Siegener Lichtkünstler illuminiert Christuskirche in Weidenau

Faith, Love, Hope | Glaube, Liebe, Hoffnung | Zwei völlig unterschiedliche Gotteshäuser

(wS/red) Siegen 06.09.2018 | Nachdem der renommierte Siegener Lichtkünstler Jürgen Stahl in diesem Jahr im Rahmen des Spirituellen Sommers die Bonifatius Kirche in Raumland/Wittgenstein, die älteste erhaltene spätromanische Hallenkirche in Südwestfalen, bereits erfolgreich illuminierte, wird er nun zum zwanzigjährigen Kunstsommer ein weiteres Gotteshaus kunstvoll illuminieren. Diesmal, völlig gegensätzlich zu der historischen Kirche, ist es nun eine durch ihre äußerst futuristisch geprägte Architektur und Formensprache erbaute Kirche in Siegen-Weidenau. Es handelt sich um die vor 50 Jahren erbaute Christuskirche mit ihrem fünfeckigen Grundriss und ihrem sehr markanten Turm. Damals sicherlich nicht unumstritten bei diesem recht futuristisch wirkenden Entwurf, der die anbrechende Moderne der damaligen Zeit widerspiegeln sollte, so ist sie heute als prägender Bestandteil eines Ortsteils von Weidenau nicht mehr aus dem Stadtbild wegzudenken. Schon von weitem ist der Kirchturm hoch über Weidenau zu sehen. Dass sie mittlerweile angenommen ist, zeigt in gewisser Weise auch der etwas despektierlich verwendete Ausdruck der „Seelenabschussrampe“, der von einigen Siegerländern zur Umschreibung dieses markanten Bauwerks in den allgemeinen Sprachgebrauch aufgenommen wurde. Der Ausdruck zeitigt den teils derben Humor des Siegerländers in dieser Hinsicht. Dass es in diesem Jahr zwei Gotteshäuser sind, die Jürgen Stahl illuminiert, ist eher Zufall, so der Künstler. Als die Teilnahme durch eine positiv beschiedene Bewerbung beim Spirituellen Sommer feststand, war das Projekt „Illumination der Christuskirche“ zum 20. Kunstsommer bereits angenommen. Diese völlig unterschiedliche Architektur der beiden Gotteshäuser ist aber auch die interessante Aufgabe und Herausforderung des jeweiligen Illuminationsprojektes. Die vollflächige Ausleuchtung mit den verschiedenen, der Farbsymbolik entsprechenden Farben, die zum einen für die liturgischen Farben stehen, aber auch allgemein für die entsprechenden Begriffe und deren Symbolik.

Der Lichtkünstler Jürgen Stahl wird die Christuskirche mit ihrem fünfeckigen Grundriss und ihrem sehr markanten Turm illuminieren (Foto: privat)

Welche Farbe hat der Glaube?

Welche Farbe haben die meisten Menschen im Kopf, wenn es um die Liebe geht? Ganz klar – Rot! Keine andere Farbe wird so mit dem Begriff der Liebe verbunden. In der liturgischen Deutung steht das Rot für die Farbe des Blutes, Feuers und Sinnbild des Heiligen Geistes. Und auch bei der Hoffnung ist es sicherlich so, dass für die allermeisten die Farbe Grün symbolisch für die Hoffnung steht. Als liturgische Farbe ist Grün die Farbe des sich erneuernden Lebens und der Hoffnung. Aber welche Farbe hat der Glaube? Dies definiert wohl jeder anders. Denn im Gegensatz zu Rot und Grün gibt es zu dem Begriff Glaube scheinbar keine eindeutig definierte Farbe. Vielleicht am ehesten noch Violett? Denn diese Farbe steht für die Theologie und die Frömmigkeit und stellt ebenso die ev. Kirchenfarbe dar. Violett ist zudem Sinnbild für den Übergang und die Verwandlung. Aber wahrscheinlich lässt sich für den Glauben auch am ehesten annehmen dass er vielfarbig, also bunt ist. So vielfältig die Menschen und bunt die Kulturen sind, so gilt dies sicherlich auch für den Glauben.

