Nervig, aber nötig: wirSiegen war auf der HTS-Großbaustelle in Kreuztal

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(wS/red) Kreuztal 21.07.2026 | Seit Sonntag ist die HTS-Anschlussstelle Kreuztal das Gesprächsthema Nummer eins in der Stadt. Umleitung, Stau, genervte Gesichter. wirSiegen.de war am Dienstagmittag direkt auf der Baustelle und hat mit einer Mitarbeiterin und einem Mitarbeiter von Straßen.NRW gesprochen – über den Stand der Dinge, über Zentimeter, über Zeitpläne und darüber, was Autofahrer da draußen so alles anstellen.

Der Status quo: Seit Dienstagmorgen fressen sich die Großfräsen durch den Asphalt

„Wir haben am Sonntag die Vollsperrung eingerichtet“, fasst Straßen.NRW den Start zusammen. Seit Montagmorgen, 6 Uhr, läuft die eigentliche Arbeit: Baustelle vorbereiten, Randschichten vorbereiten. Und am Dienstagmorgen ging es dann richtig los – mit Großfräsen wird der Großteil des alten Asphalts heruntergenommen.

Und, gab es schon böse Überraschungen? Nein. „Überraschungen haben wir bis jetzt keine. Bis jetzt laufen wir vollkommen planmäßig.“ Man sei sogar – soweit man das nach zwei Tagen sagen kann – schon etwas vor dem Plan. Die Stimmung vor Ort ist entsprechend zuversichtlich, dass der angekündigte Zeitplan hält.

Zentimeter-Kunde: Warum auf der Brücke anders gebaut wird als daneben

Gefräst wird nicht überall gleich tief. Auf dem Brückenbauwerk kommen 4 Zentimeter Deckschicht neu drauf. In allen anderen Bereichen geht es deutlich tiefer: Dort werden Decke und Binder saniert, also 12 Zentimeter inklusive Verschleißschicht abgetragen – und anschließend auch wieder 12 Zentimeter eingebaut.

Der Grund dahinter ist reine Vorsorge: „Damit sorgen wir frühzeitig dafür, dass die Tragschichten unbeschädigt bleiben“, erklärt Straßen.NRW. Im Klartext: Wer rechtzeitig die oberen Schichten erneuert, schützt den Unterbau – und zieht damit die Lebensdauer der Straße nach hinten. Repariert man erst, wenn die Tragschicht hinüber ist, wird es ungleich teurer und langwieriger.

Warum überhaupt? Griffigkeit war das Problem

Der Hintergrund der Maßnahme ist schnell erzählt: Einerseits geht es um ganz normale Unterhaltung. Andererseits – und das ist der eigentliche Auslöser – gab es Griffigkeitsprobleme auf der HTS. Griffigkeit ist dabei kein Gefühl, sondern ein rein bautechnischer Wert: Er beschreibt, wie gut die Reifen auf der Fahrbahn haften. Und wenn dieser Wert nicht mehr stimmt, muss gehandelt werden.

Kompaktasphalt und Gussasphalt ohne Mittelnaht: Tempo durch Technik

Bei der Bauweise hat man sich bewusst für ein Verfahren entschieden, das Zeit spart. „Wir bauen wieder Kompaktasphalt ein. Das heißt, wir bauen zwei Asphaltschichten in einem Arbeitsgang ein, wir haben keine Auskühlzeiten zwischen den Schichten“, so Straßen.NRW. Das spare enorm viel Zeit – und qualitativ sei man damit ebenfalls sehr zufrieden.

Auf dem Brückenbauwerk kommt Gussasphalt zum Einsatz, und zwar über die volle Breite in einem Zug, ohne Mittelnaht. Auch das ist laut Straßen.NRW qualitativ sehr hochwertig und obendrein schnell. „Wir haben komplett bei der ganzen Maßnahme hier ganz besonders an Schnelligkeit gedacht. Schnelligkeit und Qualität.“

Wer baut da eigentlich? Und wie viele?

Hauptunternehmerin ist die Firma Bunte, die sich zusätzlich Nachunternehmern bedient. Am Dienstag waren nach Einschätzung vor Ort zwischen 20 und 25 Mann im Einsatz – inklusive Lkw-Fahrern, Baggerfahrern und Fräsenfahrern. Und es wird noch voller: Beim Asphalteinbau rücken insgesamt vier Einbaukolonnen an. Dann ist auf der Baustelle noch einmal deutlich mehr Manpower unterwegs.

Und die Hitze? Kein Thema. „Heiß ist kein Problem für uns. Heiß sind wir gewohnt.“ Der Asphalt sei da unempfindlich, und die Mitarbeiter kennen das.

