TuS Ferndorf: Als die Sirene ertönte, war klar: Dieser 27:26-Sieg ist mehr als nur ein Ergebnis

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(wS/red) Kreuztal, 08.02.2026 | Ein Sieg wie ein Befreiungsschlag

HSG Krefeld gegen TuS Ferndorf 26:27 (11:14)

Mit dem 27:26 in Krefeld holt der TuS Ferndorf zwei überlebenswichtige Punkte, so viele wie in den sieben Partien zuvor zusammen.

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Rollen wir das Ganze mal von hinten auf:

In der 56. Minute schien alles gegen uns zu laufen, Krefeld führte mit 26:24, die Halle kochte. Doch dann begann der Endspurt nach Maß und er hatte einen Namen: Can Adanir. Mit zwei überragenden Paraden (Min. 58:36, 59:57) hielt er den TuS im Spiel, gab der Mannschaft den letzten Glauben zurück. Vorn folgte die eiskalte Antwort: 26:25, 26:26, 26:27. Ein unfassbarer Schlussspurt, getragen von Willen, Mut und einem Keeper, der in den entscheidenden Momenten zum großen Gewinner des Abends wurde. Die wichtigste Parade hatte Can 3 Sekunden vor Schluss, als der Ex-Ferndorfer Christopher Klasmann an ihm scheiterte. Einen so strahlenden Can habe ich gefühlt noch nie gesehen, Chapeau.

Foto: Peter Trojak

So, das Ganze wieder richtig herum:

Ferndorf hatte einen richtig guten Start, Daniel Hideg eröffnete mit dem 0:1, nach 7 Minuten hieß es durch Marvin und Josip (7m) 1:3, Ferndorf schien dem Gastgeber schon früh sein Spiel aufzwingen zu können/wollen, Krefeld schien ein wenig überrascht und die 1496 Zuschauer ebenfalls, dazu zähle ich jetzt auch die TuS-Fans, diese waren allerdings positiv überrascht.

Mit einem vollen Fanbus und unzähligen weiteren Ferndorfern, die mit dem Auto angereist waren, machten sie ein Heimspiel daraus. Laut, leidenschaftlich und unüberhörbar trugen sie den TuS zu einem 27:26-Sieg und man hatte den Eindruck, als wäre die Gästeblock-Tribüne am Beben, also Hexenkessel auf Auswärtstour.

Den Beton, den „Miraculix“ Ceven Klatt da angerührt hatte, reichte für die ganzen 60 Minuten, die HSG hatte in diesem extrem intensiv geführten Match richtige Probleme mit Cevens Jungs.

Als Beleg dafür stehen bei ihnen gigantische 23 Fehlwürfe zu Buche, zudem gab es auch 10 Minuten an Zeitstrafen für sie, für den TuS allerdings auch, da waren es sogar 12 Minuten. Das heißt, in 60 Minuten wurden insgesamt 22 Minuten in Unterzahl gespielt.

Ein „Dankeschön“ dafür geht in Richtung Schirigespann, denn was da abgeliefert wurde, hatte Kreisklassenniveau (so ein HSG-Fan auf der Tribüne)

Der emotionsgeladene Hallensprecher, der 1 Tisch weiter saß, schien kurz vor einem Infarkt, seine Wortauswahl möchte ich hier nicht wiederholen (Mikrofon war aber aus).

Ferndorf hat insgesamt seine Fehlerquote minimiert und brillierte mit einer wirklich sehr guten Abwehr, das traf aber auch auf beide Teams zu. Krefeld neuer Keeper Pau Guitart kam in der 1. HZ nicht gut in Fahrt, er hatte seine Paradenzeit in der zweiten Hälfte, kam aber nicht an Can heran. Die erste Halbzeit kann man durchaus als einen Start/Ziel-Sieg bezeichnen, was aber auch dem unheimlich stark aufspielenden Can Adanir im Kasten zu verdanken war. Wir sahen in diesen 30 Minuten ganze 12 Paraden von ihm, das entsprach einer Quote von 52 %, er dürfte auch der „Man oft he Match“ sein/werden. Ferndorf verwaltete seinen Vorsprung, der in der 1. HZ immer so zwischen 2-4 Toren lag, man hatte nicht den Eindruck, dass das Spiel kippen könnte. Klar gab es für Ferndorf auch Fehlwürfe, aber sie konnten das irgendwie steuern.

Josip Eres brillierte in dieser 1. HZ mit sauberen 6 Toren, die letzten Treffer erzielten Julius Fanger, Josip Eres und der auch ganz stark spielende Marvin Mundus und als die Sirene ertönte stand an der Anzeigetafel 11:14, das dürfte HSG-Coach Mark Schmetz nicht gefallen haben.

