Gemeinde Wilnsdorf hat Bahnhofsgebäude Rudersdorf erworben

(wS/Wi) Wilnsdorf-Rudersdorf 23.06.2021 | Zukunft für Schmuckstück im Dornröschenschlaf

Diese einmalige Gelegenheit wollte man sich im Wilnsdorfer Rathaus nicht entgehen lassen: Die Gemeinde hat ein Verkaufsangebot der Deutschen Bahn angenommen und das denkmalgeschützte Empfangsgebäude am Bahnhof Rudersdorf erworben, zusammen mit dem dazugehörenden Grundstück. „Damit haben wir uns die Chance eröffnet, das ortsbildprägende Gebäude wiederherzurichten“, freut sich Bürgermeister Hannes Gieseler. Die Verträge sind bereits unterzeichnet, das grüne Licht dafür erteilte der Wilnsdorfer Gemeinderat in seiner letzten Sitzung.

Die Hoffnung auf eine schnelle Nutzung der Räume muss der Bürgermeister aber direkt dämpfen: „Bevor wieder Leben ins Gebäude einziehen kann, muss es erst mit hohem Aufwand saniert werden“, sagt Hannes Gieseler. Dabei nimmt er Bezug auf Gutachten, die im Rahmen der Vertragsverhandlungen entstanden waren und den Wert von Grundstück und Gebäude auf insgesamt rund 50.000 Euro schätzen. Allein um den bloßen Erhalt des Gebäudes zu sichern, wird die Gemeinde Wilnsdorf nochmal die gleiche Summe in die Hand nehmen müssen, führt Gieseler aus. „Damit das Gebäude wieder richtig nutzbar ist, müssten wir aber umfassend sanieren, da sprechen wir über weitere Investitionen in Höhe von bis zu 380.000 Euro“. Deswegen wurde dem Gemeinderat im Mai auch zunächst nur die Kaufentscheidung zur Abstimmung vorgelegt. „Ob und mit welchem Ziel wir über die bloße Substanzsicherung hinaus Hand anlegen, darüber machen wir uns im nächsten Schritt Gedanken. Mir war jetzt erstmal nur wichtig, dass uns niemand die Immobilie wegschnappt“, betont Wilnsdorfs Bürgermeister.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Bahnflächenentwicklungsgesellschaft (BEG) das Rudersdorfer Bahnhofsgebäude samt Grundstück zu einem „Empfangsgebäudepaket“ verschnürt. Hinter dem Namen steckt ein einheitliches und transparentes Verfahren, nach dem schon zahlreiche Empfangsgebäude in ganz NRW veräußert wurden und das u.a. ein Vorkaufsrecht für Kommunen vorsieht. Erste konkrete Gespräche über das Rudersdorfer Bahnhofsgebäude gab es im Sommer 2020. „Als die Bahn mit ihrem Verkaufsinteresse an die Gemeinde Wilnsdorf herantrat, war uns sofort klar, dass wir hier unbedingt zuschlagen müssen“, erzählt Liegenschaftsleiter Florian Schmiedl.

Freuen sich darüber, dass die Gemeinde Wilnsdorf das Empfangsgebäude am Bahnhof Rudersdorf erwerben konnte (v.l.): Ortsvorsteher Gregor Hartmann, Bürgermeister Hannes Gieseler und Liegenschaftsleiter Florian Schmiedl.

Der Bahnhof ist von großem kommunalen Interesse, weil er zurzeit der einzige Haltepunkt am Schienennetz in der Gemeinde Wilnsdorf ist, führt Schmiedl aus: „Deswegen haben wir dort auch vor einigen Jahren eine Park-and-Ride-Anlage gebaut, um den Bahnhof noch attraktiver für Pendler zu machen“. Die wird inzwischen so gut angenommen, dass wieder Platzbedarf besteht, „außerdem würden wir hier gern auch eine Bike-and-Ride-Anlage bauen, also sichere Stellplätze für Fahrräder“. Und genau dafür bietet sich das Grundstück rings um das Empfangsgebäude an.

Auch Rudersdorfs Ortsvorsteher Gregor Hartmann freut sich, dass es jetzt endlich eine Entwicklungsperspektive für den Bahnhof gibt. Schon seit langem sei das verlassen wirkende Gebäude den Rudersdorfern ein Dorn im Auge, sagt er. „Man sieht dem Gebäude an, dass es kaum noch genutzt wird, die Bahn unterhält hier lediglich noch einige Technikräume“, weiß er zu berichten, „definitiv kein schönes Aushängeschild für unseren Ort“. Wie das Gebäude zu neuem, attraktivem Leben erweckt werden könnte, dazu haben Ortsvorsteher und Bürgermeister schon erste Ideen: „Vielleicht mit einem gastronomischen oder kulturellen Angebot“. Ganz frei ist die Gemeinde Wilnsdorf aber nicht in der Gestaltung der Immobilie, denn die Deutsche Bahn wird weiterhin Technikräume in Anspruch nehmen, wenn auch weniger als zuvor. „Dennoch bleiben uns viele Möglichkeiten, dieses unscheinbare Schmuckstück wieder aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken“, sind sich alle einig.

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