Erster Bauabschnitt: Diese Rampen sind dicht – und diese nicht

Im ersten Bauabschnitt werden die Abfahrtsarme in Fahrtrichtung Kreuztal sowie die HTS-Auffahrt in Fahrtrichtung Olpe gebaut. In Fahrtrichtung Siegen bleibt die Anschlussstelle dagegen vorerst nutzbar: Die Abfahrt Richtung Fellinghausen ist offen, und von dort kann man weiterhin auf die HTS Richtung Siegen auffahren. Diese beiden Rampen sind erst im zweiten Bauabschnitt dran.

Für den ersten Abschnitt sind vor Ort derzeit rund drei Wochen Bauzeit eingeplant. Nach der offiziellen Mitteilung der Stadt Kreuztal ist dieser Bereich bis voraussichtlich Mitte August voll gesperrt. Der erste Bauabschnitt reicht vom Kreuzungsbereich Marburger Straße/Hagener Straße bis mittig auf die Brücke über die HTS. Parallel wird die HTS selbst in Fahrtrichtung Krombach auf einem knapp zwei Kilometer langen Abschnitt saniert. Wichtig für alle Durchfahrer: Die HTS bleibt mit jeweils einer Fahrbahn pro Fahrtrichtung befahrbar. Die Umleitung läuft über die B517 Eichen, die L729 Krombach und die B54 AS Krombach zurück auf die HTS.

Zweiter Bauabschnitt ab dem 17. August – Ende Anfang September

Direkt im Anschluss, ab dem 17. August, folgt der zweite Bauabschnitt. Er reicht von der Brückenmitte bis vor das Ausbildungszentrum an der Heesstraße hinter dem Kreuzungsbereich Fellinghausener Straße in Fellinghausen. Dazu kommen die HTS-Abfahrt von Krombach kommend nach Fellinghausen und die HTS-Auffahrt von Fellinghausen in Richtung Siegen. Auch hier wird die HTS parallel auf knapp zwei Kilometern saniert, diesmal in Fahrtrichtung Siegen.

Dieser Bereich ist bis voraussichtlich zum 6. September voll gesperrt. Der Verkehr auf der HTS schwenkt dann auf den bereits sanierten Bereich um, so dass weiterhin je eine Fahrbahn pro Richtung zur Verfügung steht. Die Umleitung wird angepasst: Fellinghausen wird über die K26 Siegen-Buchen, die L908 und die HTS-Anschlussstelle Kreuztal-Buschhütten angebunden. Für den Verkehr aus Kreuztal in Fahrtrichtung Siegen wird eine Umleitung mit Wendemöglichkeit über die Krombacher Höhe ausgeschildert. In der ersten Septemberwoche soll dann die gesamte Maßnahme abgeschlossen sein.

Die Mühlbergsiedlung: Warum da wirklich nur Feuerwehr und Rettungsdienst durchfahren

Eine Frage, die derzeit besonders oft gestellt wird: Wer darf eigentlich durch den Verbindungsweg zwischen Mühlbergsiedlung und Langenau? Die Antwort ist eindeutig – nur Feuerwehr und Rettungsdienst. Und die Entscheidung ist nicht am grünen Tisch gefallen: Sie wurde gemeinsam von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizeibehörde und der Stadt Kreuztal abgewogen. Es geht schlicht darum, was gewährleistet werden muss – und die Erreichbarkeit für Rettungskräfte steht dabei ganz oben.

Der Grund ist einleuchtend, wenn man ihn einmal gehört hat: Ließe man dort jeden PKW durch, wäre die Strecke im Ernstfall zugestellt. Und dann kommt die Drehleiter, dann kommt das Löschfahrzeug – und alles steht voreinander. „Wir würden unheimlich Zeit verlieren. Das möchte man einfach verhindern.“ Auch die Stadt Kreuztal stellt in ihrer Mitteilung klar: Der Verbindungsweg zwischen Mühlbergsiedlung und Langenau ist für jeglichen Verkehr gesperrt, um die Befahrbarkeit für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst zu gewährleisten.

Ampeln an der Hauptkreuzung: Warum eine Umstellung nicht so einfach ist

Ein Thema, das derzeit viele Bürger beschäftigt: Die Ampelanlage an der Hauptkreuzung im Bereich Marburger Straße / Hagener Straße am Aral-Tankstellengelände wurde nicht angepasst – und das sorgt für Unmut. Verständlich, wenn man dort steht und wartet. Aber der Hintergrund ist komplizierter, als man denkt.

