Bürgerinitiative ASP-Zaun-Stopp hält an Vorwürfen fest: Streit um Durchlässe, Wildtierschäden und Bejagung

Teilen Sie
Teilen Sie

(wS/red) Niederfischbach 05.11.2026 | Nach unserem Bericht vom 30. Oktober über die Bürgerinitiative „ASP-ZAUN-STOPP“ hat sich deren Sprecher Swen W. Nähs erneut an die Redaktion gewandt. Die Initiative hält an ihrer Kritik an den Schutzzäunen gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) fest und kündigt an, sich schriftlich an die zuständigen Ministerien und Behörden zu wenden. Hintergrund ist eine öffentliche Gegendarstellung von Veterinäramt und Landwirtschaftsministerium NRW, der die Initiative in mehreren Punkten widerspricht.

Nach eigenen Angaben hat die Initiative auf den ersten Bericht „überwiegend positive Resonanz“ erhalten. Zugleich kündigt Nähs an, man werde ein Schreiben an die zuständigen Stellen – unter anderem an das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW – sowie an Medien richten. Briefe mehrerer Personen an das Veterinäramt des Kreises Siegen-Wittgenstein seien bislang unbeantwortet geblieben, so der Vorwurf – schon im Sommer 2026 bei Nachfragen zu verendetem Rotwild an den Zäunen.

Das sagt die Initiative

Die Initiative wirft den Behörden vor, die Lage zu beschönigen und unangenehme Aspekte wegzulassen. Konkret bezieht sie sich auf eine Aussage von Kreisveterinär Dr. Ludger Belke, wonach die ergriffenen Maßnahmen wirkten und bisher eine überregionale Ausbreitung der Tierseuche verhindert hätten – andernfalls wäre es zu tausendfachem Tierleid und qualvollem Tod der Wildschweine gekommen. Diese Darstellung bezeichnet die Initiative als „zynisch“. Unerwähnt bleibe, dass landesweit im Zuge des begleitenden Monitorings nach Angaben der Initiative bereits „weit über 73.000“ erlegte oder tot aufgefundene Wildschweine auf das ASP-Virus getestet worden seien. Dass getestet werde, sei für sich genommen noch nicht aussagekräftig.

Einen zentralen Streitpunkt bilden die sogenannten Durchlässe für Wildtiere. Die Darstellung von Kreis und Jagdgenossenschaft, es gebe ausreichend solcher Passagen, treffe nicht zu – diese Durchlässe seien vor Ort „absolut nicht vorhanden“, so die Initiative. Aus ihrer Sicht diene der Zaun vor allem dazu, den Schwarzwildbestand radikal zu dezimieren: Sie verweist auf Drückjagden, auf die seuchenrechtlich erleichterte Entnahme von Leitsauen und Muttertieren, auch an Kirrungen und Futterplätzen, sowie auf den Einsatz von „Saufängen“ in anderen Regionen. Zudem seien Jägerschaften aus anderen Bundesländern in der Region unterwegs, die die Hygienevorschriften nicht einhielten. Beim Zaun selbst sei der Untergrabschutz vielfach verkehrt herum eingebaut worden, sodass Tiere von einer Seite darunter hindurchgelangten, aber nicht mehr zurückkönnten – etwa im Oberen Leimbachtal an einer stark befahrenen Straße.

Zur Untermauerung hat die Initiative der Redaktion Foto- und Videomaterial zur Verfügung gestellt, das nach ihren Angaben ausschließlich aus der Region stammt und ihr zugespielt wurde. Die Aufnahmen sollen unter anderem beschädigte Zäune, falsch gesetzte Bodenanker und einen in der Regel fest verschlossenen Durchlass zeigen.

Das sagen die Behörden

Kreis Siegen-Wittgenstein und Land NRW bewerten die Schutzzäune als wirksame Maßnahme. Nach Darstellung des Kreises ist das Virus trotz hoher Wildschweindichte bislang im Ausbruchsgebiet geblieben; ein Übergreifen auf Hausschweinebestände gab es in Nordrhein-Westfalen nach offiziellen Angaben bislang nicht. Das Land beziffert die Kosten der ASP-Bekämpfung auf rund 35 Millionen Euro.

Dass der Zaun nicht nur die Ausbreitung bremsen, sondern auch die Bejagung erleichtern soll, ist dabei erklärtes Ziel der Behörden: Nach Angaben des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz ermöglicht die Zäunung „eine verstärkte Bejagung innerhalb der Sperrzone II“. Die Reduzierung des Schwarzwildbestands gilt den Behörden als ein wesentlicher Baustein der Seuchenbekämpfung. Inzwischen wurden in Südwestfalen rund 750 Kilometer Zaun errichtet; nahezu der gesamte Kreis Siegen-Wittgenstein ist Sperrzone II. Dort gilt ein Wegegebot – Spaziergänger dürfen die Waldwege nicht verlassen, Hunde sind an kurzer Leine zu führen.

Zu den konkreten Vorwürfen der Initiative – fehlende Durchlässe, verendetes Rotwild, verkehrt eingebauter Untergrabschutz und unbeantwortete Schreiben – liegt der Redaktion bislang keine Stellungnahme des Kreises vor. Eine entsprechende Anfrage läuft.

Die Afrikanische Schweinepest verläuft für Haus- und Wildschweine fast immer tödlich, ist unheilbar und für den Menschen ungefährlich. In NRW wurde sie erstmals im Juni 2025 bei einem verendeten Wildschwein im Kreis Olpe nachgewiesen.

Teilen Sie

Anzeige

Archivkalender

Mo. Di. Mi. Do. Fr. Sa. So.
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
30