(wS/cdu) Siegen 26.08.2026 | Die CDU Siegen-Wittgenstein hat sich mit einem ausführlichen Positionspapier klar gegen die aktuellen Pläne zur Ausweisung eines Nationalparks auf dem Rothaarkamm gestellt. Unter dem Titel „Kein Nationalpark gegen die Region“ formuliert der Kreisverband zwölf zentrale Kritikpunkte — von fehlenden Fakten über die Sorge um Arbeitsplätze bis hin zu möglichen Einschränkungen bei der Naherholung.
Kern der Argumentation: Eine so weitreichende Entscheidung mit dauerhaften Nutzungseinschränkungen und Folgen für Infrastruktur, Wirtschaft und den Alltag der Menschen dürfe nicht ohne eine belastbare Folgenabschätzung getroffen werden. Die CDU setzt stattdessen auf aktiven Naturschutz, nachhaltige Forstwirtschaft und moderne Infrastruktur.
Keine eigenständige Studie für die Region
Der Kreisverband kritisiert, dass eine eigenständige Machbarkeits- und Folgenstudie speziell für die regionalwirtschaftlichen Auswirkungen auf Siegen-Wittgenstein im aktuellen Prozess nicht vorgesehen sei. Erfahrungen aus anderen Nationalparks könnten eine fundierte Analyse der heimischen Wirtschafts-, Verkehrs- und Tourismusstrukturen nicht ersetzen. Eine Entscheidung dieser Tragweite dürfe nicht auf Hoffnungen und Versprechen beruhen.
Sorge um Arbeitsplätze und Wirtschaft
Viele heimische Betriebe kämpften bereits mit zahlreichen Herausforderungen, heißt es in dem Papier. Ein neuer Großschutzstatus schaffe zusätzliche Prüf- und Abstimmungsbedarfe und sende das falsche Signal an die lokale Wirtschaft. Die Priorität der CDU liege bei Investitionen, Arbeitsplätzen und regionaler Wertschöpfung.
Tourismusversprechen ohne Belege
Touristische Impulse würden zwar in Aussicht gestellt, seien für die konkrete Region aber nicht wissenschaftlich belegt. Gleichzeitig entstünden dauerhafte Verwaltungs- und Betriebskosten, während Gastronomie und Hotellerie schon heute unter Personalmangel litten. Der Kreis liefere keinerlei belegbare Zahlen dazu, wie viel Geld mögliche Tages- oder Übernachtungsgäste tatsächlich in der Region lassen würden. Bloße Vergleiche mit Nationalparks völlig anderer Struktur und Größe seien unseriös und nicht übertragbar.
Kritik am Verfahren
Die CDU wirft dem Kreis ein „Hauruck-Verfahren“ vor: Nachdem das Vorhaben bereits 2024 abgelehnt worden sei, werde es nun erneut unter hohem Zeitdruck vorangetrieben. Eine Entscheidung mit jahrzehntelangen Folgen dürfe nicht innerhalb weniger Monate auf Grundlage kurzfristig angesetzter Workshops in der Ferienzeit sowie nachträglich erstellter Frage-Antwort-Kataloge getroffen werden. Notwendig seien eine gründliche öffentliche Debatte, belastbare Folgenabschätzungen und eine verbindliche Beteiligung der betroffenen Städte und Gemeinden.
Kommunen ohne echtes Vetorecht
Es werde der Eindruck vermittelt, die Kommunen könnten unerwünschte Entwicklungen jederzeit verhindern. Ein Blick auf die Regelungen des Nationalparks Eifel zeige jedoch, dass ein individuelles Vetorecht einzelner Kommunen dort nicht existiere. Sei der Nationalpark erst beschlossen, könnten zentrale Entscheidungen auch gegen die Interessen einzelner Städte und Gemeinden getroffen werden. Die tatsächlichen Mitspracherechte und rechtlichen Folgen müssten vor einer Grundsatzentscheidung zweifelsfrei geklärt sein.
4.300 Hektar Wald betroffen
Rund 4.300 Hektar Wald würden langfristig weitgehend der wirtschaftlichen Nutzung entzogen, so die CDU. Das könne die Versorgung von Sägewerken, Holzverarbeitung, Handwerk und privaten Haushalten mit regionalem Holz schwächen. Nachhaltige Forstwirtschaft verbinde Waldpflege, Klimaschutz und sichere Arbeitsplätze. Das Land verzichte zudem auf Dauer auf Erträge aus dem Staatsforst. Ein alternativ angedachtes Wildnisentwicklungsgebiet hätte nach Angaben der CDU dagegen nur rund 500 Hektar umfasst. Die behauptete Zwangslage „Nationalpark oder gleich große Wildnisfläche“ habe nie bestanden — der Kreis habe diese Falschbehauptung bereits einräumen müssen.
Nationalpark als „Verkehrsbremse“
Ein weiterer zentraler Punkt: Die Straßenanbindung von Wittgenstein sei gefährdet. Selbst bestehende Straßen würden in Frage gestellt, Wanderwege fielen weg, Straßen könnten nicht saniert werden. Die geplante Kulisse liege wie ein Riegel zwischen Siegerland und Wittgenstein. Auch ausgesparte Trassenkorridore beseitigten zusätzliche naturschutzrechtliche Prüfungen und Klagerisiken nicht. Für die Route 57 und den Ausbau der L 719 brauche man rechtliche Klarheit und volle Planungssicherheit.
Folgekosten könnten bei den Bürgern landen
Der Kreis gehe davon aus, dass das Land sämtliche Kosten eines Nationalparks übernehme. Belastbare Zusagen, konkrete Zahlen oder eine dauerhafte Finanzierungsgarantie gebe es dafür jedoch nicht. Blieben Kosten ungedeckt, könnten sie über den Kreishaushalt und eine steigende Kreisumlage bei den Städten und Gemeinden landen. Erweiterungen im ÖPNV oder örtliche Naherholungseinrichtungen als Ergänzung zu einem Nationalpark zahle das Land definitiv nicht.
Bestehender Naturschutz reiche aus
Siegen-Wittgenstein verfüge bereits über FFH-Gebiete, Naturschutzgebiete, Naturwaldzellen und Wildnisflächen. Der geplante Nationalpark leiste keinen Beitrag zu mehr Naturschutz, sondern schaffe Verbote und Einschränkungen. Die CDU wolle Pflege, Artenvielfalt und Schutz in den bestehenden Strukturen wirksam finanzieren, statt neue Doppelstrukturen aufzubauen. Zudem binde ein Nationalpark mit seinem umfangreichen Totholz weniger CO₂ als eine geordnete Forstwirtschaft — und Totholz bedeute ein deutlich höheres Potenzial für Waldbrände.
Einschränkungen bei der Naherholung
Wegegebote, Besucherlenkung sowie Einschränkungen beim Sammeln, Radfahren, Reiten oder bei Spaziergängen auch mit Hunden könnten den gewohnten Zugang zum Wald und die Erholungsnutzung verändern. Regeln müssten verhältnismäßig und regional akzeptiert sein. Der Wald gehöre zur Lebenswirklichkeit der Menschen in der Region.
Steuerung geht nach Düsseldorf
Ein Nationalpark entziehe Siegen-Wittgenstein die regionale Steuerung, warnt die CDU. Die Zuständigkeit für das betreffende Gebiet liege dann bei der Düsseldorfer Umweltverwaltung.
Das Positionspapier endet mit dem Leitsatz des Kreisverbands: „Wald schützen. Wirtschaft stärken. Heimat bewahren.“

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