„Dem Ingenieur ist nichts zu schwör“

Dachkonstruktion der Großturnhalle am Rassberg war seinerzeit Novum

(wS/red) Neunkirchen 25.08.2017 | Ganz besondere Einblicke gewährt derzeit die Großturnhalle am Rassberg. Die umfangreichen Sanierungsarbeiten an der Hallendecke erfordern ein sechs Meter hohes Arbeitsgerüst. Mit dessen Hilfe sind Dämmarbeiten am Hallendach sowie die Neuverlegung der Dachentwässerung möglich. An diese Maßnahmen schließen sich der Einbau einer neuen Akustikhallendecke sowie einer energiesparenden LED-Deckenbeleuchtung an. Aktuell aber lässt die Deckenkonstruktion insbesondere Statiker und Ingenieure staunen. Darunter auch Hans Wiese. Seit nunmehr 40 Jahren ist er für die Gemeindeverwaltung ein wichtiger Ansprech- und Kooperationspartner in Sachen Bauen und wird bei allen wichtigen Baumaßnahmen hinzugezogen.

Mit Ingenieur Hans Wiese und Bauamtsleiter Arno Krämer überprüften jetzt zwei „alte Hasen“ die Deckenkonstruktion in der Großturnhalle am Rassberg. (Fotos: Gemeinde Neunkirchen)

Als das Gebäude zu Beginn der 1970er Jahre gebaut wurde, konnten in der Region noch keine Dachbinder in der benötigten Länge hergestellt werden. Um eine haltbare, sichere und vor allem 31 Meter lange Deckenkonstruktion herzustellen, waren findige Ingenieure gefragt. Wiese erklärt das Verfahren: „Auf die Baustelle wurden je zwei halbe Binder mit einem einbetonierten Hüllwellrohr geliefert. Vor Ort wurden die Stirnflächen aneinander gelegt und durch das Hüllwellrohr mit einem Spannglied, also mit extrem stabilen Stahlseilen verbunden. Um diesem sehr robusten Element noch mehr Stabilität zu verleihen, verband man die Binder im oberen Bereich mit angeschweißten Stahllaschen und betonierte die Vergussnut in der Mitte aus.“

Anschließend wurde das Hüllwellrohr mit einem Spezialzement vollständig ausgepresst und mit einer entsprechend großen Schraubmutter fixiert. Mit einer Kraft von ca. 130 Tonnen wurde das Spannglied schließlich hydraulisch gezogen. Das komplette Konstrukt konnte dann mit Hilfe eines Krans auf den Hallenstützen montiert werden.

Bauamtsleiter Arno Krämer und Ingenieur Hans Wiese nutzten jetzt die Gelegenheit, sich diese kluge Konstruktion aus der Nähe anzusehen. „Es handelt sich hier um eine sehr seltene, wenn nicht gar einmalige Anfertigung“, so Wiese, der die Gemeinde Neunkirchen bei vielen Baumaßnahmen als Sachverständiger begleitet. „Die Bauweise hat sich bewährt“, weiß auch Arno Krämer. „An der Hallendachkonstruktion gibt es keinerlei Beanstandungen.“

Das Gebäude war seinerzeit vom Architekturbüro Reichert geplant und von der Firma Drössler gebaut worden. Die Statik übernahmen Neuhaus – Schwermann aus Dortmund.

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