Ausnahmsweise mal Theater

wS/wf.  Siegen  – 11.06.2012  –  Die Theatergruppe „<szene 7> Theater von und für Menschen aus aller Welt“ führt im Rahmen der „Offenen Uni“ am Samstag, den 16. Juni 2012 um 13 Uhr Bertolt Brechts Lehrstück „Die Ausnahme und die Regel“ im Foyer des International Office (SSC-Gebäude Adolf Reichwein-Str.) auf.

In der Regel büffeln sie Grammatik, sitzen den Kopf tief über den Text gebeugt, das kiloschwere deutsch-deutsche Wörterbuch daneben – die Studierenden des International Office der Universität Siegen. Deutsch lernen ist anstrengend. Da verspricht ein Theaterprojekt mehr Spaß, und Theaterspielen auf Deutsch ist auch eine Möglichkeit, die deutsche Sprache „spielerisch“ zu lernen.

Das dachten sich elf Studierende des International Office der Universität Siegen auch. Und so hat es angefangen: mit Schauspielübungen, Kommunikationstraining, Sensibilisierungsübungen. Nach einer intensiven Diskussion über die Menschenrechts-Situation in ihren Heimatländern fiel die Wahl auf Bertolt Brechts Lehrstück „Die Ausnahme und die Regel“.

Zum Inhalt: Ein Kaufmann begibt sich mit seinem Kuli auf eine gefährliche Reise, um ein Geschäft abzuschließen. Der Kuli folgt den Forderungen des Kaufmanns ohne Widerspruch, obwohl er geschlagen, beschimpft und bedroht wird. Als er vor der Überquerung eines reißenden Flusses zögert, zwingt ihn der Kaufmann dazu mit vorgehaltener Pistole. Dabei bricht er sich den Arm. Sie verirren sich, das Wasser wird knapp. Als sich der Kuli dem dürstenden Kaufmann von hinten nähert, um ihm Wasser zu reichen, erschießt dieser ihn, in der Annahme, der Kuli nähere sich ihm in mörderischer Absicht mit einem Stein. Der Mord wird vor Gericht verhandelt. Die Frau des Kulis – die Klägerin – verlangt Schadensersatz, da sie den Ernährer für sich und ihren kleinen Sohn verloren hat. Und das Gericht verkündet das Urteil…

Die Theaterpädagogin Beate Gräbener, die am International Office der Universität auch Konversation unterrichtet, führt die Studierenden, die aus China; Taiwan, Israel, Mauritius, der Türkei und den Philippinen kommen, durch den deutschen Sprachdschungel und erarbeitet mit ihnen lebendige Bilder. Viele der Studierenden erleben sich völlig neu, unentdeckte Fähigkeiten und Talente werden geweckt und gestärkt, Kontakte geknüpft und Freundschaften geschlossen. Musikalisch wird die Gruppe von Luying auf dem Erhu begleitet, einer Art „chinesischer Geige“, die seit über 500 Jahren zu den traditionellen chinesischen Instrumenten zählt.

Der fremde und zauberhafte Klang dieses Instruments nistet sich tief ins Ohr ein, wie auch die Sätze Brechts: „Ihr saht das Übliche, das immerfort Vorkommende. Wir bitten euch aber: Was nicht fremd ist, findet befremdlich! Was gewöhnlich ist, findet unerklärlich! Was da üblich ist, das soll euch erstaunen. Was die Regel ist, das erkennt als Missbrauch und wo ihr den Missbrauch erkannt habt, da schafft Abhilfe!“

 

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