In der zweiten Halbzeit kippte das Spiel ein wenig in Richtung Gastgeber. Die Ferndorfer Leichtigkeit war weg, übrig blieb ein kompromissloses Kampfspiel, brutal intensiv, voller Zweikämpfe und immer wieder hart an der Grenze des Erlaubten, beide Mannschaften gingen ans Limit. Ferndorf blieb zwar noch in der Spur, aber man merkte vielleicht auch, dass Cevens Jungs wegen ihrer grippalen Infekte nicht topfit sind. Sie blieben aber erstmal in Führung, aber man musste immer mehr investieren, damit dies auch so war.

4:17, 16:17, 18:19, 20:20 und dann war es da, das erste Unentschieden. In dieser Phase stand die Halle lautstark hinter ihrer Mannschaft. Es kam, wie es kommen musste. Wer in der 49. Minute auf die Anzeigetafel blickte, sah beim Stand von 22:21 die erste Führung der Gastgeber. Am Spielfeldrand ein sichtlich unter Strom stehender Ceven Klatt, der um die Früchte seiner Saat zu fürchten begann.

Aber jetzt sahen wir, wie seine Jungs in den Kampfmodus wechselten und trotzdem das 23:22 hinnehmen mussten. Das war wieder „Edgar Wallace“ al la Ferndorf, sie mussten das 23:22 und 24:22 in der 52. Minute hinnehmen und wir am Pressetisch schauten uns an und dachten „NICHT SCHON WIEDER“. Ceven haute auf den Buzzer, er musste seine Jungs auf diese brutal spannende Crunchtime einstimmen und hoffen, dass man das Ding noch drehen kann. Seine Jungs waren platt und wo sie die Energie für das Schlussspektakel her nahmen, wussten sie wahrscheinlich selbst nicht. 24:23, 25:23, 25:24, nun haute Mark Schmetz auf den

denn er, dessen Stuhl nicht mehr so standfest sein soll, wollte und musste das Spiel gewinnen, um noch Chancen im Abstiegskampf zu haben. Ob er bei seiner Mannschaft in der Auszeit die richtigen Worte gefunden hat, wissen wir nicht, aber sie reichten für das Siebenmetertor zum 26:24 in der 56. Minute, obwohl das mit dem Team-Time-Out ja herzlich wenig zu tun hatte. Beide Coaches standen nun voll im Fiebermodus, aber Krefeld hatte den Vorteil eines 2-Tore-Vorsprungs, den sie nur noch clever verwalten mussten. Die Uhr tickte unaufhaltsam weiter und wer sollte dieses Ding noch drehen, damit der TuS ja vielleicht doch noch vielleicht einen Punkt erhaschen könnte.

Jetzt kam aber die Glanzzeit eines Mannes, der noch vor kurzem bei der Qualifikation zur EM für die türkische Nationalmannschaft im Tor stand. Richtig, wir reden von Can Adanir, der das Ferndorfer Tor förmlich vernagelte, im Zusammenspiel mit der starken Abwehr wehrte er in diesen restlichen gut 4 Minuten zwei Würfe der Eagles ab. Krefeld versuchte sich sogar in einer Strafzeitphase mit einem 7 zu 5 Spiel, doch aus das brachte nichts.

Die Halle glich öfter von der Stille her der Semper Oper in Dresden, doch das trügt, denn still war es nur auf der Haupttribüne, aber da gab es ja noch den Gästeblock und der verwandelte die Glockenspitzhalle in ein Tollhaus. Drei Sekunden vor dem Ende dann der letzte Akt, Can vereitelte das mögliche Remis der HSG und alles brach los. Adrenalin, Jubel, pure Erleichterung.

Trotz dieses Handballkrimis in der 2. HZ gewann die HSG diese Hälfte mit 15:13 für sich, aber es reichte halt nicht. Bei Ceven Klatt schien in diesem Moment ein tonnenschwerer Stein vom Herzen zu fallen.

Wir können es, wir können es! Ja, wir können nicht nur Spiele mit einem Tor verlieren, wir können jetzt auch mit einem Tor gewinnen. Und das tut so unglaublich gut. Hoffen wir, dass der TuS diesen Flow mit ins nächste Spiel gegen Dormagen am kommenden Freitag in der Stählerwiese um 19:30 Uhr mitnehmen kann.

Eine schon angezählte und angeschlagene Ferndorfer Mannschaft startet mit einem sensationellen Rückrundenstart, bleibt zwar weiterhin auf Platz 15, nun aber mit 5 Punkten Abstand zum ersten Abstiegsplatz.

