Ambitioniertes Ärzte-Projekt für bessere Versorgung

CDU-Kreistagsfraktion besucht „Gesundheitsregion Siegerland“

(wS/red) Siegen 04.09.2018 | Gut 88 Prozent aller 18- bis 70-jährigen Bürgerinnen und Bürger waren in Westfalen-Lippe in den letzten zwöl Monaten zur Behandlung oder Beratung bei einem Arzt in der Praxis. Etwa 38 Prozent suchten nur ihren Hausarzt auf, 45 Prozent nahmen sowohl Haus- wie Facharzt in Anspruch.

Auf diese aktuell von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) veröffentlichten Zahlen wies Bernd Brandemann, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, jetzt bei einem Besuch bei der „Gesundheitsregion Siegerland“ (GRS) hin. Denn gerade die reibungslose Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten wie die ambulante Versorgung in der Region zu verbessern, ist das Ziel der partnerschaftlichen Zusammenarbeit von den beteiligten Medizinern vor Ort.

Eine passgenaue regionale Initiative stellte Dr. med. Martin Mansfeld vor. Ausgangspunkt sei 1998 das Praxisnetz Siegerland gewesen. 2014 sei dann daraus das erste zertifizierte Netz mit einem hohen Qualitätsstandard geworden, das seit 2013 unter dem Namen „Gesundheitsregion Siegerland“ firmiert. Kooperationspartner sind AOK Nordwest, die BARMER, DAK, TK, die Knappschaft sowie die BKK Achenbach und die Siemag BKK. Voraussetzung ist ein „Strukturvertrag“, den diese Kostenträger mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) abschließen.

Martin Mansfeld ist nicht nur in Siegen als Hausarzt tätig, sondern engagiert sich für die Ärzte im Siegerland in der KVWL und wurde in die Vertreterversammlung gewählt. Die KVWL stehe voll und ganz hinter solchen Praxisnetzen, zwanzig sind es an der Zahl. Für sie gebe es in Dortmund einen eigenen Geschäftsbereich.

CDU-Kreistagsfraktion besucht „Gesundheitsregion Siegerland“ (Fotos: CDU)

Im Siegerland sind es 51 wirtschaftlich selbständige Praxen, die sich zur Kooperation zusammengeschlossen haben. „Wir wollen im Verbund mit Medizinern und anderen Fachkräften die Situation für die Patienten verbessern und der Arztberuf soll wieder Spaß machen,“ so das Credo von Martin Mansfeld.

Und auf Erfolge konnte Geschäftsführerin Anja Herder-Peyrounette konkret hinweisen: 2014 wurde die Gesundheitsregion Siegerland mit dem Projekt „Polypharmazie“, das für mehr Sicherheit im Umgang mit Medikamenten steht, und 2016 mit dem abgestimmten Vorgehen für eine bessere Wundheilung in die Liste der beispielhaften Projekte des Landes NordrheinWestfalen aufgenommen. „Ein Meilenstein war auch der Einsatz von „Entlastenden Versorgungsassistenten“ (EVA), die seit 2015 Ärzte bei Haus- und Heimbesuchen durch Leistungen wie Blutabnahme oder Bestimmung von Vitalparametern entlasten,“ so Herder. Einen weiteren Vorteil streicht Martin Mansfeld heraus: „Die EVA’s machen sich ein umfassendes Bild vom häuslichen Umfeld und koordinieren gemeinsam mit den behandelnden Ärzten die medizinische und pflegerische Versorgung.“

„Das liegt wirklich im Interesse einer guten Krankenbehandlung,“ lobt Kornelia Busch-Pfaffe, Vorsitzende des Kreisgesundheitsausschusses etwa den „Termin-Pool“, den es den GRSMitgliedern ermöglicht, insbesondere bei Fachärzten für ihre Patienten zeitnah Termine zu vereinbaren.

Berufspolitisch sieht Martin Mansfeld eine große Herausforderung darin, wenn Arztsitze älterer Kollegen nicht mehr nachbesetzt werden können: „Hier sollten verwaiste Sitze aufgekauft und in Kooperation mit Krankenhäusern erhalten werden, denn die Patienten brauchen ja weiterhin eine Betreuung.“ So gut dieses „Stammhalter-Prinzip“ auch klingt, alle Probleme scheinen noch nicht gelöst: „Medizinrecht und Finanzrecht sind bei manchen Fragen noch nicht verträglich,“ erläutert Mansfeld. Auch von Freiberuflern delegierte Leistungen müssten ihren Charakter behalten und finanztechnisch nicht anders behandelt werden.

Ambitioniertes Ärzte-Projekt für bessere Versorgung

„Hier muss sich ‚Politik‘ zügig sicher des Problems annehmen, wenn Ärztenetze uns mit ihrem gemeinsamen Handeln Versorgungsprobleme abnehmen wollen,“ äußerte sich Regionalratsvorsitzender Hermann-Josef Droege. Für die Region sei neben der stationären Versorgung gerade der ambulante Bereich für die Lebensqualität entscheidend – „ein ausgesprochener Standortfaktor,“ so Droege.

„Wir brauchen in der älter werdenden Gesellschaft mehr Partnerschaften, um Probleme zu lösen,“ appellierte Mansfeld an die Kommunalpolitik für geeignete Rahmenbedingungen. Aber auch die Partner im Gesundheitswesen müssten bereit sein zum Zusammenwirken im regionalen Interesse: „Und dazu gehören alle Kliniken vor Ort!“

Vorbildlich nennt Vize-Landrätin Jutta Capito auch das Angebot, quasi hinter den Kulissen, wozu die regelmäßigen Fortbildungen für Ärzte wie medizinische Fachangestellte zählen oder die Koordinierung von Patienten-Schulungen bei chronischen Erkrankungen.

„Das Angebot für Patienten ist wirklich imponierend,“ findet Kreistagsmitglied Corie Hahn insbesondere mit Blick auf die Pflegeheimversorgung. Hier erläuterte Anja Herde noch einmal die Bedingung: „Versicherte der Kassen, mit denen wir Verträge abgeschlossen haben, können die Angebote nutzen, wenn sich auch ihr Arzt der GRS angeschlossen hat.“

Fraktionsvorsitzender Bernd Brandemann bedankte sich für alle Informationen: „Sie leisten wirklich einen bemerkenswerten und besonders zukunftsorientierten Beitrag für unsere
Gesundheitsregion!“

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