(wS/uwg) Siegen-Wittgenstein 20.10.2026 | In der Debatte um einen möglichen Nationalpark Rothaarkamm hat sich die UWG/Volt-Fraktion im Kreistag Siegen-Wittgenstein positioniert. In einer Pressemitteilung fordert die Fraktion verbindliche Zusagen des Landes Nordrhein-Westfalen, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Gleichzeitig bringt sie ein Biosphärenreservat als mögliche Alternative ins Gespräch.
Die Fraktion habe sich nach eigener Darstellung in der bisherigen Debatte bewusst zurückgehalten, um zunächst alle relevanten Fakten zusammenzutragen. Erst auf Grundlage einer umfassenden Prüfung solle verantwortungsvoll bewertet werden.
„Wir wollen kein blindes Ja und kein reflexhaftes Nein. Wir wollen Klarheit: Was bringt ein Nationalpark unserer Region wirklich – und welche Interessen müssen verbindlich geschützt werden?”, wird Fraktionsvorsitzender Sebastian Schoeppner in der Mitteilung zitiert.
Fraktion stellt Bedingungskatalog auf
Eine Zustimmung zum Nationalpark dürfe aus Sicht der UWG/Volt-Fraktion nicht auf unverbindlichen Absichtserklärungen beruhen. Die Fraktion fordert eine rechtssichere Vereinbarung mit dem Land als Grundlage für eine spätere Nationalparkverordnung. Darin müssten nach Ansicht der Fraktion unter anderem folgende Punkte geregelt werden:
Die geplante Verkehrsverbindung Route 57 müsse verbindlich gesichert und eine Beeinträchtigung durch den Nationalpark ausgeschlossen werden. Der Kreis Siegen-Wittgenstein und die betroffenen Kommunen bräuchten dauerhafte Beteiligungs- und Mitentscheidungsrechte. Bestehende Wege- und Nutzungsrechte für Anlieger, Grundstückseigentümer sowie Haubergs- und Waldgenossenschaften müssten rechtssicher gesichert werden. Zudem solle geprüft werden, ob Aufgaben und Finanzierung der Biologischen Station durch das Land oder die Nationalparkverwaltung übernommen werden können.
„Ein Nationalpark darf kein Blankoscheck zulasten der Region werden. Wer seit Generationen Flächen bewirtschaftet oder auf bestehende Wege angewiesen ist, braucht Rechtssicherheit – keine politischen Beruhigungspillen”, so Kreistagsmitglied Jan Michael Stefener.
Biosphärenreservat „Von B nach B” als Alternativvorschlag
Neben den Bedingungen für einen Nationalpark bringt die UWG/Volt-Fraktion ein großräumiges Biosphärenreservat als mögliche Alternative in die Diskussion ein. Unter dem Arbeitstitel „Von B nach B – von Burbach bis Bad Berleburg” könnte nach Vorstellung der Fraktion ein Gebiet von rund 30.000 Hektar oder mehr entstehen. Bestehende Naturschutzgebiete, Vogelschutzgebiete, FFH-Gebiete und Wildnisentwicklungsgebiete könnten demnach in ein gemeinsames Schutz- und Entwicklungskonzept eingebunden werden.
Anders als ein Nationalpark, dessen Schwerpunkt auf möglichst ungestörter natürlicher Entwicklung liege, verbinde ein Biosphärenreservat den Schutz wertvoller Natur- und Kulturlandschaften ausdrücklich mit nachhaltiger Nutzung und regionaler Entwicklung, argumentiert die Fraktion.
„Unsere Heimat ist kein menschenleerer Naturraum. Sie ist Lebensraum, Wirtschaftsraum und Kulturraum. Ein Biosphärenreservat könnte Natur schützen, ohne die Menschen vor Ort aus ihrer eigenen Region herauszudrängen”, erklärt Kreistagsmitglied Heike Krumm.
Fraktion erwartet Anschubfinanzierung vom Land
Die UWG/Volt-Fraktion erwartet nach eigener Aussage vom Land eine verbindliche Anschubfinanzierung – unabhängig davon, welches Modell gewählt werde. Die Mittel sollten laut der Fraktion für Einrichtung, Managementplan, Personal, Umweltbildung, Forschung, Besucherlenkung und Infrastruktur verwendet werden. Dazu könnten Informationszentren, Wander- und Radwege, digitale Angebote und regionale Vermarktungsstrukturen gehören.
„Wenn das Land ein Biosphärenreservat oder einen Nationalpark will, muss es auch bereit sein, den Start zu finanzieren. Die Kommunen dürfen nicht erst mit großen Versprechen gelockt und anschließend mit den Rechnungen allein gelassen werden”, so Schoeppner.
Auch die langfristige Finanzierung müsse transparent geregelt werden. Neben der Anschubfinanzierung brauche es klare Zusagen für laufende Aufgaben und Projektförderung. Fördermittel von Bund und EU sollten gezielt eingeworben werden.
Fraktion will ergebnisoffene Prüfung beider Modelle
Die UWG/Volt-Fraktion spricht sich zusammenfassend für einen sachlichen Dialog mit der Landesregierung über beide Modelle aus. Die Menschen vor Ort, die Kommunen, Eigentümer und betroffenen Wirtschaftsbereiche müssten in einen transparenten Entscheidungsprozess eingebunden werden.
„Nicht das Etikett Nationalpark oder Biosphärenreservat darf am Anfang stehen. Entscheidend ist, welches Modell unsere Natur schützt, unsere Heimat stärkt und den Menschen vor Ort eine echte Perspektive gibt”, so Schoeppner.
Hinweis der Redaktion: Dieser Bericht basiert auf einer Pressemitteilung der UWG/Volt-Fraktion im Kreistag Siegen-Wittgenstein. Die dargestellten Positionen und Forderungen geben die Auffassung der Fraktion wieder.
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