Gleichzeitig wollen wir aber auch Tom Jansen die Daumen drücken. Bei einer Aktion trat er einem Gegenspieler auf den Fuß und knickte um. Nach kurzer Untersuchung in der Kabine wurde er ins Krankenhaus gebracht, aus dem er auf Krücken zurückkehrte.

Ceven Klatt heute Morgen:

Wir wissen, dass nichts gebrochen ist, gehen aber von einer strukturellen Verletzung (Außenbänder) aus. Für eine genaue Diagnose bekommt Tom zu Wochenbeginn ein MRT.

Statistik:

Tor: Can Adanir 16 Paraden, Filip Baranasic 2 Paraden

Torschützen:

Marvin Mundus 9

Josip Eres 8/3

Daniel Hideg 5

Nico Schnabl 2

Gabriel da Rocha, Julius Fanger und Mattis Michel je 1

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Stimmen zum Spiel:

CAN ADANIR:

Also, erstmal muss ich sagen, dass ich jetzt ziemlich fertig bin. Jeder, der sagt, dass das Torhüterspiel nicht so anstrengend ist, dem kann ich sagen, nee, es ist emotional und riesig gewesen, auch noch den letzten Ball zu halten, bzw die letzten beiden.

Und es war so ein bisschen eine Parallele zum Hinspiel, wo wir auch kurz vor Schluss mit einem Tor geführt haben, Krefeld mach dann den Ausgleich und das hat sich dann so durch die gesamte Hinrunde gezogen. Wir spielen gut mit und verlieren dann am Ende mit 1 Tor. Aber das heute stimmt mich sehr positiv für den restlichen Saisonverlauf. Heute haben wir das Ding am Ende gemacht, haben es mit 1 Tor gewonnen und das ist emotional ganz wichtig für uns. Es ist für das Selbstbewusstsein ganz wichtig und das nehmen wir jetzt mit ins Heimspiel gegen Dormagen. Am Ende ist es die Teamleistung, obwohl wir kurz vor Schluss noch mit 2 Toren hinten lagen, drehen wir das Ding am Ende. Das spricht für eine unfassbare mentale Stärke, gerade nach so einer Hinrunde und deshalb von mir ein großes Kompliment an meine Mannschaft, die sich einfach nicht aufgegeben hat.

CEVEN KLATT:

 Wie sich jeder vorstellen kann, sind wir heute unheimlich glücklich, hier heute gewonnen zu haben. Es war ein sehr intensives Spiel. Wir müssen in der 1. HZ, in einer sehr, sehr starken Anfangsphase mehr Kapital aus den Bällen schlagen, wo wir ein deutliches Torhüterplus auf unserer Seite haben. Das heißt, wir hätten in der 1. HZ deutlicher führen müssen und gehen dann mit 14:11 in die Pause, was eigentlich in Ordnung ist.

Wir wussten, dass Krefeld nochmal zurückkommen kann und auch zurückkommen wird. Und da muss ich meiner Mannschaft heute ein großes Kompliment machen, dass sie es hier hinbekommen hat, trotz der Tatsache, dass wir nochmal mit 2 Toren hinten liegen und das zum Ende hin auch nochmal drehen können. Wir hatten es oft in dieser Saison, dass wir diese Spiel dann am Ende knapp verloren haben, diesmal konnten wir es mit 1 Tor für uns entscheiden. Mit einem besseren Torhüter und auch einem sehr starken Marvin Mundus, der das sehr gut gemacht hat, auch nach dem Ausfall von Tom Jansen. Ich hoffe, dass wir die Energie aus diesem Spiel heute mitnehmen können, dass das Kräfte freisetzt und das wir dann am Freitag den nächsten Bock umstoßen und uns auch zu Hause belohnen. Es war heute ein Sieg des Willens, aber auch der Möglichkeiten, wenn man sich das Spiel anschaut, alle haben heute gespielt und wir haben viel gewechselt. In der Crunchtime sahen wir besser aus, wie wir uns bewegt haben, das ist nicht nur vorne, sondern auch hinten, welche Energie wir da entwickelt haben. Unglaublich, wie z.B. Viana immer wieder hochkommt, das war schon richtig gut. Dafür arbeiten wir jeden Tag und wenn wir das am Ende hinkriegen, bin ich ein glücklicher Mensch. Morgen (Sonntag) dürfen die Jungs regenerieren und sie müssen auch regenerieren, nach einer Woche mit so vielen angeschlagenen Spielern.

Bericht: Peter Trojak

Bilder: Andreas Domian

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