Zwischen Tigerente und Kalteiche: Freudenbergs Meisterei im Wandel

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(wS/au) Freudenberg 19.02.2026 | Wenn man auf der Autobahnmeisterei Freudenberg mit den Kollegen spricht, schwingt meist ein wenig Nostalgie in den Erzählungen mit. Nicht, dass früher alles besser war, aber die vergangenen Zeiten lassen bei dem ein oder anderen doch die Augen leuchten. „Es waren einfach andere Zeiten“ erinnert sich Dirk Werner – ein Urgestein auf der Freudenberger Meisterei.

1979 hat Dirk Werner in Freudenberg als Straßenwärter angefangen und die meisten seiner Kollegen kamen damals ebenfalls aus dem Raum Freudenberg. „Das war ganz normal. Es war familär. Wer da war, der blieb“, so Werner. Geld sei damals nicht das Hauptaugenmerk für den Job gewesen. „Alle waren froh, einen sicheren Job zu haben. Und alle waren verdammt stolz“, diesen Beruf ausüben zu dürfen.

Seit 2022 leitet Thomas Kleber die Autobahnmeisterei Freudenberg und seitdem haben in Freudenberg 12 neue Kollegen angefangen. Viele – einige davon Quereinsteiger – sind aber auch schon wieder weg. Viele Kollegen sind in Rente gegangen. Deshalb sind die gewachsenen Strukturen derzeit etwas aufgeweicht; das zusammengewürfelte Team muss sich erst wieder finden. Kleber selbst hat seine Ausbildung als Straßenwärter 1987 auf der Autobahnmeisterei Freudenberg begonnen und blieb dort bis 2002. Von da an war er in der Straßenmeisterei Kreuztal als Betriebsdienstleiter tätig, bis er 2022 zur Autobahn zurückwechselte.

Die am höchsten gelegene Autobahnmeisterei der Niederlassung 

Die Autobahnmeisterei Freudenberg ist die am höchsten gelegene Autobahnmeisterei der Autobahn Westfalen. 320 bis 510 Höhenmeter in allen vier Himmelsrichtungen müssen die Jungs aus Freudenberg überwinden. Die höchsten Punkte sind die Kalteiche, Drolshagen (beide A45) Eckenhagen und die Krombacher Höhe (beide A4). „Das ist wirklich ein Alleinstellungsmerkmal und eine große Herausforderung im Winterdienst“, erzählt Kleber. Und die vielen Brückenbaustellen und damit einhergehend die Baustellenverkehrsführungen machen es nicht einfacher. „Es ist eine echte Herausforderung für uns, die vorgegebenen Umlaufzeiten im Winter einzuhalten“, erklärt Kleber.

Beim Thema Winterdienst werden die erfahrenen und alteingesessenen Kollegen Dirk Werner (Kolonnenführer) und Mike Salomon (Platzwart) wehmütig. Momentan sind die Straßenwärter zwar viel im Winterdienst unterwegs, aber „so richtige, lange Winter haben wir ja heute nicht mehr. Früher als es noch echte Winter mit sehr langen Kälteperioden gab, da war der Winterdienst ein echtes Abenteuer“, so Salomon. Und während die alten Hasen in Erinnerungen schwelgen, schleicht sich der Jet-Broom zurück in ihr Gedächtnis. 

Schneeschieben wie am Flughafen: Jet-Broom zu Testzwecken in Freudenberg

Sechs Jahre lang fanden zwei ganz besondere Winterdienst-Gefährte, die eigentlich sonst nur auf Flughäfen eingesetzt werden, ein Zuhause in Freudenberg. Sie bekamen sogar ein eigenes Haus, das neu gebaut wurde. Hintergrund war ein Pilotprojekt das Ende der 90er Jahre ins Leben gerufen wurde. Zu Testzwecken wurden die Flughafen-Schneeräumer auf der Autobahn, eingesetzt – und zwar in Freudenberg und im Raum Kasseler Berge. 

Die wegen ihrer Lackierung als Tigerente bezeichneten Fahrzeuge verfügten über zwei Motoren á 425 PS, der Motor im Heck diente ausschließlich dem Antrieb der Anbaugeräte. Im Dachbereich befand sich eine Turbine, mit deren Hilfe vor und hinter der Reinigungswalze die Autobahn freigeblasen wurde. Der Zustand der Fahrbahn (Gätte, Schnee) und Neigungsverhältnisse wurden automatisch erfasst und die Anbaugeräte beziehungsweise die Streumenge den Verhältnissen angepasst. „In voller Fahrt man sich wegen der Turbine vor wie in einem Jet“, schwärmt Dirk Werner noch heute. 6 Jahre leistete das Gefährt den Freudenbergern gute Dienste im Winterdienst. Dann wurde das Pilotprojekt eingestellt. „Zu groß, zu schwer, zu breit“ lautete das Fazit. Werner erinnert sich: „Die waren definitiv zu groß. Wir konnten sie für die Aus- und Auffahrten nicht mehr nutzen“. 

„Früher waren alle entspannter“

Der Blick zurück bringt noch eine Veränderung zur Sprache. „Früher waren die Verkehrsteilnehmer irgendwie entspannter“, sagt Dirk Werner. Heute gebe es mehr Aggressionen und weniger Rücksichtnahme. „Jeder hat es eilig und der Respekt hat abgenommen“, so Werner weiter. Was sich allerdings verbessert habe im Vergleich zu früher, seien die Sicherheitssysteme für die Kolleginnen und Kollegen, die draußen auf der Strecke unterwegs sind. „Natürlich war früher auch viel weniger los“, ergänzt Mike Salomon – wobei er direkt einschränkt: „Durch die bis Mitte Dezember gesperrte Talbrücke Rahmede gab es auch bei uns weniger Verkehr auf der A45, aber das hat sich nach der Freigabe der Brücke ja wieder geändert und nun ist es auch bei uns wieder voll“.

Infokasten 

Die Autobahnmeisterei Freudenberg ist zuständig für

64 Autobahnkilometer

35 Kilometer Rampen

1 Autobahnkreuz

10 Anschlussstellen

2 Tank- und Rastanlagen

16 Rastplätze

16 Talbrücken

32 Regenwasserbehandlungsanlagen

Fotos: Autobahn Westfalen

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