EJOT Teams wollen sich in Potsdam als perfekte Jäger präsentieren

(wS/red) Kreuztal – Buschhütten 23.06.2021 | Das EJOT Team TV Buschhütten muss beim zweiten Rennen der 1. Triathlon-Bundesliga, wie schon beim Ligaauftakt vor drei Wochen in Berlin, viele Reisekilometer absolvieren. Bis zum Austragungsort beim Luftschiffhafen Potsdam sind es stolze 537 Kilometer. Auf dem Gelände des Olympiastützpunktes Brandenburg gilt es für die EJOT-Athleten sich am Sonntag, 27. Juni, zu revanchieren, da in Berlin für beide Teams nur zweite Plätze heraussprangen. Immerhin konnte Lisa Tertsch über den Deutschen Meistertitel im Rahmen der Finals jubeln und Justus Nieschlag den zweiten Platz bei den Männern erzielen. In den vergangenen drei Wochen hat der Rekordmeister die Wunden geleckt und bläst jetzt zur Attacke, um im Meisterschaftsrennen wieder bessere Karten zu haben. Bei den Männern legte das Hylo Team Saar eine beeindruckende Dominanz an den Tag und verpasste dem EJOT Team die deutlichste „Niederlage“ seit vielen Jahren.

Lisa Tertsch bei den Finals 2021 in Berlin, wo sie kürzlich Deutsche Meisterin der Elite wurde

„Wir hatten absolut mit den Saarländern gerechnet. Schon auf dem Papier waren sie unglaublich stark und wir wussten, dass es sehr knapp werden würde. Dass der Abstand so deutlich war, kam natürlich überraschend. Ein geringerer Punkteabstand wäre schön gewesen“, so Jonathan Zipf, Sportlicher Leiter bei den Männern des EJOT Teams.

„Wir wollen natürlich gewinnen, wissen aber auch, dass die Saarländer wieder ordentlich Gas geben werden und aufgrund des Formats gibt es auch einige unvorhersehbare Dinge, die passieren können. Durch die kürzeren Strecken wird es wieder sehr knapp. Hier zählt nicht nur die Leistung, sondern auch das Quäntchen Glück muss auf unserer Seite sein.  Wir sind mit sehr schnellen und rundum ausgeglichenen Athleten top aufgestellt, alle haben dieses Jahr schon einiges an Rennerfahrung gesammelt, auch das sollte uns jetzt zugutekommen. Als Team sind wir sehr geschlossen. Ein Sieg wäre enorm wichtig, falscher Druck darf hier aber nicht entstehen. Alle haben richtig Bock auf Potsdam, so zumindest wird es uns gegenüber auch kommuniziert. Es wird wieder auf einen Zweikampf zwischen uns und dem Hylo Team Saar hinauslaufen. Allerdings hat man in Berlin auch im Frauenrennen gesehen, dass es durchaus Überraschungen geben kann“, sagt Zipf.

Der 35-Jährige hat sich für Lasse Lührs (GER), dessen spanischen Trainingskameraden Sergio Baxter Cabrera, Felix Duchampt (FRA) und Johannes Vogel (GER) entschieden. Als Ersatzleute sind Maximilian Sperl (GER) und Mark Devay (HUN) dabei.
Der Quali-Wettkampf und Berlin sind jetzt abgehakt und ich habe richtig Lust auf das Bundesliga-Rennen. Über die kurzen Strecken fühle ich mich zur Zeit sehr gut und gehe daher zuversichtlich in das Rennen. Wir wollen in Potsdam unbedingt gewinnen, um das Ergebnis aus Berlin direkt wieder auszugleichen“, zeigt sich Lührs, der jüngst im Mixed Relay der Supersprint-EM in Kitzbühel, u.a. mit EJOT-Kollegin Lisa Tertsch den Silberrrang holte, angriffslustig. „Ich bin sehr gespannt, wie das Rennen verlaufen wird, aber spannend wird es mit Sicherheit wieder.“

Lasse Lührs beim Wettkampf 2020 in Saarbrücken

In Potsdam müssen die Nordsiegerländer sich in die für sie ziemlich unbekannte Jäger-Rolle begeben. „Wir bringen alle die nötige Ernsthaftigkeit mit, bauen aber auch weiterhin auf eine extrem gute Stimmung im Team. Es war vorherzusehen, dass der Titelkampf irgendwann knapper werden würde und andere Teams nachziehen. Dieses Jahr wird der Sieg am Ende besonders gut schmecken“, so Zipf, der bis zum letzten Jahr selbst noch das rote EJOT-Dress trug und nach dem Rennen in Saarbrücken seinen Rücktritt als Triathlet verkündete.

