Starke Frauen in schnellen Autos

(wS/red) Kreuztal/Freudenberg 16.02.2018 | Noch bis Ende Februar zeigt das Technikmuseum Freudenberg eine besondere Ausstellung aus dem „Central Garage Automuseum“ Bad Homburg unter dem Motto „Frauen geben Gas“. Die sehenswerte Zusammenstellung mit Originalfahrzeugen aus dem vergangenen Jahrhundert, Bildern, Texttafeln und Plakaten zeichnet die Rolle von Frauen in der automobilen Entwicklung Deutschlands nach.

Manfred Schleußing (2.v.r.) und der Hudson, der Originalwagen von Heidi Hetzer (Fotos: AsF)

Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen aus Kreuztal (AsF) lud einen besonderen Referenten zu diesem Thema nach Freudenberg ein. Manfred Schleißing, Vorsitzender des Adler Motor Veteranen Clubs, war aus Wiehl angereist und begeisterte seine Zuhörer mit einem bemerkenswerten Vortrag über die Frauen, die in den Jahren zwischen ersten und zweiten Weltkrieg auf Fahrzeugen der Adlerwerke Frankfurt Motorsportgeschichte schrieben. Während in Ländern wie Frankreich, England und den Vereinigten Staaten Frauen schon frühzeitig Auto fuhren, nahmen sie in Deutschland zunächst nur zögernd das Autofahren an. Mit dem Boom der Autoherstellung ab den Zwanzigern, in Deutschland gab es im Jahre 1922 etwa 450 Autohersteller, änderte sich dies, auch mit dem Beginn des Motorsports im Nachkriegsdeutschland. Schleußing stellte die Leistungen von Clärenore Stinnes, Anne Cecile Rose-Itien, Liliane Roehrs, Lotte Helene Eleonore Bahr (die schnelle Lotte) und Paula Coenen vor. Alle Damen waren erfolgreiche Motorsportlerinnen, die teils privatfinanziert, aber auch als Werksfahrerinnen bei Adler die damalige Motorsportszene aufmischten. Am Schluss brachte er den Zuhörern auch die Holländerin Willy Elisabeth Koppen näher. Diese zeichnete sich als Motorradwerksfahrerin durch Langstreckenfahrten bis nach Israel aus. Das 24 Stundenrennen von Le Mans, die Ralley Monte Carlo, die 10.000 km Fahrt durch Europa, alles klangvolle Namen von automobilen Wettbewerben, die teilweise auch heute noch abgehalten werden, waren Veranstaltungen, auf denen Frauen Preise holten.

Der Hudson, der Originalwagen von Heidi Hetzer

Die Zuhörer wurden im Vortrag in eindrucksvoller Weise mit den technischen und physischen Problemen der Fahrerinnen vertraut gemacht. Schlafmangel, kaum Verpflegungs- und Tankmöglichkeiten, unbeheizte Fahrzeuge ohne Lenk- und Fahrhilfen sowie extrem schlechte Straßenverhältnisse waren an der Tagesordnung. Die Frauen mussten mit blutigen Händen in offenen Wagen, dem Wetter ausgesetzt, tage- und nächtelang durchfahren, um einen Damenpokal zu gewinnen. Nach Schluss der Rennen wurden Fahrzeuge und Fahrerinnen dann auch noch „aufpoliert“ um sich dem Schönheitswettbewerb zu stellen, für den es ebenfalls einen Pokal gab.

„Ich kann nur den Hut ziehen vor den Leistungen dieser starken Frauen, die leider heute fast in Vergessenheit geraten sind“, beendete Manfred Schleußing unter Beifall seinen Vortrag.

Am kommenden Sonntag um 14 Uhr, 15.30 Uhr und 16.30 Uhr wird Herr Schleußing im Technikmuseum Freudenberg aus den Tagebüchern von Clärenore Stinnes und ihrem späteren Ehemann Karl Söderström lesen, die zwischen 1927 und 1929 eine Weltumfahrung durchführten. Diese berühmte Fahrt wurde durch Heidi Hetzer ab 2014 in 960 Tagen auf 84.00 km durch 60 Länder wiederholt. Ihr Auto, ein Hudson Baujahr 1930, ist im Original in der Ausstellung zu bewundern.

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