Siegen – Archäologische Grabungen im südlichen Schlosspark abgeschlossen

(wS/red) Siegen 21.03.2019Vor der Umgestaltung des südlichen Schlosspark-Areals

Rund ein Monat nach dem Beginn der archäologischen Grabungen im südlichen Areal des Schlossparks am Oberen Schloss werden diese zum Ende dieser Woche abgeschlossen. Im Bereich der ehemaligen Jugendherberge und des Spielplatzes befand sich im 19. Jahrhundert ein Friedhof – und damit archäologische Substanz, die untersucht werden musste, da dieser Bereich des Schlossparks als Bodendenkmal eingetragen ist. Dr. Eva Cichy, Archäologin der Außenstelle Olpe LWL-Archäologie, und Thies Evers von der beauftragten Fachfirma stellten bei einem Pressetermin heute (Donnerstag, 21. März 2019) die Ergebnisse ihrer Grabungsarbeiten vor. Die archäologischen Schürfungen beschränkten sich dabei auf sechs Stellen, jeweils etwa vier bis fünf Meter breit und 15 Meter lang.

Bereits zu Beginn ihrer Arbeit hatten die Archäologen bei einem Auftakttermin Umrisse von Grabgruben gezeigt; inzwischen wurden auch Gebeine gefunden und teilweise geborgen. „Im Idealfall müssen keine Gebeine geborgen werden, da solche Grabungen immer auch mit Beschädigungen einhergehen“, erläuterte Dr. Eva Cichy. Deshalb beschränkt sich die Bergung der Knochen auf die Gräber, die von den geplanten Baumaßnahmen im Schlosspark im Rahmen des Städtebauprojekts „Rund um den Siegberg“ unmittelbar gefährdet sind und zerstört würden. Im Schlosspark handelte es sich um insgesamt 15 Gräber. Die Überreste werden im Nachgang noch anthropologisch untersucht. „So können wir Information über Alter, Geschlecht sowie eventuelle Krankheiten und die Herkunft der Verstorbenen erhalten. Besonders hilfreich ist dabei der Zustand der Zähne“, erklärte Cichy.

Laut Dokumenten des Stadtarchivs Siegen sei der Säugling Adolph Schmoll am 21. Februar 1843 als erste Person auf dem Friedhof bestattet worden, so Dr. Eva Cichy. Im Jahr 1907 lautete die Bezeichnung für das Areal dann bereits „alter Friedhof“, sodass davon ausgegangen werden kann, dass dort zu diesem Zeitpunkt keine Bestattungen mehr stattfanden. „Teilweise sind die Gräber weniger als einen halben Meter voneinander entfernt oder überschneiden sich leicht. So eine dichte Belegung lässt darauf schließen, dass der Friedhof in der relativ kurzen Zeit sehr intensiv genutzt wurde“, erklärte Thies Evers. „Die Särge waren alle aus Holz, das natürlich nicht mehr erhalten ist.“ Metallische Sargbeschläge blieben jedoch erhalten und konnten ebenfalls geborgen werden. Außerdem haben die Archäologen in einigen Gräbern kleine Beigaben gefunden: Überreste von zwei Rosenkränzen und eine kleine Flasche, vermutlich für Weihwasser, befanden sich in einem Grab.

Die Hinweise auf eine Schlackenhalde konnten lediglich indirekt bestätigt werden. „Die Schlackenreste sind recht gering, aber sie sind ein indirekter Nachweis für die Erzverhüttung, die hier im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit vermutlich stattgefunden hat“, erklärte Thies Evers. Im weiteren Fortgang des Städtebauprojekts „Rund um den Siegberg“ wird der südliche Bereich des Schlossparks unter anderem einen Spielplatz und eine multifunktional nutzbare Spiel- und Liegewiese erhalten. Die städtische Grünflächenabteilung hofft, nach den Ausschreibungen im Spätsommer mit den Erdarbeiten in der Erweiterungsfläche des Schlossparks beginnen zu können.
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