Illumination der Christuskirche vom 13.-16.09.2018

Titel: Faith, Love, Hope

Ort: Hainbuchenweg 1, 57076 Siegen-Weidenau

Zeiten der Illumination: beginnend mit der Dämmerung ca. 21:00 Uhr; Do. u. Fr. 21:00 – 01:00 Uhr, Sa. u. So. bis 01:30 Uhr

Die drei göttlichen Tugenden

sind hierbei untrennbar miteinander verbunden, doch den höchsten Stellenwert nimmt die Liebe ein. An verschiedenen Stellen ist von ihnen in der Bibel im Alten und Neuen Testament die Rede: „Es bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, am größten aber ist die Liebe.“ (Hohes Lied der Liebe letzter Satz) “Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, am größten jedoch unter ihnen ist die Liebe.” (Paulus, 1 Kor 13,13) Und genau an jener Liebe fehlt es scheinbar häufig in der heutigen Zeit, wenn man den geltenden Zeitgeist kritisch hinterfragt. So der Künstler, der aber nicht mit einem moralischen Zeigefinger daher kommen möchte, vielmehr geht es ihm darum aufzuzeigen wie wichtig diese Tugenden gerade heute doch sind.

Drei Farben und . . .

Dem Titel entsprechend hat der Künstler dies im Farbkonzept aufgegriffen und so wird sich die Kirche an drei Abenden in drei verschiedenen Lichtfarben zeigen. Violett stellvertretend für den Glauben am ersten Abend, Rot für die Liebe am zweiten und Grün die Hoffnung symbolisierend am dritten Abend. Am vierten Abend wird die Kirche dann in einem bunten Lichtkleid erstrahlen. Jede Seite des Gebäudes wird dann in einer anderen Farbe erstrahlen und den Besucher auffordern sich den Raum, die Architektur und das Farbenspiel zu erobern, indem er die Perspektiven wechseln muss, um alle Facetten wahrzunehmen. Eine stimmungsvolle Illumination, die über eine reine Zweckbeleuchtung hinausgeht und in Farbe, Form und Lauten aufgeht und zur Metamorphose wird. Unterstüzt und gefördert wird das Kunstprojekt in diesem Jahr erneut durch Innogy SE, dem Aktionfonds Kultur der Universitätsstadt Siegen als auch durch die Firma Göbel Baustoffe.

Form, Farbe, Musik

Das Ganze wird an den drei Abenden noch durch speziell darauf abgestimmte Musik untermalt. Der mit dem Lichtkünstler befreundete Musiker Ingo Frevel hat völlig abseits seiner eigentlichen musikalischen Vorlieben und Aktivitäten (Mitglied bei Klotzs) Musik komponiert und produziert, die im Kontext zur modernen Architektur der Kirche als auch zur Illumination und ihrem Titel steht. Der Besucher darf also gespannt sein, wenn vom 13.09. -16.09.2018 die Kirche am Hainbuchenweg 1, sich in völlig anderen Farben zeigt. Mystisch, spirituell und vielleicht völlig fremd wird sich das Gebäude so einmalig von einer völlig neuen Seite zeigen. Die erneute temporäre Lichtkunstaktion des Lichtmalers, die speziell für den Kunstsommer konzipiert wurde, steht wieder ganz im Zeichen der Entschleunigung und der inneren Einkehr. Wenn man sich denn der heutigen, doch sehr hektischen und meist oberflächlichen Betrachtungsweisen entziehen kann, Abstand zu der alltäglichen Hektik gewinnt und bereit ist, sich darauf einzulassen, wird man mit einem einmaligen Kunstwerk für die Sinne belohnt.

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