Eva Mattes: Ein "schauspielerisches Urviech"

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Schauspielerin Eva Mattes las im Heimhoftheater aus ihrem Buch, in dem sie ihr spannendes Leben erzählt.

wS/rile – Burbach – Als Klara Blum, Tatort-Kommissarin in Konstanz, ist sie bekannt und beliebt. Am Sonntagabend konnten die Zuschauer im Heimhoftheater Burbach die Ausnahmeschauspielerin live auf der Bühne erleben. Eva Mattes las aus ihrem Buch „Wir können nicht alle wie Berta sein“. Humorig, oft nachdenklich beschreibt sie darin ihren Lebensweg als Schauspielerin. Dabei wollte sie „nie auf eine Schauspielschule“. Obwohl die 1954 in Tegernsee geborene Schauspielerin mit österreichischer Staatsangehörigkeit aus einer Künstlerfamilie stammt. Ihre Mutter, die ungarische Ufa-Schauspielerin Margit Symo und ihr Vater, der bekannte Wiener Komponist und Dirigent Willy Mattes, feierten zur damaligen Zeit große Erfolge.

 Von Michael Verhoeven  als 12-Jährige entdeckt

Im Alter von 12 Jahren kam sie dann doch zum Film. Als Fimpartnerin von Karl-Heinz Schroth erhielt die junge Eva ihre erste Rolle. „Ich habe mich damals gewundert“, erinnert sie sich. „Karl-Heinz Schroth hatte noch mehr Sprachfehler als ich.“

Als sie 15 Jahre alt war, entdeckte sie der Jung-Filmemacher Michael Verhoeven.  „Er suchte damals ein kleines Mädchen, das ein Vietnamesenmädchen spielen sollte zur Zeit des Vietnamkrieges. Michael hatte zwei Mädchen ausgesucht. Ein blondes Mädchen und mich. Und da ich dunkelhaarig war, nahm er mich“, erzählt sie. „Damals war ich sehr verliebt in Michael“, bekennt die Schauspielerin freimütig, so, wie sie Vieles in ihrem Buch freimütig erzählt. Über ihren Werdegang , ihr privates Leben und über ihre Gefühle.

 „Keine Schönheit, aber ein ’schauspielerisches Urviech ‚ ‚“

Schon als junges Mädchen lernte sie die Theater- und Filmgrößen kennen. „Ich war fasziniert von der Schönheit Senta Bergers, der Ehefrau von Michael Verhoeven, als sie am Drehort erschien. Einzelne Szenen des Films wurden in Michaels Haus gedreht. Und hinterher lag ich, die kleine Eva, in seiner Badewanne und wurde von Senta verwöhnt. Sie war wirklich sehr lieb zu mir.“ Später, nach dem der Film in die Kinos gekommen war, schrieben die Kritiker über die junge Schauspielerin: „Keine Schönheit, aber ein schauspielerisches Urviech!“ Aus Evi wurde Eva. „Michael Verhoeven hat mir meinen richtigen Namen zurückgegeben“, sagt sie.

Drei große Festivals für den Frieden gegründet

Eva Mattes fiel auf. Sowohl beim Theater, als auch in der Filmszene. Und so wurde auch Rainer Werner Fassbinder auf das Nachwuchstalent Eva Mattes aufmerksam. Er engagierte sie für den Film „Wildwechsel“. Als  17 -Jährige erhielt Eva Mattes ein Engagement am Hamburger Schauspielhaus für ein Stück von Xaver Krötz. Sie zog in eine Wohngemeinschaft und lernte dort die zehn Jahre ältere Irmgard Heilmann kennen, die bereits einen Namen hatte. Irmgard Heilmann hatte u.a. Musik studiert und  einen Lehrauftrag an der Universität Hamburg. Ihr Ziel, Dirigentin zu werden, war in jener Zeit allerdings nicht von Erfolg gekrönt, denn damals gab es keine weiblichen Dirigenten. Die beiden jungen Frauen freundeten sich an und machten eigene Projekte.

„Eva wurde eine anerkannte Rezitatorin“, erzählt Irmgard Heilmann, die Eva Mattes auf ihrer Torunee am Flügel begleitet. Die beiden Frauen gründeten drei große Festivals für den Frieden und waren die ersten, die auch in einem Fußballstadion auftraten. Namhafte Sängerinnen und Sänger wie zum Beispiel Harry Belafonte, der noch heute zu ihren Freuden zählt, unterstützten sie dabei.

„Mein Traum war es , auch Marlene Dietrich für ein Konzert zu gewinnen“, erzählt Eva Mattes in ihrem Buch. „Es war nicht sie einfach, die in Paris lebende Künstlerin zu erreichen. Doch eines Tages gelang es mir. Ich rief sie an und sie meldete sich: Ich bin hier das Dienstmädchen. Auf meine Bitte hin, bei einem unserer Konzerte aufzutreten, erklärte sie mir: Ich betrete keine Bühne mehr!“

 Herausragende Schauspielerin und begnadete Chansonette

Eva Mattes erhielt zahlreiche Theater- und Filmangebote. Unter anderem von Peter Zadek für „Desdemona“. „Zadek war für eine unkontrollierte und freie Improvisation“, erinnert sich die Schauspielerin. Er wollte Desdemona auf Italienisch spielen, Ich konnte aber kein Italienisch. Doch er sagte: „Das kannst Du, Liebling!“ So lernte ich Speisekarten auf Italienisch auswendig!“

Dass sie nicht nur eine herausragende Schauspielerin ist sie erhielt zahlreiche Film- und Theaterpreise – sondern auch eine begnadete Chansonette, bewies Eva Mattes auf der Bühne des Heimhoftheaters am Sonntagabend mit Liedern unter anderem von Hans Albers und Marlene Dietrich. Damit begeisterte sie das Publikum ebenso wie mit den Auszügen aus ihrem spannenden Leben, das sie in ihrem Buch festgehalten hat.

Eva Mattes hat zwei Kinder und lebt seit langem in Berlin.

„Ich bin wie Klara Blum, ich flirte, träume und esse gern!“

Die Rolle der Kriminalkommissarin Klara Blum ist ihr wohl auf den Leib geschrieben. „Klara ist eine nette Person, sie versteht sich gut mit den Kollegen, sie flirtet gern, träumt, singt, tanzt und isst gerne. Alles was ich auch gerne tue!“, verrät die charmante Schauspielerin. Und bekennt gleichermaßen, dass sie eines an der Rolle nicht sonderlich mag: „Das Schießen, denn ich habe eine „Knallphobie. Ich habe es ein paar Mal probiert, aber die Platzpatronen sind so laut, dass ich mich jedes Mal erschrecke. Deshalb habe ich auch darauf bestanden, das die Schüsse aus dem Computer kommen sollen.“

Ihre Schauspielkunst allerdings ist authentisch. Ebenso ihre Gesangskunst, die sie am Schluss des Abends mit dem Chanson „La vie en rose“ und als Zugabe „Ich weiß nicht, was ich will“  noch einmal nachhaltig bewies. Ein Highlight im Heimhoftheater.

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Auch als Chancon-Sängerin bewies Eva Mattes ihr großes Talent. Bericht/Fotos: Rita Lehmann.

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