Gelebte Inklusion in Siegener Grundschulen

Die Schüler der Klasse 4 der Friedrich-Flender-Schuler haben eine Ausstellung zum Körper des Menschen  gemacht und erläuterten Landrat Paul Breuer wie das Herz und andere Organe funktionieren. Foto: Kreis

Die Schüler der Klasse 4 der Friedrich-Flender-Schuler haben eine Ausstellung zum Körper des Menschen gemacht und erläuterten Landrat Paul Breuer wie das Herz und andere Organe funktionieren. Foto: Kreis

(wS/sw) Siegen-Wittgenstein – Um sich vor Ort einen Eindruck über gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Handicap zu machen, hat Landrat Paul Breuer jetzt zwei Grundschulen in Siegen-Weidenau besucht: die Friedrich-Flender-Schule in der Engsbachstraße und die Glückaufschule. Begleitet wurde der Landrat von den Schulräten Ingrid Walder und Jürgen Maaß.

„Die Offenheit der Schulleitung, des Kollegiums und der Schulgemeinde sind ganz entscheidend dafür, ob der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Handicaps in einer Schule gelingt. In diesen beiden Schulen ist das ganz offenbar in vorbildlicher Weise der Fall“, so das Fazit des Landrates.

Der Kreis hat die Federführung bei der Erarbeitung von Inklusionskonzepten in den unterschiedlichsten Lebensbereichen. Verschiedene Arbeitsgruppen machen derzeit Bestandsaufnahmen, um Handlungsfelder zu identifizieren, in denen Verbesserungen für Menschen mit Handicaps dringend erforderlich sind, und wollen in weiteren Schritten entsprechende Konzepte entwickeln.

Schule spielt bei der Inklusion eine ganze besondere Rolle. Deshalb hat sich Landrat Paul Breuer jetzt vor Ort einen Eindruck über gelebte Inklusion in Grundschulen gemacht. Neben dem gemeinsamen Unterricht in Regelschulen haben aber auch die Förderschulen für den Landrat künftig eine wichtige Funktion in der Schullandschaft: „Nach wie vor entscheiden sich viele Eltern bei ganz besonderem Förderbedarf ihres Kindes für eine besonders spezialisierte Förderschule. Diese Angebote müssen wir auch künftig verlässlich vorhalten. Das wird im ländlichen Raum außerordentlich schwer“, so der Landrat.

Als Schule, die sich an der Montessori-Pädagogik orientiert, ist die Glückaufschule schon aus ihrem Selbstverständnis heraus prädestiniert für die Umsetzung eines inklusiven Unterrichts, so der Eindruck des Landrates. Das werde auch durch den jahrgangsübergreifenden Unterricht gefördert. Schulleiterin Bärbel Achenbach machte deutlich, dass der Schulalltag an ihrer Schule durch die hohe Individualität in der Förderung des einzelnen Kindes geprägt sei und durch die Zusammenarbeit der Kinder in Gruppen: „Jedes Kind kann in seinem Lerntempo voranschreiten“, so die Schulleiterin.

In der Friedrich-Flender-Schule nahm der Landrat zunächst an einer Unterrichtsstunde in der vierten Klasse teil. „Die Kinder gehen ganz selbstverständlich mit den Mitschülern um, die ein Handicap haben“, berichtet Lehrerin Kathrin Müller: „Sie helfen diesen Mitschülern, wo immer es nötig ist und achten auch von sich aus darauf, dass diese Schüler z.B. einen guten Platz haben, an dem sie alles mitbekommen können.“

In der Friedrich-Flender-Schule hat das Zeitalter der Inklusion vor rund fünf Jahren begonnen, berichtet Schulleiterin Ulrike Bertelmann. Damals hatte eine Familie aus der Nachbarschaft gefragt, ob ihre stark sehbehinderte Tochter dort zur Schule gehen könne. Die Mutter des Mädchens hatte zugleich angeboten, wann immer nötig in die Schule zu kommen und zu helfen. Die Schule hatte sich auf das Experiment eingelassen und es nicht bereut – im Gegenteil: Heute haben sieben der 100 Kinder der Friedrich-Flender-Schule einen festgestellten Förderbedarf. Inklusion ist für die Schulgemeinschaft gelebte Selbstverständlichkeit.

Für das Kollegium war der Unterricht auch für Kinder mit Handicaps eine Herausforderung, auf die sich die Lehrer ganz neu einstellen mussten. Für jedes Kind mit besonderem Förderbedarf stehen der Schule drei Stunden pro Woche Unterstützung durch einen Förderlehrer zu. Auf Grund der großen Zahl dieser Kinder hat die Friedrich-Flender-Schule inzwischen eine zusätzliche Lehrerin fest eingestellt, die immer in der Schule ist und ausschließlich für die Unterstützung dieser Kinder da. Grundschullehrerin Petra Klein hatte sich auf diese Stelle beworben und nach der Zusage eine entsprechende Weiterbildung zur Förderlehrerin gemacht. Sie geht jetzt stundenweise in die einzelnen Klassen der Friedrich-Flender-Schule und unterstützt dann die Fachlehrer als zweite Kraft.

Im gesamten Kreis Siegen-Wittgenstein gibt es zum 1. Februar 2014 rund 40 Stellen für Lehrer mit Auftrag zur sonderpädagogischen Förderung. Diese werden nach Auskunft des Schulamtes im Kreis Siegen-Wittgenstein von 44 Personen besetzt. 24 dieser Lehrkräfte sind so genannte „Seiteneinsteiger“, haben sich also wie Petra Klein diese Qualifikation nachträglich erworben.

Mit der personellen Ausstattung zur Betreuung der Kinder mit besonderem Förderbedarf ist das Kollegium der Friedrich-Flender-Schule zwar grundsätzlich zufrieden, allerdings seien drei Stunden pro Kind eigentlich zu wenig, unterstreicht Schulleiterin Ulrike Bertelmann. Hier wünscht sich das Kollegium auf Dauer ein größeres Zeitbudget, um die Kinder mit Handicaps noch besser fördern zu können.

Für Landrat Paul Breuer sind beide Schulen Beispiel für gelungene Inklusion in der Schule: „Letztlich hängt diese aber immer davon ab, ob es engagierte Menschen gibt, für die Inklusion eine Herzensangelegenheit ist. Das ist hier ganz offensichtlich der Fall“, so das positive Fazit des Landrats. In nächster Zeit wird Landrat Paul Breuer eine Förderschule besuchen.

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