(wS/vh) Siegen 30.07.2026 | Manchmal gibt es Schicksale, die einen sprachlos machen. Die Geschichte von Tanja Eichhorn-Otto aus Siegen-Birlenbach ist eines davon. Seit mehr als 25 Jahren kämpft die 55-Jährige Tag für Tag gegen unvorstellbare Schmerzen – und bis heute weiß niemand, warum. Der Verein Handycap Siegen ruft nun zu Spenden auf, um der Frau eine möglicherweise entscheidende Untersuchung zu ermöglichen.
Was nach der Geburt ihrer Tochter im Jahr 1999 mit einem zunächst komplikationslos verlaufenen Kaiserschnitt begann, entwickelte sich zu einem Albtraum, aus dem Tanja Eichhorn-Otto bis heute nicht erwacht ist. Die Operationsnarbe öffnete sich kurze Zeit später erneut, es kam zu starken Blutungen. Etwa ein Jahr später verspürte sie beim Hochheben ihrer kleinen Tochter plötzlich einen heftigen Schlag im Rücken. Seit diesem Moment ist nichts mehr so, wie es einmal war.
Es folgten unzählige Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte und Untersuchungen. CT, MRT, neurologische Diagnostik, Blutuntersuchungen, Untersuchungen des Hirnwassers, orthopädische Behandlungen, Schmerztherapien, Physiotherapie, Rehabilitationsmaßnahmen – immer wieder schöpfte Tanja Hoffnung, endlich eine Antwort zu bekommen. Doch bis heute gibt es keine eindeutige Diagnose. Besonders schmerzhaft war für sie nicht nur das körperliche Leid: Über viele Jahre hatte sie immer wieder das Gefühl, dass ihre Beschwerden angezweifelt oder nicht ausreichend ernst genommen wurden.
Trotz ihrer Schmerzen arbeitete sie weiter. Sie war Friseurin, später viele Jahre als Reinigungskraft tätig und begann 2010 voller Zuversicht eine Umschulung zur Pflegekraft bei der DAA. Doch plötzlich konnte sie während des Unterrichts nicht mehr sitzen. Sie verspürte starke Schmerzen und hatte das Gefühl, als würde ihr Körper jede Stabilität verlieren. Seit diesem Tag ist längeres Sitzen kaum noch möglich.
Heute ist Tanja Eichhorn-Otto in nahezu allen Bereichen ihres Lebens eingeschränkt. Ihr Körper scheint jede natürliche Stabilität verloren zu haben. Selbst kleinste Bewegungen lösen starke Schmerzen aus. Ihre Muskulatur steht nahezu ununterbrochen unter Spannung. Sie beschreibt das Gefühl, als müsse sie ihren Körper jede Sekunde mit aller Kraft zusammenhalten, um nicht in sich zusammenzusacken. Rund 23 Stunden am Tag ist Sitzen für sie kaum auszuhalten. Ihr Alltag besteht fast ausschließlich aus Stehen und Liegen. Freizeit, Hobbys und viele soziale Kontakte sind ihr dadurch verloren gegangen.
Viele Jahre lebte sie im dritten Obergeschoss ihres Elternhauses. Nachdem ihr Vater verstarb und ihre Mutter 2025 in ein Pflegeheim ziehen musste, war sie auf sich allein gestellt. Um überhaupt die Haustür öffnen zu können, musste sie die 28 Treppenstufen auf ihrem Gesäß hinunterrutschen – eine Situation, die ihre körperlichen Beschwerden zusätzlich verschlimmerte. Ende 2025 konnte sie schließlich in eine barrierefreie Wohnung nach Siegen-Birlenbach umziehen.
Im April 2026 wurde ihr Pflegegrad 1 bewilligt. Aus Sicht des Vereins Handycap Siegen, der sich seit 19 Jahren um erkrankte Menschen im Kreis Siegen-Wittgenstein kümmert, entspricht dieser Pflegegrad in keiner Weise der tatsächlichen Situation. Ein Antrag auf Höherstufung wurde bereits gestellt.
Nun besteht berechtigte Hoffnung, dass ein sogenanntes Upright-MRT – eine spezielle Untersuchung im Stehen und Sitzen – wichtige Hinweise auf die Ursache ihrer Beschwerden liefern könnte. Diese besondere Untersuchung muss jedoch privat bezahlt werden. Darüber hinaus könnte eine stabilisierende Hernioplastik im Beckenbereich sowie die anschließende intensive Therapie eine neue Chance eröffnen. Auch diese Maßnahmen sind mit erheblichen Kosten verbunden.
Der Verein Handycap Siegen bittet daher um Unterstützung. Jede Spende sei weit mehr als ein finanzieller Beitrag, heißt es in dem Aufruf. Sie sei ein Zeichen dafür, dass Tanja nach über 25 Jahren voller Schmerzen nicht alleine ist. Wer nicht spenden könne, könne den Aufruf mit Familie, Freunden und Bekannten oder über Social Media teilen.
Spendenkonto: Verein Handycap Siegen, DE87460500010030074355 – Spendenbescheinigungen können ausgestellt werden.

Bildunterschrift: Von links: Wolfgang Michael Wagner (Vorsitzender Verein Handycap Siegen), Tanja Eichhorn-Otto und Hartmut Weber (Verein Handycap Siegen).
Foto: Verein Handycap Siegen
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