Erstmals zwei Auszubildende in Teilzeit beim Kreis Siegen-Wittgenstein

wS/si  –  Kreis Siegen-Wittgenstein  –  26.06.2012  —  Kreisverwaltung fördert Vereinbarkeit von Familie/Pflege und Beruf mit zahlreichen Maßnahmen  —  Beim Kreis Siegen-Wittgenstein werden jetzt erstmals zwei junge Frauen eine Ausbildung in Teilzeit absolvieren. Die Kreisverwaltung hatte erstmals Ausbildungsstellen für Verwaltungsfachangestellte in Teilzeit ausgeschrieben. Unter den 26 Bewerbern – ausschließlich Frauen – haben sich Lisa-Maria Brugger und Kim-Lena Jünger durchgesetzt, die im Jahr 2012 bzw. im kommenden Jahr 2013 die Ausbildung beginnen werden. „Damit macht der Kreis Siegen-Wittgenstein als Arbeitgeber einmal mehr deutlich, dass uns die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf ein wichtiges Anliegen ist. Mit zahlreichen Arbeitszeitmodellen und vielen innovativen Ideen und Konzepten kommen wir möglichst flexibel den Bedürfnissen unserer Mitarbeiter entgegen und setzten zugleich Impulse, mit denen wir eine Vorreiterrolle auch für andere Arbeitgeber in der Region übernehmen können“, erläutert Landrat Paul Breuer.

Mit den Maßnahmen zur Förderung der Vereinbarkeit von Familie/Pflege und Beruf verfolgt der Kreis unterschiedliche Ziele: Zum einen geht es um echte Wahlfreiheit, erläutert der Landrat: „Nur wenn wir die Rahmenbedingungen so gestalten, dass Frauen und Männer Familie und Beruf wirklich miteinander vereinbaren können, ist eine Entscheidung entweder Familie oder Beruf nicht mehr nötig“, so der Landrat. Zugleich profitieren die heimischen Unternehmen und damit die Region insgesamt von einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Im Zeichen des demografischen Wandels können wir es uns etwa mit Blick auf den Fachkräftemangel gar nicht leisten, vorhandene Potenziale brach liegen zu lassen. Wenn wir aber die Fähigkeiten von Frauen und Männern gleichermaßen nutzen wollen, ist das nur möglich, wenn Familie, Pflege und Beruf besser miteinander vereinbart werden können“, unterstreicht Paul Breuer.

Das machen auch Lisa-Maria Brugger und Kim-Lena Jünger deutlich. Sie sind die ersten beiden Teilzeitauszubildenden des Kreises Siegen-Wittgenstein. Für die beiden jungen Mütter ist die Ausbildung in Teilzeit die Chance, sich trotz Familienarbeit beruflich zu qualifizieren. Lisa-Maria Brugger ist Mutter einer einjährigen Tochter und wird am 1. August dieses Jahres eine Ausbildung in Teilzeit beginnen: „Ich hatte mich schon mal erkundigt, ob man irgendwo eine Ausbildung in Teilzeit machen kann, aber man hat mir gesagt, das ist nicht möglich. Von der Teilzeitausbildung des Kreises habe ich aus der Zeitung erfahren. Das ist für mich genau das richtige.“ Die junge Wilnsdorferin ist überzeugt, dass sie nun mit Unterstützung einer Tagesmutter beides hinbekommt: eine Ausbildung und die wunderschöne Aufgabe, Mutter zu sein.

Auch für Kim-Lena Jünger war das Angebot der Kreisverwaltung das erste Teilzeitausbildungsangebot überhaupt, auf das sie gestoßen ist. Sie hat davon über die Homepage der Arbeitsagentur erfahren. Die Kreuztalerin wird im Sommer 2013 ihre Teilzeitausbildung beginnen. Dann wird ihre Tochter rund eineinhalb Jahre alt sein: „Mit Hilfe eines Kita-Platzes, den Omas und meinem Partner werde ich die Ausbildung und die Familie sicher gut miteinander verbinden können“, ist sich Kim-Lena Jünger sicher.

