Team des Lungenzentrums am Kreisklinikum Siegen unterstützt „Kinder brauchen uns e.V.“

(wS/ks) Siegen 28.01.2022 | Hilfe für den kleinen Shabir aus Kabul

Für seine noch jungen zwölf Jahre, hat der kleine Shabir bereits eine lange und bewegende Krankheitsgeschichte hinter sich – und das in einem Land mit unzureichender medizinischer Versorgung. Denn Shabirs Heimat ist ein kleiner Ort, 300 Kilometer entfernt von Kabul, Afghanistan. Dort erhielt er die Verdachtsdiagnose Tuberkulose. In Deutschland ist die Infektionskrankheit dank guter medizinischer Versorgung und hoher Hygienestandards selten geworden, doch in Shabirs Heimat sieht das anders aus. Da es dem Kreisklinikum Siegen besonders wichtig ist, auch jene Menschen im Blick zu haben, für die eine gute medizinische Versorgung keine Selbstverständlichkeit ist und die dringend Hilfe benötigen, führte Shabirs Weg in die Hände der erfahrenen Ärzte des Lungenzentrums am Kreisklinikum Siegen, Dr. med. Khaled Mardanzai, Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie und thorakale Endoskopie, und Dr. med. Jörg Hinrichs, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin.

„Da ich Shabirs Krankheitsgeschichte bereits kenne, ist die Hilfsorganisation ‚Kinder brauchen uns e.V.‘ erneut auf mich zugekommen“, erklärt Dr. Mardanzai. Der Thoraxchirurg lernte Shabir nämlich bereits 2019 kennen, damals noch als Oberarzt in der Universitätsmedizin Essen (Ruhrlandklinik). Dort verhalf er dem Jungen zusammen mit Prof. Dr. Clemens Aigner durch einen schwierigen Luftröhreneingriff, mit zehn Jahren endlich zum Sprechen. Für Shabir begann mit dem Eingriff ein neues Leben: zum ersten Mal konnte er ohne Kanüle im Hals atmen und sprechen. „Infolge einer schweren Meningitis im Alter von acht Monaten, fällt der kleine Junge ins Koma und wird drei Tage lang zu Hause von seinen Eltern mit einem Beutel über eine kleine Kanüle im Hals beatmet. Er überlebt, leidet aber seitdem an einer subglottischen Stenose, einer Einengung der Luftröhre, die ihm das Atmen nur durch eine Kanüle im Hals ermöglicht hat“, erklärt Dr. Mardanzai.

Durch die Hilfsorganisation erfuhr der jetzige Chefarzt des Kreisklinikums nun, dass Shabir erneut erkrankt ist und aufgrund einer Tuberkuloseinfektion dringend Hilfe benötigt. Er zögerte keine Sekunde und aktivierte, um dem kleinen Shabir zu helfen, ein Experten-Team im Kreisklinikum. Auch für weitere ärztliche und pflegerische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Betriebsleitung des Kreisklinikums stand außer Frage, dem Kleinen zu helfen.

Auch Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Allergologie, Dr. Jörg Hinrichs, ist Teil des aktivierten Experten-Teams und erklärt: „Bei Tuberkulose-Erkrankungen, insbesondere in Asien, finden sich oft Erreger, die gegenüber den hier gängigen Medikamenten nicht empfindlich sind. Erschwerend kommt hinzu, dass Shabir bereits in seinem Heimatland medikamentös behandelt wurde, was die Wahrscheinlichkeit einer sogenannten Medikamenten-Resistenz erhöht“. Zunächst müsse man die Keime mittels mikroskopischer Untersuchung einschließlich PCR-Test und einer kulturellen Untersuchung genau analysieren, um dann die richtige Therapie einleiten zu können, erklärt er weiter. In spezialisierten Zentren, zu dem auch das Lungenzentrum des Kreisklinikums gehört, geht die Therapie von Betroffenen Hand in Hand. So entnahm Thoraxchirurg Dr. Mardanzai zunächst während einer Operation eine Gewebeprobe der Halslymphknoten des jungen Shabir, die nun in einem speziellen Forschungszentrum, das auf Tuberkuloseerkrankungen spezialisiert ist, analysiert und auf Resistenzen geprüft wird. Die Biopsie liefert den Ärzten dann die eindeutige und sichere Diagnose, sodass durch Dr. Hinrichs die richtige medikamentöse Therapie eingeleitet werden kann.

Auf der Infektionsstation des Kreisklinikums wartet Shabir nun auf den Start der Therapie, die anschließend über mehrere Monate fortgesetzt werden muss. Da diese jedoch nach kurzem stationärem Aufenthalt auch ambulant durchgeführt werden kann, wird der kleine Mann voraussichtlich bald wieder zurück nach Afghanistan zu seinen Eltern und seinen Geschwistern zurückkehren können.

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