Klimaschutzpreis: Nachhaltige Zukunft im Netzwerk gestalten

(wS/bb) Bad Berleburg 16.11.2022 | Generationenübergreifender Klimaschutz im Netzwerk – nachhaltiger lässt sich Zukunft kaum gestalten. Dieser Ansicht war auch die Jury des Westenergie- Klimaschutzpreises der Stadt Bad Berleburg. Das siebenköpfige Gremium kürte das Projekt „Gartenbau für die Zukunft – Nachhaltiger Klimaschutz mit allen Generationen“ der Kita Blauland in Raumland in Zusammenarbeit mit dem Obst- und Gartenbauverein Raumland zum Gewinner des Wettbewerbs. „Kinder sind unsere Zukunft – gemeinsam mit ihnen wird Zukunft gestaltet. Vor allem der ganzheitliche und langfristig angelegte Ansatz hat uns deshalb überzeugt. Das Projekt wird nicht nur von der gesamten Kita getragen, sondern auch durch den Obst- und
Gartenbauverein“, erklärte Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann. Um den besonderen Charakter des Projektes zu würdigen, kürte die Jury erstmals überhaupt nur ein einzelnes Projekt, hinter dem letztlich zwei Institutionen stehen.

„Mir gefällt hier vor allem der Aspekt Generationengerechtigkeit und der Netzwerkgedanke. Das führt das Projekt langfristig zum Erfolg“, erklärte Reiner Hirschhäuser. Der Westenergie-Kommunalmanager entschied sich gemeinsam mit den weiteren Jurymitgliedern, das Preisgeld in Höhe von 2500 Euro vollständig in das Projekt fließen zu lassen. „Wir hatten viele spannende Projekte zu bewerten, aber dieses hatte einen außergewöhnlichen Charakter – eine tolle generationenübergreifende Netzwerkarbeit“, verriet Reiner Hirschhäuser, der dazu aufrief, auch im kommenden Jahr wieder Bewerbungen für den Westenergie-Klimaschutzpreis einzureichen.

„Ich freue mich, dass hier schon in so jungen Jahren ein ganzheitliches Verständnis für den Menschen im Kontext der Natur geschaffen wird. Ich denke, das ist wichtig um den gegenwärtigen Problemen entgegenzuwirken“, ergänzte die Klimaschutzbeauftragte der Stadt Bad Berleburg, Jessica Durstewitz.

Das Kita-Projekt selbst ist stetig gewachsen. „Schon der frühe Umgang mit natürlichem Gärtnern ist für Kinder ein großer Erfahrungsschatz, indem sie
Verantwortung, Wissen und Nachhaltigkeit erlernen. Sie erfahren viel über die Umwelt, wie man sie schützen und ressourcenschonend bearbeiten kann. Gerade in jungen Jahren werden hierfür die Grundsteine gelegt“, erklärte Birte Freudenberg.
Die Leiterin des Familienzentrum Blauland freute sich gemeinsam mit ihrem Team und dem Obst- und Gartenbauverein über die besondere Auszeichnung. „Den Erfahrungsschatz weiterzugeben und miteinander zu teilen, damit altes Wissen nicht verloren geht – darum geht es. Hier lernen Junge von Alten und umgekehrt, denn durch den Klimawandel ergeben sich auch im Gartenbau neue Ansätze“, wusste Sonja Müller aus dem Vorstand des Obst- und Gartenbauvereins Raumland, zugleich auch Mitarbeiterin der Kita Blauland. Die Verantwortlichen wollen den Kindern dabei vermitteln, wie wichtig aktive Zukunftsgestaltung ist.

Auf dem Gelände des Vereins ist daher zunächst ein Hochbeet entstanden, das die Kinder der Kita Blauland wöchentlich mit einem festen Team besuchen und bearbeiten. Themen wie Klimawandel, Nachhaltigkeit und Ressourcennutzung haben dazu geführt, dass daraus ein weitaus größeres Projekt gewachsen ist. Das Vereinsgelände selbst mit Streuobstwiese, Bienenstöcken, direkter Anbindung an das Naturschutzgebiet „Grubengelände Hörre“ und die Eder als Lernspielort boten dafür großes Potenzial und ermöglichten den ganzheitlichen Ansatz.

Deshalb entschied die Kita, die Bearbeitung an den Richtlinien der Permakultur anzulehnen. Prämisse dabei: Der Eingriff in die Natur fällt so gering wie möglich aus.