Am Templiner See fndet ein neues Rennformat in der 1. Triathlon-Bundesliga statt. Zunächst müssen jeweils vier Athleten bei einem Prolog – Frauen um 9 Uhr, Männer um 11 Uhr – (250 m Schwimmen, eine Runde), 2800 m Radfahren (eine Runde) und 1100 m Laufen (eine Runde) in Angriff nehmen. Nach der aus der Nordischen Kombination bekannten Gundersen-Methode (der erste Starter des schnellsten Prolog-Teams startet zuerst) wird am Nachmittag ein Relay-Verfolgungsrennen (250 m Schwimmen, 5600 m Radfahren, 1100 m Laufen) mit ebenfalls je vier Teammitgliedern über die Bühne gehen.

Auch die Damen sind auf die Fähigkeiten von gewieften Jägerinnen angewiesen. „Es ist für uns eine ungewohnte Situation, als Jägerinnen in das Rennen zu gehen. Aber die Zielsetzung ist klar, wir wollen alles geben und am Ende ganz oben stehen“, lautet die klare Zielvorgabe der Sportlichen Leiterin Theresa Baumgärtel. Lisa Tertsch – vor wenigen Tagen Dritte bei der U23-EM im Supersprint – Lena Meißner (beide GER), Therese Feuersinger (AUT) und Neuzugang Alissa König (SUI) – als Ersatz stehen Lina Völker (GER) und Baumgärtel (GER) selbst zur Verfügung – sollen für den ersten Tagessieg der EJOT-Damen in 2021 sorgen. „In einem olympischen Jahr ist es gar nicht so einfach, die Athletinnen für ein Bundesligarennen zu gewinnen. Die internationalen Wettkämpfe haben so langsam auch wieder Fahrt aufgenommen und die Punktejagd beginnt wieder von vorne.“

Hochmotiviert geht Feuersinger die Aufgabe an: „Das Jahr 2021 verlief bist jetzt leider nicht so wie ich mir das erhofft hätte. Der Winter verlief einigermaßen gut, wenn man mal von meiner Corona-Erkrankung absieht. Ich habe viel Zeit auf Fuerteventura verbracht und war gut in der Vorbereitung für das WTS-Rennen in Yokohama, dass ich dann aber kurzfristig wegen Schmerzen in der Hüfte absagen musste. Mein Saisonstart war der Weltcup in Arzachena, der auch nicht nach meinen Wünschen ablief. Mit dem Start in Potsdam hoffe ich, dass nun der Knoten endlich aufgeht und dass ich mit dem EJOT Team meine Trainingsleistungen in den Wettkampf umsetzen kann. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen und auf das spannende kurze Format.“

Johannes Vogel möchte zeigen, dass auf ihn Verlass ist

Baumgärtel hat auch die direkte Konkurrenz genauer im Visier. „Man darf die anderen Teams nie abschreiben bzw. unterschätzen. Bei so einem kurzen Format, können einige junge andere Athletinnen auch vorne sein. Aber ich denke, das EJOT Team und das Team aus Potsdam gehören zu den klaren Favoriten. Vor dem Rennen in Berlin galt Witten mit ihren drei Nationalkaderathletinnen und einer Olympionikin als stärkster Konkurrent. Wenn ich ganz ehrlich bin, hatten wir die jungen Potsdamerinnen nicht auf dem Radar. Aber so sieht man auch, dass die anderen Mannschaften nachziehen und es ein heißer und spannender Kampf um den deutschen Mannschaftsmeistertitel wird.“ gefällt der Mix aus Prolog und Relay. „Ich bin generell offen für neue Formate und hatte dies bereits vor zwei Jahren in einer Bundesliga-Sitzung vorgeschlagen. Leider ist das Konzept jetzt nicht bis zum Ende durchgedacht. Die Radstrecke soll von unterirdischer Qualität sein, hier überzeuge ich mich aber am Samstag noch persönlich. Und auch dadurch, dass es kein Streichergebnis gibt, kann ein technischer Defekt das Ende der kompletten Saison bedeuten. Meine Meinung ist, dass neue Formate hier auch bis ins Detail ausgereift sein müssen, um auch tatsächlich die Leistung der Athleten über die Ränge entscheiden zu lassen.“