Wie wirSiegen.de aus dem Gespräch mit Straßen.NRW vor Ort erfahren hat, sind dort 16 bis 18 Ampelanlagen miteinander gekoppelt und technisch aufeinander abgestimmt. Das heißt: Man kann nicht einfach an einer Kreuzung drehen, ohne dass es woanders hakt. Würde man die Schaltung an der Hauptkreuzung isoliert ändern, wäre das technisch nicht optimal lösbar – und das höhere Verkehrsaufkommen würde sich schlicht an andere Ecken verlagern. Das Problem wäre nicht gelöst, sondern nur verschoben.

Straßen.NRW ist sich der Verkehrsbehinderungen bewusst und setzt alles daran, so schnell wie möglich fertig zu werden und für alle Beteiligten das beste Ergebnis zu erzielen. Auch hier gilt: In der Ruhe liegt die Kraft.

Halteverbote im Stadtgebiet

Damit die Umleitungen funktionieren, gelten in mehreren Straßen Halteverbote. In Fellinghausen betrifft das die Rothwiese, den Bereich der Kreuzung Mühlbergstraße/Landstraße bis zur Landstraße Hausnummer 18 sowie die Heesstraße Hausnummer 16 inklusive Wendebereich bis Heesstraße Hausnummer 18. In der Mühlbergsiedlung sind es die Mühlbergstraße Hausnummer 1 bis 5 sowie die Mühlbergstraße Hausnummer 7 bis 42 – dort nur einseitig in Fahrtrichtung Fellinghausen. In Buschhütten gilt das Halteverbot in der Bottenbacher Straße Hausnummer 6 bis 18.

Was sich hinterher ändert – und was nicht

Wer auf eine breitere Brücke hofft, den müssen wir enttäuschen. „Sie ist nicht breiter, wir können an der Breite der Brücke so schnell nichts ändern, das ist nun mal hier so.“ Auch die Markierung bleibt, wie sie ist. Eine kleine optische Änderung gibt es trotzdem: Die sogenannten Leitboys kommen wieder in die Mitte – künftig aber in Weiß statt wie bisher in Gelb.

Beleidigungen, weggeräumte Baken, Diskussionen mitten im Verkehr

Und dann ist da noch das, was auf keiner Bauzeitenplanung steht: der Umgang mit den Verkehrsteilnehmern. Auf die Frage nach Kuriositäten am Rande kommt die Antwort ohne Zögern: „Alles!“

„Also wir werden beleidigt, wir wissen alle nicht, was wir tun. Die Leute können das alle besser.“ Manche Autofahrer ignorieren Absperrungen komplett, das sehe man jeden Tag. „Die räumen sich Baken aus dem Weg. Das ist das alltägliche Geschäft.“ Dazu kommen die, die einfach mitten im Verkehr stehen bleiben, um zu diskutieren, wo sie denn jetzt hinfahren sollen – und schon staut es sich direkt.

Ein Satz ist dabei hängen geblieben: „Lob kriegen wir selten. Aber daran sind wir ja bereits gewöhnt.“ Man wolle einfach zügig fertig werden, das sei das eigentliche Ziel.

In eigener Sache: Diese Arbeiten MÜSSEN gemacht werden

Und damit sind wir bei dem Punkt, den wir an dieser Stelle mal ganz deutlich sagen wollen. Ja, das nervt. Umleitung, Stau, jeden Tag ein paar Minuten mehr einplanen, dazu die Hitze. Wir stehen da auch drin.

Aber: Diese Arbeiten müssen gemacht werden. Eine Fahrbahn, bei der die Griffigkeit nicht mehr stimmt, ist irgendwann ein Sicherheitsthema – und zwar für uns alle, die da täglich drüberfahren. VORHER sanieren ist immer besser, schneller und günstiger als hinterher. Bis Anfang September ist der Spuk vorbei, danach haben wir eine Strecke, auf der das Ganze wieder für viele Jahre passt.

Die Leute da draußen geben ihr Bestes. 20 bis 25 Mann bei dieser Hitze auf schwarzem Asphalt, Fräse, Bagger, Lkw – da steht keiner rum und dreht Däumchen. Und keiner von denen hat sich ausgesucht, dass Sie zehn Minuten später zur Arbeit kommen.

Und eins noch, weil es wichtig ist: Absperrungen sind keine Empfehlung. Wer sich eine Bake zur Seite räumt, um abzukürzen, gefährdet Menschen, die dort arbeiten – und sich selbst gleich mit. Anweisungen an der Baustelle ist Folge zu leisten, ohne Wenn und Aber.

In der Ruhe liegt die Kraft. Ein bisschen Geduld, ein bisschen Nachsicht, ein bisschen früher losfahren. Mehr braucht es nicht.

Ort der Baustelle: Anschlussstelle Kreuztal auf Google Maps

Fotos: Andreas Trojak / wirSiegen.de

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