So werden dafür ausschließlich eigens hergestellte Pflanzenjauchen, etwa aus Brennnesseln, genutzt. Das Beet wird nur zu zwei Dritteln für den Gemüseanbau genutzt. Ein Drittel wird mit Kräutern und insektenfreundlichen Blumen bepflanzt und eingesät. Der Boden wird mit Heu- oder Grasschnitt gemulcht, um Wärme und Wasser zu speichern. Das Hochbeet wird durch die Entnahme von Wasser aus einer Zisterne gewässert. Die Ernte wird vor Ort mit den Kindern im Rahmen verschiedener Angebote verarbeitet und gegessen. Zuletzt gab es etwa ein
Kochangebot der Ernte im September, außerdem sollen einige Pflanzen bis zur Samenreife gebracht werden. Diese Angebote stehen auch Kindern und deren Familien, die nicht der Kita Blauland angehören, regelmäßig offen.

Doch der Ansatz führt noch weiter: Nützlinge werden gezielt unterstützt, etwa durch Ohrwurmbehausungen. Die Nutzenden erhalten Einblicke in die Kompostwirtschaft, zudem geschieht aktive Wissensvermittlung über Natur, Tiere, Umwelt und Ernährung. Um auch die Öffentlichkeit über die Projekte zu informieren, steht eine Schautafel an der Holzhütte beim Gemüsebeet zur Verfügung.
Birte Freudenberg betonte, dass das Leben im ländlichen Raum gerade jetzt in Zeiten der Pandemie und Klimakatastrophen zeige, welch großes Gut vor Ort zur Verfügung steht und, dass es sich lohne, junge Menschen dafür zu begeistern. Das Kita-Team sowie der Verein möchten auch weiterhin an dem Projekt festhalten. Auf diese Weise wollen sie Kinder dabei unterstützen und sensibilisieren, einen achtsamen Umgang mit dem Planeten Erde, Menschen, Tieren und der Natur zu
erlernen.

Der Obst- und Gartenbauverein Raumland hatte vor einigen Jahren neue Wege gesucht, besonders jüngere Menschen für Natur und den Gartenbau zu begeistern. So kam der Wunsch auf, mit der örtlichen Kita Blauland zu kooperieren. Wie viele andere Vereine standen auch die Verantwortlichen aus Raumland vor der Herausforderung, junge Mitglieder zu finden, um die umfangreichen Arbeiten zu erledigen. Dabei entstand eine Win-Win-Situation, denn die Arbeit der Kinder am Gemüsebeet bietet dem Verein Ressourcen für neue Projekte. Der Grundgedanke:

Gemeinsam werden Angebote vor Ort geplant und sich gegenseitig unterstützt. Dabei entstehen viele konstruktive Gespräche und die Kinder profitieren etwa von frisch gepresstem Apfelsaft, Gemüse und Bienenhonig. Dieser Ausgangspunkt und vor allem das Projekt selbst haben die Jury vollends überzeugt – entsprechend fiel die Wahl des Gremiums mit Helga Düben (NABU), Reiner Hirschhäuser (Westenergie), Martin Schneider (Leiter Ausschuss Planen, Bauen, Wohnen, Umwelt), Bürgermeister Bernd Fuhrmann, Kämmerer Gerd Schneider, Manuel Spies (Abteilungsleiter Immobilienmanagement) und der Klimaschutzbeauftragten Jessica Durstewitz nach intensiver Diskussion und Wahl für das generationenübergreifende Gemeinschaftsprojekt „Gartenbau für die Zukunft – Nachhaltiger Klimaschutz mit allen Generationen“ aus.

Die Kita Blauland in Raumland freut sich gemeinsam mit dem Obst- und Gartenbauverein Raumland über den Klimaschutzpreis. Und präsentierte anschaulich, was sich beispielsweise aus den gewonnen Produkten vor Ort machen lässt – Honighustensaft mit Kräutern. Selbstverständlich alles selbst geerntet. Foto: Stadt Bad Berleburg

 

Gemüseverarbeitung vor Ort: Regelmäßig finden direkt vor Ort Kochangebote für die Kinder statt. Foto: Kita Blauland

 

Ein Insektenhotel ist unter anderem Bestandteil des Projektes. Wie wichtig die kleinen Tiere für das Ökosystem sind, lernen die Kinder auch auf diese Weise. Foto: Kita Blauland

 

Im Gemüsebeet gibt es einiges zu entdecken. Deshalb finden dort regelmäßig Kräuterkunde-Einheiten statt. Foto: Kita Blauland

 

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