Schlaflose Nacht für zwei Hilchenbacher Heinzelwerker

(wS/hi) Hilchenbach – Einer der Hilchenbacher Heinzelwerker, Dr. Heinz Schöling,berichtet beispielhaft Folgendes von der Arbeit seines Teams:

„Ein heißer Tag im Juli. Ein sehr heißer Tag.Eine Müsener Seniorin – nennen wir sie Hildegard – hat am Wochenende einen neuen Esstisch gekauft. Den alten Tisch hatte sie vor 47 Jahren zusammen mit ihrem Mann angeschafft. Da das Möbelstück aber sehr in die Jahre gekommen war und über kurz oder lang zusammen zu brechen drohte, musste für die bevorstehende Geburtstagsfeier was Neues her.

Schlaflose Nacht für zwei Hilchenbacher Heinzelwerker. (Foto: privat)

von links: Die Hilchenbacher Heinzelwerker Siegfried Wolsdorff und Hans-Jörg Langenbeck im Einsatz. (Foto: privat)

Der besagte Tisch wurde bei einem bekannten Möbelhaus in der Region erstanden. Als das Paket mit 144 Kilogramm Gesamtgewicht von der Verpackung befreit war, über-raschte der Inhalt in Form von 97 Einzelteilen und einer ziemlich unverständlichen Zusammenbau-Anleitung – vermutlich per Computerprogramm vom Chinesischen ins Deutsche übersetzt. Obwohl Hildegard eine sehr praktisch veranlagte Frau ist, war sie in diesem Fall doch ein wenig überfordert.

„Gut, dass es die Hilchenbacher Heinzelwerker gibt“, dachte sie und mit einem kurzen Anruf bei der städtischen Beauftragten für bürgerschaftliches Engagement, Gudrun Roth, war der Auftrag erteilt.

Bei den Heinzelwerkern war schnell klar, dass für die Erledigung dieses Spezial-Auftrages nur unser Spezialistenteam „H. und S.“ in Frage kam. Wie nicht anders zu erwarten, nahmen die beiden auch ohne Zögern die Herausforderung an, wohl wissend, dass ein Scheitern nie ganz auszuschließen ist.

Bei der ersten Inaugenscheinnahme vor Ort wurde den beiden Heinzelwerkern bald bewusst, auf welch heikle Aufgabe sie sich hier wieder eingelassen hatten: unendlich viele Einzelteile und eine ungeeignete Montage-Anleitung. Gefordert war der Zusammenbau eines Ausziehtisches mit mehreren Einlegeplatten und einem komplexen Schienensystem. Hier war äußerste Konzentration und höchstes handwerkliches Geschick gefordert, und das bei 32 Grad im Schatten und in der Wohnung war es nicht wesentlich kühler.

Nach dem Verzehr von mehreren Litern Mineralwasser und 2,5 Stunden äußerster Anspannung und Konzentration drohte das Tischbauprojekt zu scheitern. Das irgendwie zusammengebaute Teil im Esszimmer von Hildegard hatte zwar schon große Ähnlichkeit mit einem Esstisch, aber als Ausziehtisch war es keinesfalls zu verwenden. Zumal die 3 Einlegeplatten nirgends eingelegt werden oder ausgezogen werden konnten und letztendlich vollkommen überflüssig zu sein schienen.

Die beiden Heinzelwerker waren ziemlich verzweifelt. Sollten sie aufgeben? Aber H. und S. sind dafür bekannt, dass sie nicht so schnell die Flinte ins Korn werfen. Sie beschlossen, zunächst mal eine Nacht darüber zu schlafen und am nächsten Morgen einen neuen Anlauf zu nehmen.

Es war für beide Heinzelwerker eine wenig erholsame Nacht mit nur wenigen Stunden Schlaf.

Auch der nächste Morgen auf der Baustelle brachte nicht den ersehnten Befreiungsschlag. Man beschloss, einen dritten Heinzelwerker zu Rate zu ziehen. Obwohl dieser sich eigentlich um seinen erkrankten Enkel hätte kümmern müssen, konnte er den Notruf seiner beiden Kollegen nicht ignorieren und eilte zur Baustelle – mit Enkel.

Gemeinsam mit Enkel und Hildegard wurde noch mal diskutiert, analysiert und schließ-lich festgestellt, dass man die Führungsschienen für die Ausziehplatten eventuell auch, um 180 Grad gedreht, einbauen könnte. War das die ersehnte Lösung? Und tatsächlich: Kaum machte man es richtig, funktionierte auch alles.

Großes Aufatmen bei den Heinzelwerkern, bei Hildegard und dem Enkel. Ein sehr schöner Esstisch! Und wie schön leicht die Platten hin und her zu schieben waren! Große Freude bei allen. Der Geburtstagsfeier von Hildegard stand nun nichts mehr im Wege.

Wieder mal konnte einer Hilchenbacher Bürgerin – für sie völlig kostenfrei – geholfen werden.

Es konnte nicht mehr zweifelsfrei ermittelt werden, von wem die geniale Idee mit der gedrehten Montage der Führungsschienen stammte, vermutlich sogar von unserer Auftraggeberin selbst.“

Zuwachs im Heinzelwerker-Team wird noch gesucht.

Besonders in den Bereichen Computer, Handy, Fernbedienung oder Haushalt, wie zum Beispiel Gardinen ab- und aufhängen, werden noch neue Heinzelwerkerinnen und Heinzelwerker gesucht.

Interessierte können sich an die Beauftragte für Bürgerschaftliches Engagement der Stadt Hilchenbach, Gudrun Roth unter Telefon 02733/288-229 oder per E-Mail an eh-renamt@hilchenbach.de wenden.

Wer sind die Heinzelwerker Hilchenbach:

Die Heinzelwerker erbringen einfache, handwerkliche Arbeiten für Menschen, die be-dürftig und/oder aufgrund ihrer Lebenssituation (Alter, Behinderung oder Ähnliches) zu solchen Arbeiten selbst nicht in der Lage sind. Die Einsätze sind für die Hilfesuchenden mit Ausnahme benötigten Materials kostenfrei.

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