof. Burckhart. Geplant ist, Bildungs- und Betreuungsangebote zu schaffen. Dazu zählen Sprachkurse, Mentoring-Programme und die Möglichkeit, Flüchtlingen als Gasthörer Zugang zu universitären Veranstaltungen zu ermöglichen. „Wir möchten Bildung entlang der gesamten Lebensspanne anbieten, von der Kita bis hin zur Universität. Das ist unser Auftrag“, sagte Prof. Burckhart.

Studium und soziales Engagement verknüpfen

Eine entscheidende Rolle kommt den Studierenden zu. Bereits jetzt engagieren sich mehr als 100 Studierende der Uni Siegen rund um die Notunterkunft. Sie helfen ehrenamtlich als Dolmetscher und in der Kinderbetreuung, die studentische Initiative „Refugees Welcome“ betreibt einen Kleiderladen. Die Universität Siegen möchte dieses außerordentliche Engagement belohnen, indem ehrenamtliche Tätigkeiten als Studienleistungen anerkannt werden. „Das macht ‚Social Learning‘ aus. Dadurch lernen Studierende mehr als aus jedem Lehrbuch, diese enorm wichtige soziale Komponente möchten wir mit dem Studium verknüpfen“, erklärte Prof. Burckhart.

30 zusätzliche Stellen für Flüchtlingshilfe

Außerdem stellt die Universität Siegen rund 200.000 Euro zur Verfügung, um bis zu 30 Stellen für studentische Hilfskräfte zu finanzieren. Die Hilfskräfte können in der Betreuung der Flüchtlinge arbeiten und werden finanziell entlastet. „Unsere Studentinnen und Studenten helfen ehrenamtlich. Viele müssen nebenbei arbeiten, um ihre Miete zu zahlen und ihr Studium zu finanzieren. All denen möchten wir mit einer Stelle als studentischer Hilfskraft helfen, damit sie den Flüchtlingen helfen können“, erklärte Ulf Richter, Kanzler der Universität Siegen.

Wohnraum für Flüchtlinge

Der zweite Schritt für eine bessere Integration der Flüchtlinge ist die Schaffung von Wohnraum. Statt einer Zeltstadt können die Menschen durch Wohnmöglichkeiten im Stadtgebiet besser integriert werden. „Ich appelliere an die Siegener Bevölkerung, den Flüchtlingen Wohnraum zur Verfügung zu stellen“, erklärte Bürgermeister Mues. Dem schloss sich Rektor Burckhart an: „Ich zähle auf die Bereitschaft der Siegener, diese Menschen aufzunehmen. Wir werden als Hochschule unseren Teil erfüllen.“

Hochschulsport wird fortgesetzt

Eine Voraussetzung für die Verlängerung der Nutzung der Sporthalle als Notunterkunft war, auch im kommenden Wintersemester 2015/2016 Hochschulsport anzubieten. Die Universität stimmt sich dazu eng mit der Sport- und Bäderabteilung der Stadt ab. Die Universität Siegen hat die Pflicht, Hochschulsport anzubieten und wird dieser Pflicht nachkommen. Die Stadt Siegen wird dafür Ausweichflächen zur Verfügung stellen. In der vorlesungsfreien Zeit gibt es bereits ein Angebot, am Sport-Angebot für das Wintersemester wird gearbeitet.

Betreuung der Flüchtlinge auch in Haardter-Berg-Schule

Mit der Verlängerung der Nutzung der Sporthalle kamen Stadt und Universität einer Bitte der Bezirksregierung nach. „Die Notunterkunft auf dem Haardter Berg hat Vorbildcharakter“, sagte Bürgermeister Mues und führte aus: „Das Erfolgsgeheimnis ist die gute Zusammenarbeit von vielen Kräften“. Bis zu sieben hauptamtliche Kräfte der Stadt Siegen kümmern sich um die Organisation der Notunterkunft, 139 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sind im Einsatz. Die Universität Siegen unterstützt die Stadt beim Betrieb und stellt Personal zur Verfügung. „Wir wollen diesen Weg weitergehen, aber dafür benötigen wir die finanzielle Unterstützung des Landes. Ich appelliere an NRW und den Bund, finanzielle Mittel den Kommunen zukommen zu lassen“, sagte Mues.

Die Betreuung der Flüchtlinge wird in den nächsten Wochen auf die Haardter-Berg-Schule ausgeweitet. Der Schulbetrieb ist vor kurzem ausgelaufen, bereits wird in der Sporthalle der Schule ein Sport-Angebot für Flüchtlinge ermöglicht. In Zukunft werden die Essensausgabe, die Kinderbetreuung sowie Aufenthaltsmöglichkeiten hier umgesetzt. Auch Bildungsangebote der Universität Siegen für Flüchtlinge, z.B. Sprachkurse oder Informationen über Ämter- und Stadtstrukturen, sollen hier stattfinden.

Darüber hinaus befinden sich die Stadt Siegen und die Universität in zielführenden Gesprächen über eine Veräußerung der Haardter-Berg-Schule an die Universität. Hintergrund ist das geplante Sanierungsprogramm auf dem Haardter Berg. Die Gebäude auf dem Campus Adolf-Reichwein-Straße sind in den 1970er Jahren errichtet worden, hier gibt es akuten Sanierungsbedarf. Das Land NRW stellt der Universität Siegen aus dem Hochschulbaukonsolidierungsprogramm insgesamt rund 65 Millionen Euro zur Verfügung. Zu den Bereichen, die saniert werden sollen, zählen die Gebäudekomplexe K, H, die Bibliothek und die Mensa. Die Universität benötigt für diese Sanierungen bis zum Jahr 2019 Ausweichflächen. Die Haardter-Berg-Schule ist bei diesen Planungen eine entscheidende Option.

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