(wS/dia) Siegen 05.11.2026 | Arterien vom Kalk befreien, Blutgerinnsel aus Venen entfernen – und das minimalinvasiv über einen kleinen Hautstich: Am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen setzt das Team der Gefäßchirurgie dafür moderne Kathetersysteme ein. Seit rund sechs Jahren kommen die Behandlungstechniken zum Einsatz. Mehr als 500 Patienten konnten damit bislang behandelt werden, wie Dr. Meshal Elzien, stellvertretender Chefarzt der Gefäßchirurgie, erläutert. In 99 Prozent der Fälle sei danach kein Stent erforderlich, um das Gefäß offen zu halten.
Eines der eingesetzten Verfahren ist das sogenannte Jetstream-System. Dabei handelt es sich um eine motorbetriebene kleine Edelstahlfräse mit fünf Kanten, die mehrere tausend Umdrehungen pro Minute erreicht. Unter lokaler Betäubung und per Röntgenkontrolle wird der Katheter samt Fräse über einen kleinen Hautstich – meist an der Leiste – eingeführt und bis in die Bein- und Beckenarterien vorgeschoben. Dort bohrt der rotierende Fräskopf Fett- und Kalkablagerungen an den Gefäßinnenwänden sanft weg. Die sich lösenden Partikel werden gleichzeitig über einen integrierten Sauger aus dem Körper abgetragen. Das Verfahren eignet sich für Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit) sowie bei wiederkehrenden Verengungen in Bypässen und implantierten Stents. „Klassische Methoden, wie das Aufdehnen von Gefäßen per Ballonkatheter, drücken Ablagerungen lediglich an die Gefäßwand. Mit dem Jetstream hingegen befreien wir die Arterien“, so Elzien.
Dr. Elzien ist am Ev. Jung-Stilling-Krankenhaus als stellvertretender Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie tätig. Er, Chefarzt Dr. Ahmed Koshty sowie alle Oberärzte der Fachabteilung besitzen die Zusatzqualifikation „Endovaskulärer Spezialist“, die ihnen eine hohe Expertise im Bereich minimalinvasiver Katheter-Eingriffe bescheinigt.
Neben dem Jetstream kommt ein weiteres System zum Einsatz: das sogenannte Angio-Jet-System. Dieses ist noch vielseitiger einsetzbar und kann nicht nur Arterien, sondern auch Thrombosen in den Venen sowie verschlossene künstliche Gefäße wie Bypässe und Stents behandeln. Dabei wird ein dünner Katheter bis zum Blutgerinnsel vorgeschoben. Über die Katheterspitze spritzen die Gefäßchirurgen ein gerinnungshemmendes Medikament in den Thrombus, um das Gewebe aufzuweichen. Anschließend wird mithilfe von Kochsalzlösung ein Unterdruck erzeugt, durch den der Katheter die Gerinnsel-Stückchen nach außen absaugt. Elzien warnt: Unbehandelt behinderten Blutgerinnsel den Blutfluss. „Dann besteht die Gefahr für lebensbedrohliche Ereignisse wie eine Lungenembolie, ein akuter Herzinfarkt oder auch ein Gefäßverschluss.“
Ob Jetstream oder Angio-Jet: Nach der Entfernung der Gefäßablagerungen folgt in derselben OP-Sitzung eine Nachbehandlung mit einem medikamentenbeschichteten Ballon, der einen Wirkstoff an die Gefäßwand abgibt, um erneuten Ablagerungen vorzubeugen. Behandelte Patienten können bereits wenige Stunden nach dem Eingriff wieder aufstehen und das Krankenhaus nach wenigen Tagen verlassen. Die Methode sei bei fast jedem Patienten anwendbar – selbst in höherem Alter und bei schweren Gefäßverengungen, betont Elzien.
Für die minimalinvasiven Eingriffe stehen im „Stilling“ zwei Hybrid-Operationssäle mit modernsten Röntgenanlagen zur Verfügung. Um die Blutgefäße während der Behandlung darzustellen, nutzen die Fachleute jodhaltiges Kontrastmittel. Bei einer Allergie dagegen oder bei eingeschränkter Nierenfunktion ist laut Elzien die Gabe von CO₂ eine sichere Alternative.
Für weitere Informationen steht das Sekretariat der Gefäßchirurgie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling zur Verfügung. Ansprechpartnerin ist Karina Leine unter Telefon 0271 333 4733 sowie per E-Mail an gefaesschirurgie.jsk@diakonie-sw.de.

Gefäßchirurg Dr. Meshal Elzien und seine Kollegen setzen am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen erfolgreich Gefäßfräsen und Kathetersysteme ein, um Arterien und Venen von Ablagerungen zu befreien. Foto: Diakonie in Südwestfalen / Blazenka Popovic
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