(wS/dia) Siegen 21.09.2026 | Die Freibäder sind geschlossen und die Badesaison im Freien ist vorbei. Wasserratten zieht es nun in die Schwimmbäder. Ein Sprung ins kühle Nass gehört für viele Badegäste einfach dazu. Wie wichtig überlegte Kopfsprünge ins Wasser sind, zeigt das Beispiel eines 45-jährigen Mannes aus Eschenburg. Ein Kopfsprung in den Pool im Urlaubshotel hatte für den Familienvater schwerwiegende Folgen. Ärzte des St. Marien- Krankenhauses Siegen stellten bei ihm eine instabile Halswirbelsäulenverletzung fest, die zuvor unerkannt geblieben war und operativ versorgt werden musste.
Nach einer langen und stressigen Zeit freute sich die Familie von Fabian Moos aus Eschenburg auf den verdienten Urlaub in Südtirol. Kaum im Hotel angekommen, ging es an den Pool. Beim spielerischen Gerangel mit seinen Kindern sprang Fabian Moos kopfüber ins Wasser und prallte mit dem Kopf auf den Beckenboden. Noch im Urlaub wurde eine Fraktur des ersten Halswirbels, des sogenannten Atlas, festgestellt. Der Bruch war stabil und musste nicht operiert werden; eine Halskrause reichte aus. Eine zusätzlich bestehende instabile Verletzung der unteren Halswirbelsäule blieb zunächst unerkannt.
Da die Beschwerden anhielten und die Beweglichkeit eingeschränkt blieb, stellte er sich nach seiner Rückkehr in der orthopädischen Praxis von Marien Ambulant in Geisweid vor. Bereits auf den Röntgenbildern konnte eine Instabilität zwischen dem fünften und sechsten Halswirbel erkannt werden. Durch einen bislang unentdeckten Bruch waren die beiden Wirbel gegeneinander verschoben. Der Patient wurde umgehend im St. Marien Krankenhaus Siegen vorgestellt. Dort erfolgten weitere Untersuchungen mit CT und MRT. Aufgrund der Instabilität war eine zeitnahe operative Stabilisierung notwendig. „Durch den Bruch war die Wirbelsäule instabil. Eine weitere Verschiebung kann im ungünstigsten Fall das Rückenmark einklemmen und schädigen“, erklärt Dr. Volker Strauß, Oberarzt der Wirbelsäulenchirurgie am St. Marien-Krankenhaus Siegen.
Das Team der Wirbelsäulenchirurgie um Dr. Strauß brachte die Halswirbelsäule zunächst von hinten wieder in die richtige Position und stabilisierte sie mit Schrauben und Stäben. Anschließend wurde der Patient für den zweiten Teil der Operation auf den Rücken gedreht: Von vorne wurde die verletzte Bandscheibe entfernt und durch einen sogenannten Cage ersetzt, der das Segment zusätzlich stabilisiert. „Gerade bei komplexen Verletzungen ist es wichtig, die Wirbelsäule zuverlässig zu stabilisieren, um eine möglichst frühe Mobilisierung zu ermöglichen“, erklärt Dr. Strauß. Noch am Abend der Operation konnte der Patient wieder aufstehen.
Kopfsprünge: Wassertiefe und Sprungbereich beachten
Der Fall zeigt aus Sicht der Klinik, wie gefährlich Kopfsprünge ins Wasser sein können. Fachgesellschaften und Organisationen der Wasserrettung weisen darauf hin, dass Sprünge kopfüber in unbekannte Gewässer oder bei nicht sicher einschätzbarer Wassertiefe mit erheblichen Verletzungsrisiken verbunden sein können. Aber auch in einem Pool oder einem Schwimmbad können unübersichtliche Situationen oder eine falsch eingeschätzte Wassertiefe gefährlich werden. Kopfsprünge sind in dafür vorgesehenen Bereichen und unter sicheren Bedingungen möglich. Entscheidend sind eine ausreichende und bekannte Wassertiefe, ein übersichtlicher Sprungbereich und eine freie Wasserfläche.

Foto: Marien Gesellschaft Siegen gGmbH
Das St. Marien-Krankenhaus Siegen gibt deshalb folgende Hinweise:
- Vor jedem Kopfsprung die Wassertiefe prüfen – im Zweifel lieber auf einen Sprung verzichten
- Nicht in Bereiche springen, in denen sich bereits Menschen im Wasser befinden
- Beschilderungen und Markierungen zur Wassertiefe beachten
- Bei unklaren Verhältnissen grundsätzlich mit den Füßen zuerst ins Wasser gehen
- Auf Alkohol vor dem Schwimmen verzichten, da er die Risikoeinschätzung und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen kann
Für Fabian Moos sind diese einfachen Regeln inzwischen mehr als ein Sicherheitshinweis. „Dieser Sprung hat mir gezeigt, wie schnell aus einem unbeschwerten Urlaubsmoment eine schwere Verletzung der Halswirbelsäule werden kann. Ich kann mich aufgrund dieser Erfahrung den Hinweisen des Marien nur anschließen“, so Fabian Moos.
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