v.l.n.r.: Lena Meißner, Lasse Lührs und Lisa Tertsch möchten in Potsdam für das EJOT Team TV Buschhütten aufs Siegerpodest klettern

Ebenso wie ihr Lebensgefährte Zipf begrüßt die Nürnbergerin das neue Rennformat. „Ich finde es super, dass andere Formate und Streckenlängen mit in die Bundesliga aufgenommen werden. So gewinnt die Mannschaft, die alle Formate und Streckenlängen beherrscht. Das kurze Format ist eher ein Vorteil für uns, da die Athletinnen im Prolog, bei dem ein Windschattenverbot herrscht, ihre Stärken auf dem Rad ausspielen können.“

Auch ein wenig kritisch sieht EJOT-Sportdirektor Rainer Jung das Relay-Format: Ein Relay, also ein Staffelrennen, bedeutet, auch im Verfolgungsrennen startet ja immer nur ein Teammitglied. Ein Streichergebnis gibt es dort also nicht. Birgt das vierfache Risiko, wenn es einen Sturz oder technischen Defekt gibt, dass die Mannschaft wahrscheinlich Letzter ist oder zumindest ganz weit hinten ist. Das würde auch bedeuten, die Meisterschaftschancen und damit die Arbeit einer ganzen Saison wäre dahin, da ein solch großer Rückstand in der Tabelle nicht mehr aufzuholen ist. Hoffen wir darauf, dass es bei allen Teams keine Stürze, Pannen oder Ähnliches gibt.“

Felix Duchampt (FRA) will neben dem Spaß auch wieder Erfolg haben

Auf Anfeuerungsrufe durch Zuschauer müssen die Sportler wegen der Corona-Richtlinien auch in Potsdam verzichten. Baumgärtel: „Die Athletinnen finden es natürlich sehr schade, dass die Rennen zum Teil ohne Zuschauer stattfinden müssen. Aber sie sind einfach froh, dass so langsam wieder Normalität einkehrt und überhaupt auch Wettkämpfe stattfinden.“

„Viele Zuschauer sind immer schön, vor allem für die Aktiven. Aber das lässt sich momentan noch nicht anders darstellen. Unser Support Team ist groß, Jeder hat aber dort auch seine Aufgabe. Und da jetzt nur deutlich weniger Betreuer zugelassen sind, müssen wir entscheiden, was für das Team unverzichtbar ist. Und diese Supporter erledigen dann vor Ort die Aufgaben der Daheimgebliebenen. Wir hoffen beim dritten Rennen in Nürnberg wieder annähernd mit dem kompletten Support Team vor Ort zu sein. Mein Dank an dieser Stelle an alle in unserem Support Team.“

Sehr akribisch verliefen die Vorbereitungen für Potsdam in den vergangenen Wochen. „Mein Credo ist, gute Planung und Organisation kann Erfolge zwar nicht garantieren, sie kann jedoch die Wahrscheinlichkeit des Erfolges wesentlich erhöhen. Wir wollen es unseren Aktiven so perfekt machen wie irgendwie möglich. Und in Corona-Zeiten ist halt alles aufwendiger. Aber wir sind von der Organisation gut gerüstet. Hier mein besonderer Dank an Sabine Jung. Die komplette Organisation, z.B. des Hotels, Essen, Anreise (z.B. Flüge und Transfer der Aktiven), etc. obliegt ihr. Und das ist bereits meisterlich organisiert“, lobt Jung, der am Sonntagnachmittag zwei Tagessiege gemeinsam mit den Athleten und dem Support Team feiern will.

Fotos: EJOT Team TV Buschhütten