,,Beethovens Fidelio“ am 25.06.22 um 20:00 Uhr im Apollo-Theater-Siegen

(wS/apollo) Siegen 22.06.2022 | Beethovens Freiheitsoper „Fidelio“ wurde am 12.2.2022 erstmals in der Ukraine aufgeführt. Diese ukrainische Erstaufführung durch das „Modern Music Theatre Kiew“ war vor allem mit Künstlerinnen und Künstlern der Nationaloper Kiew besetzt. Produzent und Regisseur Andrey Maslakov hat Beethovens Freiheitsoper im Stalinismus angesiedelt: Florestan und seine Mitgefangenen sind in die Fänge des KGB geraten – eine prophetische Vergegenwärtigung der Anfang des 19. Jahrhunderts entstandenen und im spanischen Unterdrückungssystem spielenden Oper.

Der verbrecherische Überfall Russlands auf die Ukraine zwölf Tage nach der Premiere legte auch das gesamte Kulturleben lahm, das neunzigköpfige Kiewer „Fidelio“-Ensemble wurde in alle Winde zerstreut: Manche leben in unterschiedlichen ukrainischen Städten, manche in anderen Ländern, manche verteidigen die Freiheit ihres Landes als Soldaten, einige von ihnen sind verletzt oder umgekommen …

Maslakov ist es gelungen, sein Solistenensemble auch in den Zeiten des Krieges zusammenzuhalten und mit Unterstützung des Staatstheaters Meiningen, des Landestheaters Coburg und des Theaters Heidelberg und deren Chören und Orchestern diesen „ukrainischen Fidelio“ im deutschen Exil am Leben zu erhalten. Das Solisten-Ensemble lebt derzeit zum Teil in Deutschland, zum Teil in Kiew.

Die männlichen Ensemblemitglieder müssen für die Aufführungszeiträume Ausreisegenehmigungen beantragen, die ihnen bislang als kulturelle Botschafter ihres Landes immer gewährt wurden. Das Ensemble des „Musiktheaters Kiew im Exil“ wird sich eine Woche in Siegen aufhalten, um am Apollo-Theater eine Fassung mit zwei Flügeln zu erarbeiten. Choristen aus der Stadt werden den durch Solisten gebildeten Chor verstärken. Die leeren Stühle der abwesenden Orchestermusiker thematisieren über die Handlung der Oper hinaus die Opfer von Krieg und Unterdrückung.

Mit dieser Siegener Neuinszenierung wird das „Musiktheater Kiew im Exil“ in den nächsten Spielzeiten auch ohne großen Orchesterapparat auf deutschen Bühnen gastieren können. Und damit auch seine künstlerische und materielle Existenz im Exil bestreiten. Es ist uns Verpflichtung, auf diese Weise das vor dem Krieg so reiche ukrainische Kulturleben und seine ambitionierten Künstler vorstellen zu können. Und es ist uns eine Ehre, auch mit den Waffen der Kultur ein wenig helfen zu dürfen.

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