Entbuschung in Burbacher Naturschutzgebieten

wS/sw – Burbach – Schön aufgeräumt und sauber. So mögen die meisten Menschen ihr Wohnzimmer, um sich zu Hause wohlfühlen zu können. Ähnlich reagieren auch viele heimische Wiesen-Vogelarten, die sich nur auf aufgeräumten Wiesen und Weiden wohlfühlen und dort in ihrem Sommerlebensraum zur Fortpflanzung kommen.

Im Auftrag der Landesanstalt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) erfolgten Untersuchungen für den Managementplan zum Vogelschutzgebiet Burbach-Neunkirchen. Sie ergaben nun, dass in den vier Burbacher Naturschutzgebieten „Buchhellerquellgebiet“, „Haßeln“, „Lipper Höhe“ und „Weier- und Winterbachtal“ dringend Aufräum- und Pflegemaßnahmen in Form von Entbuschungen erforderlich sind.

Die zunehmende Verbuschung in Burbacher Naturschutzgebieten, hier das „Buchheller-Quellgebiet“, führt zum Lebensraumverlust seltener Wiesenvögel. Fotos: Kreis

Die zunehmende Verbuschung in Burbacher Naturschutzgebieten, hier das „Buchheller-Quellgebiet“, führt zum Lebensraumverlust seltener Wiesenvögel. Fotos: Kreis

Vorausgegangene Untersuchungen der Vogelwelt im Vogelschutzgebiet kommen zu dem Ergebnis, dass die Bestände an Braunkehlchen und weiteren Wiesenbrütern wie Wiesenpieper, Schwarzkehlchen, Bekassine und Wachtelkönig in einzelnen Schutzgebieten stagnieren oder sogar rückläufig sind.

Diese seltenen Wiesensteppen- und Moorvögel nehmen westlich der Buchheller und der Gemeindeviehweide kontinuierlich ab, während sie östlich der Buchheller auf den weithin offenen Wiesenflächen konstant geblieben sind. Eine ähnliche Entwicklung ist stellenweise auch in den Naturschutzgebieten Winter- und Weierbachtal oder im NSG Grabland bei Nieder- und Oberdresselndorf zu beobachten.

„Ursächlich für die Bestandseinbrüche sind jedoch nicht Veränderungen in der Land- oder Forstwirtschaft, sondern in der Natur selbst“, erläutert Peter Fasel, wissenschaftlicher Leiter der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein. „Für viele ältere Landwirte ist es eine Binsenweisheit, dass Gemeindeviehweiden, Streuwiesen und sehr extensiv genutztes Grünland zur Verbuschung neigen, wenn der jährliche Gehölzaustrieb oder das periodische Auf-den-Stock-Setzen von Feldgehölzen ganz unterbleibt“, erklärt Fasel.

„Noch in alten Westerwälder Huteweide-Satzungen ist nachzulesen, dass pro Stück Großvieh, das der Gemeindeviehherde zugeführt wurde, der Halter einen Tag jährlich zur Entbuschung im Hand- und Spanndienst auf der Gemeindeweide arbeiten musste. Früher diente dann der Strauchschnitt noch zum Anheizen des Herdes oder des Backes. Heute ist diese Nutzung kaum mehr gegeben, so dass die Gehölzpflege meist ganz unterbleibt und im Einklang mit der Natur genutzte, ökologisch wertvolle Flächen unter zunehmender Verbuschung leiden“, so Fasel weiter.

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„Bei einer Gehölzhöhe von mehr als 4 Meter und weniger als 50 Meter Abstand untereinander sowie zunehmender Waldrandnähe meiden Feldvögel und vor allem Feuchtwiesenvögel die verbuschenden Wiesen- und Weidenbereiche, da hier ihre natürlichen Feinde wie Greifvögel, Füchse und Marder zahlreicher anzutreffen sind“, erläutert der Wissenschaftler.

Da sich der Bestand geschützter Arten im europäischen Vogelschutzgebiet nicht verschlechtern darf, sind jetzt zwingend Pflegemaßnahmen erforderlich, stellt Dr. Heinz Meyer, Leiter der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Siegen-Wittgenstein klar. „Auch die Erhaltung europaweit geschützter Heiden und Borstgrasrasen, Bergmähwiesen und Pfeifengrasstreuwiesen wird erschwert, wenn die notwendige landwirtschaftliche Nutzung durch aufkommende Gehölze behindert wird“, sagt er.

Der eigentliche Schutzzweck kann nur erhalten werden, wenn durch geeignete Maßnahmen das Übermaß der Verbuschung in den Schutzgebieten reduziert wird. Dabei müssen die kompletten Gehölze mit dem Wurzelstock entfernt werden, um einen Wiederaustrieb zu verhindern. „Optimal sind Bruthabitate dieser Steppen- und Moorvögel dann, wenn sie rundum ungestörte Weitsicht erlauben, die Grasnarbe nicht zu hoch ist und Gehölze nicht zu dicht an die oft kolonieartigen Bruthabitate heranreichen“, ergänzt Fasel.

Mitarbeiter der Biologischen Station und der Unteren Landschaftsbehörde hatten im Vorfeld die vordringlich zu pflegenden Bereiche in den Naturschutzgebieten ermittelt und einen Förderantrag bei der Bezirksregierung gestellt. „Immerhin 80 Prozent der Gesamtkosten werden über das Naturschutzförderprogramm ELER der Europäischen Union finanziert“, sagt Dr. Meyer.

Nach Abstimmung mit Eigentümern – große Teile der Maßnahmenflächen befinden sich im Eigentum der NRW-Stiftung Natur, Heimat, Kultur und der Gemeinde Burbach – können die Pflegemaßnahmen jetzt zur Umsetzung kommen. Aufgrund der Empfindlichkeit der Naturschutzgebiete soll mit den Pflegemaßnahmen schnellstmöglich begonnen werden. Im nächsten Frühjahr sollen dann Braunkehlchen, Wiesenpieper und Co. wieder zahlreich nach Burbach kommen und in ihren dann „aufgeräumten Wohnzimmern“ engagiert für Nachwuchs sorgen.

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