(wS/ots) Siegen / Hagen 03.04.2025 | Nach über 40 Jahren haben Ermittlungen der Hagener Polizei nun zu einer neuen Faktenlage hinsichtlich des Todes von Günter Stoll aus dem Siegerland geführt.
Der Fall galt über Jahrzehnte hinweg als ungelöst und wurde zuletzt als sogenannter Cold Case (MK Stoll) bearbeitet. Während frühere Ermittlungen und Gutachten lange Zeit von einem Verbrechen ausgingen, ermöglichen neue Auswertungen nun eine genauere Beurteilung der Ereignisse. Weder die Spurenlage noch Zeugenaussagen konnten letztlich eine Fremdeinwirkung bestätigen. Stattdessen sprechen die aktuellen Erkenntnisse für einen selbstverschuldeten Verkehrsunfall.
Der Fall Günter Stoll zählte bisher zu den bekanntesten ungelösten Todesfällen der deutschen Kriminalgeschichte und erlangte durch eine Ausstrahlung in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY … ungelöst im Jahr 1985 große mediale Aufmerksamkeit.
Über Jahrzehnte hinweg wurden in der Öffentlichkeit verschiedene Theorien um den Tod des Siegerländers diskutiert, insbesondere zur Bedeutung des rätselhaften Wortes „YOGTZE“, das Stoll nach Aussage seiner Ehefrau kurz vor seinem Tod auf einen Zettel geschrieben haben soll. Hierzu gingen auch regelmäßig Hinweise bei der Polizei ein. Bis heute konnte die Bedeutung des Wortes nicht geklärt werden.
Günter Stoll, ein 34-jähriger Lebensmitteltechniker aus Anzhausen (Kreis Siegen-Wittgenstein), zeigte in den Stunden vor seinem Tod auffälliges Verhalten. Er äußerte gegenüber seiner Frau die Befürchtung, dass ihm jemand etwas antun wolle, und verließ schließlich am Abend des 25.10.1984 das gemeinsame Wohnhaus. Kurze Zeit wurde er in einer Gaststätte beobachtet, wo er ohne erkennbaren Grund zu Boden fiel. Kurz darauf suchte er eine Bekannte auf, die ihn nicht in ihre Wohnung ließ. Wenige Stunden später wurde er mitten in der Nacht schwer verletzt und unbekleidet auf dem Beifahrersitz in seinem eigenen Fahrzeug auf der BAB 45 nahe der Anschlussstelle Hagen-Süd durch zwei LKW-Fahrer aufgefunden. Er erlag kurze Zeit später seinen Verletzungen in einem Hagener Krankenhaus.
Neue Untersuchungen zeigen, dass Stoll nicht Opfer eines Tötungsdelikts wurde. Er litt unter Depressionen und befand sich kurz vor seinem Tod sehr wahrscheinlich in einem psychischen Ausnahmezustand, der sein auffälliges Verhalten an diesem Abend plausibel macht. Der tödliche Vorfall ereignete sich, als er von der Fahrbahn der Autobahn abkam und ungebremst mit seinem Fahrzeug in einer Böschung gegen einen Baum fuhr. Zum Unfallzeitpunkt war Günter Stoll nicht angeschnallt. Die Tatsache, dass er unbekleidet war, ist sehr wahrscheinlich ebenfalls auf seine psychische Verfassung zurückzuführen.
Die Staatsanwaltschaft Hagen und Polizei Hagen schließen im Ergebnis damit ein Verbrechen aus und gehen von einem Verkehrsunfall ohne Fremdeinwirkung aus. Die Bedeutung des Wortes „YOGTZE“ wird dabei als nicht relevant für den Geschehensablauf bzw. die Todesursache eingestuft.

Foto des verunfallten Fahrzeugs von Günter Stoll. Die Aufnahme ist in der Fahrzeughalle der damaligen kriminaltechnischen Untersuchungsstelle der Polizei Hagen entstanden.