Als Ausbildungsleiter ist Axel Ontrup für die Betreuung der neuen Teilzeit-Azubis verantwortlich. Auch für ihn eine neue Herausforderung: „Schule und Blockunterricht werden unsere Teilzeit-Azubis in vollem Umfang absolvieren, der praktische Teil innerhalb der Verwaltung wird dagegen von 39 auf 30 Wochenstunden abgesenkt. Ich werde dann ganz flexibel mit den Azubis schauen, wo wir Schwerpunkte in der praktischen Ausbildung setzten, bzw. wo wir Kürzungen vornehmen können.“ Zugleich ist Axel Ontrup von dieser neuen Ausbildungsform begeistert: „Bei den Vorstellungsgesprächen haben die Bewerberinnen erzählt, dass sie genau so etwas gesucht haben und immer wieder vor verschlossene Türen gelaufen sind. Sie sind unheimlich dankbar, bei uns jetzt diese Chance zu bekommen.“

Die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf zu fördern, ist ein großes Anliegen von Martina Böttcher, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Siegen-Wittgenstein. „Wir verfolgen in der Kreisverwaltung auch das Ziel eines ‚geschlechtergerechten Unternehmens‘. Um Chancengleichheit zu erreichen, müssen insbesondere Hürden und Benachteiligungen abgebaut werden, die durch mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf entstehen.“

In ihrer alltäglichen Arbeit macht Martina Böttcher die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf immer wieder zum Thema. „Diese Herausforderung zu meistern, ist nur möglich, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Das klappt bei der Kreisverwaltung seit vielen Jahren sehr gut.“ So wurden sämtliche Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf gemeinsam von der Gleichstellungsbeauftragten und der Personalentwicklerin Sandra Born initiiert und durchgeführt.

Besonders am Herzen liegt den Beiden, dass die Kolleginnen und Kollegen immer über aktuelle Entwicklungen informiert sind und vor allem, dass der Kontakt während der Eltern- oder Pflegezeit nicht abreißt. Daher wurde ein eigenes, geschütztes Internetportal auf der Kreishomepage eingerichtet, worüber allgemeine und für die Zielgruppe spezielle Informationen abgerufen werden können. Außerdem wurden Infobroschüren zu Fragen wie Elternzeit, Pflegezeit oder Kinderbetreuung aufgelegt und regelmäßige Veranstaltungen angeboten. Darüber hinaus gibt es Informations- und Netzwerktreffen für Berufsrückkehrer, Fortbildungsveranstaltungen, auf Wunsch mit Kinderbetreuung, und einen Literaturservice.

Gerade wenn Frauen Führungsaufgaben übernehmen wollen, scheitert das oft an einer mangelnden Vereinbarkeit mit der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen. Eine Führungsposition in Teilzeit ist noch eine große Ausnahme. Auch in diesem Bereich setzt der Kreis Akzente. So ist Sylvia Heinz Mutter eines vierjährigen Sohnes und Fachgebietsleiterin im Wirtschaftsreferat – und das in Teilzeit. „Es ist ein Jonglieren zwischen einer anspruchsvollen Beschäftigung und dem Anspruch, eine gute Mutter zu sein und sich bei all dem nicht selbst zu vergessen. Aber ich habe das Glück, dass mein Arbeitgeber mir bei meiner Dienstzeitgestaltung sehr viel Freiraum lässt. So kann ich durchaus auch später anfangen, wenn ich abends noch einen Termin habe. Außerdem hat mich der Kreis von Anfang an mit Fortbildungen für den Job fit gemacht. Hier wird Selbstständigkeit und Vertrauen in die Führungskraft unterstützt und gelebt.“

„Wenn wir als Kreisverwaltung ein attraktiver Arbeitgeber sein wollen, und das ist unser Ziel, dann müssen wir die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf stetig verbessern. Mit Teilzeitausbildung, Praktikumsplätzen in Teilzeit und Führungspositionen für Teilzeitbeschäftigte haben wir bereits viel erreicht und sind auf einem sehr guten Weg“, so der Landrat: „Wenn wir zugleich bei anderen Unternehmen für die Schaffung entsprechend guter Rahmenbedingungen werben, dient es zudem der Glaubwürdigkeit unseres Anliegens, wenn wir selbst als gutes Beispiel vorangehen.“

Bildunterschrift:

Die ersten beiden Teilzeitauszubildenden des Kreis Siegen-Wittgenstein: Kim-Lena Jünger und Lisa-Maria Brugger.

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