(wS/spd) Netphen 14.08.2026 | Im Rahmen ihrer diesjährigen Sommerreise haben Mitglieder des SPD-Ortsvereins Netphen und der SPD-Gemeinderatsfraktion verschiedene Institutionen und Unternehmen besucht, um sich vor Ort über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Ziel der Station in Netphen-Unglinghausen waren die dortige Autismus-Wohnanlage sowie das nahegelegene Autismus-Therapiezentrum.
Selbstbestimmtes Leben in der Wohnanlage
Die Wohnanlage in Unglinghausen wurde 2016/17 erbaut und bietet autistischen Menschen eine Betreuung, die auf größtmögliche Selbstbestimmung und die Begleitung durch ein Expertenteam ausgelegt ist. Träger der Einrichtung ist die Autismus Wohnanlagen Netphen gGmbH, deren einziger Gesellschafter der 1995 gegründete Verein Autismus Siegen e.V. ist. Die Initiative zur Vereinsgründung ging damals von Heidemarie und Manfred Oerter aus, die sich bis heute engagieren.
„Wir haben hier zurzeit 19 Bewohner verschiedenen Alters, denen wir ein sicheres, betreutes und glückliches Leben ermöglichen“, erklärt Mitbegründerin Heidemarie Oerter. Während autistische Menschen in der Vergangenheit häufig lediglich verwahrt wurden, stünden heute individuelle Entfaltungsmöglichkeiten und therapeutische Begleitung im Vordergrund.
Die Finanzierung der Plätze erfolgt über Sozial- und Jugendämter. Dennoch bleibt die Einrichtung auf Spenden angewiesen; in den vergangenen 15 Jahren summierten sich diese auf mehr als eine Million Euro. Auch die Unterstützung aus der örtlichen Bevölkerung sei groß, wie Manfred Oerter und SPD-Ortsbürgermeisterin Elke Bruch bezüglich der Initiative „Unglinghausen – Ein Dorf für Menschen mit Autismus“ hervorhoben.
Bei einem Rundgang über das Gelände erläuterten Heidemarie Oerter und die fachliche Leiterin Lena Daub das Farbkonzept der Anlage. Die Farben Orange, Gelb und Grün stehen für die drei Wohngruppen und finden sich in der Einrichtung sowie im Geschirr wieder, was den Bewohnern die Orientierung erleichtert. „Hier dürfen alle sein, wie sie wollen, wir unterstützen die Bewohner in ihrem Alltag und ermöglichen ihnen ein möglichst zufriedenes Leben“, betont Lena Daub.
Beratung und Integration im Therapiezentrum
Ergänzend zur Wohnanlage existiert seit 1996 das nahegelegene Autismus-Therapiezentrum Netphen als erste Einrichtung des Elternvereins. Wie die Diplom-Sozialpädagogin Petra Bockheim (Fachbereichsleitung „Autismus und Arbeit“) und Diplom-Sozial- und Heilpädagogin Katrin Beltermann (Bevollmächtigte der Geschäftsführung) erläuterten, werden derzeit rund 200 Klienten im Alter von 4 bis 60 Jahren betreut.
Das Zentrum fördert Betroffene mit dem Ziel der Teilhabe an Bildung, Arbeitsleben und Gesellschaft. Neben der Beratung von Angehörigen unterstützt das Team auch Kindertagesstätten, Schulen und Arbeitgeber, um Verständnis für unterschiedliche Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen zu schaffen. In vielen Fällen gelinge die Integration gut, da viele Autisten verlässliche und hoch motivierte Arbeitskräfte seien, sofern individuelle Unterstützung geleistet werde.
Politische Reaktionen
Die Vertreter der Kommunalpolitik unterstrichen die Bedeutung der geleisteten Arbeit. SPD-Fraktionssprecher Lothar Kämpfer verwies dabei auf die Rolle der Einrichtung vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels: „Ihre Arbeit ist im Angesicht des sich verschärfenden Fachkräftemangels eine nicht zu unterschätzende wichtige Maßnahme, die unbedingt politisch unterstützt werden muss.“ Auch der SPD-Vorsitzende Marc Seelbach betonte, dass in den Einrichtungen unverzichtbare Arbeit für die Zukunft geleistet werde.

Beim Rundgang auf dem großzügigen Gelände: (v. l.) Lena Daub, Katrin Beltermann, Marc Seelbach, Marianne Hedwig, Heidemarie Oerter, Carola Müller, Lothar Kämpfer, Geritt Kampmann, Elke Bruch. Foto: privat)

Die Mitglieder der SPD Netphen erhalten Einblicke in die Arbeit des Vereins und seiner Einrichtungen. Foto: SPD
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