(wS/hgm) Siegen 14.12.2025 | Wenn eine Siegerländer Musikkapelle in besonderem Maß ihre alte Tradition bewahrt hat, dann ist es die Bergknappenkapelle Niederschelden unter dem Dirigat von Sven Hellinghausen.. Das Adventskonzert vom vergangenen 2. Adventssonntag in der fast ausverkauften Aula der Richerfeldschule in Eiserfeld stellte dies unter Beweis – schon wie die ganzen Jahre zuvor.
Unter dem Motto „Filmmusik“ lief bei diesem Konzert so einiges vom Stapel, entstehen doch bei dieser Art von Musik regelrecht Bilder im Kopf. Und noch dazu war für die Bergknappenkapelle das fast gelaufene Jahr 2025 ein rundes Jahr. Startete doch die Jugendkapelle der Kapelle – die sogenannten „Zwergknappen“ – richtig durch und zeigte, wieviel Begeisterung und Zukunft in diesem Verein steckt. Und zwergenhaft ist dieser Nachwuchs nicht gerade – er gibt ganz schon den Ton. Darüber hinaus konnten noch zwei Pauken angeschafft werden.
Ein besonderer Dank geht an den Dirigenten Sven Hellinghausen, der mit viel Geduld, Humor und einem sicheren Gefühl für Klang und Rhythmus schon durch die Proben führte und dieses Programm zum Klingen (und Swingen) brachte.
Die Bergknappenkapelle verfügt über 40 Musiker/Innen in der Hauptkapelle und der Nachwuchs ist derzeit mit 25 mit von der Partie. Beide Formationen treten bei vielen regionalen und überregionalen Veranstaltungen und sind bekannt durch ihre traditionelle Bergmannstracht.
Gleich mit dem ersten Titel, „Alnwick Castle“, ging es mit Volldampf los – ein Stück mit ganz besonderer Bedeutung. Es stammt aus der Feder von Kane McLean, dem Künstlernamen des Dirigenten Sven Felllinghausen. Gewidmet ist es der Alnwick Playhouse Concert Band aus dem Norden Englands, zu der über die Jahre eine enge Freundschaft gewachsen ist. Und eben diese schwingt in dieser Komposition über die bekannte Burg Alnwik mit: Bilder von weiten Landschaften, mittelalterlichen Mauern und Abenteuern. Eben ein Stück voller Charakter, Wärme und persönlicher Note!
Anschließend nahm Vorsitzender Carsten Daub die Begrüßung vor und freute sich über das volle Haus. Unter den vielen Gästen konnte er übrigens zwei lokale Politiker begrüßen: Den neuen Bürgermeister von Siegen, Tristan Vitt sowie seinen Vorgänger Steffen Mues. Sehr bemerkenswert, dass beide Bürgermeister bis zum Ende des Konzertes anwesend waren. Danach sprach Tristan Vitt sein Grußwort und zeigte sich sehr angetan von dem Bergknappen als einem Klangkörper, der aus dieser Region nicht mehr wegzudenken sei.
Weiter ging es mit der beschwingten „Finkensteiner Polka“ aus dem Alpenraum, die einfach gute Laune macht. In gemütlich tänzelndem Charakter mit frischen fröhlichen Themen, die sofort ins Ohr gingen und darstellte, wie mitreißende traditionelle Blasmusik sein kann. Die Register der Bergknappen sind durchaus gut besetzt, auch wenn man noch ein paar Klarinetten gebrauchen könnte. Kräftige Themen und markante Rhythmen waren nun im dritten Stück, „Nostradamus“, zu spüren, eben jene mystische Aura des gleichnamigen berühmten französischen Astrologen und Propheten. Mal dunkle und rätselhaft, dann wieder energisch und kraftvoll.
Die Musik zu “How To Train Your Dragon” ist eine der beliebtesten modernen Filmscores. Eine Mischung aus nordischem Flair, epischen Themen und warmherzigen Themen. Die Welt der Drachen perfekt dargestellt, mal energiegeladen, dann wieder zart und berührend. Ja, so filmisch kann ein Blasorchester klingen. Nun wird sich mancher fragen, ob das denn immer so perfekt ist. Nein, ist es nicht, denn ein Konzert, in dem keinerlei Fehler passieren, gibt es einfach nicht. Z. B. dass ein Klarinettist mal von der Klappe rutscht, kann vorkommen. Doch wer merkt das beim Publikum schon, denn auch Profis machen Fehler. Und wird ein Stück in seiner Charakteristik ansonsten gut gespielt, darf es auch mal einen Schnitzer enthalten – Nobody is perfect! Und die Bergknappenkapelle ist eine Formation, deren spielerisches Können sich wirklich sehen lassen kann.
Fünftes Stück im Repertoire der tollen Filmmusik war „Beauty And The Beast (Die Schöne und das Biest) Eine Mischung aus einem märchenhaften Glanz und Musical. Die ganze Magie eines Märchens und vielleicht auch zum kurzen Abtauchen in eine Traumwelt.
Die sechste Darbietung war dann „Game Of Thrones“, eine epische Filmmusik, die live nochmals eine weitere Portion Gänsehaut bekam, ehe Nummer sieben – „John Williams in Concert“ den Abschluss dieses (großen) ersten Block bildete. Kaum jemand schuf so viele ikonische Melodien: Von Abenteuern im Weltall bis zu mutigen Zauberern und Dinosauriern. In wenigen Minuten hüpfte man gleich durch mehrere Filmwelten. Ein Stück, dass Spaß machte!
Es gab nun eine Pause für einen Imbiss, Kaffee bzw. Glühwein und gute Gespräche, danach trat endlich das „musikalische Herz“ der Kapelle, die Zwergknappen, in Aktion. Ebenfalls unter der Leitung von Sven Hellinghausen. Die Teilnahme an diesem Konzert war für sie nch Wochen des Probens das Highlight des musikalischen Jahres. Es gab zwei Vorträge von ihnen zu hören: „La Mourisque“ sowie drei Weihnachtslieder zum Mitsingen, darunter „Alle Jahre wieder“ und „Fröhliche Weihnacht überall“. Der Applaus aus dem Publikum fiel dann auch entsprechend aus.
Den Abschluss des Konzertes machten dann wieder die „Großen“ – mit noch sieben Titeln, die nicht mehr in der sonst ausführlichen, abgedruckten Moderation des Programmheftes auftauchen, aber noch einmal einen instruktiven Einblick in das Können der Bergknappen gaben. Von „Advents Fantasie“ über „Merry Christmas Everyone“ bis hin zu „Sweets Bells Fantasie. Und als Abschluss präsentierten die Bergknappen noch einmal den Bergmannsgruß mit ihren feschen Federbuschen, ehe das Publikum restlos begeistert den Heimweg antrat. Ein Konzert voller Format.







Text und Fotos: Hans-Gerhard Maiwald






