Hommage an Pionierin: Das Stinnes-Event

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Heidi Hetzer traf i Technikmuseum Freudenberg auf Nachfahren ihres Vorbildes Clärenore Stinnes. Fotos:Technikmuseum Freudenberg.

(wS/freu) Freudenberg – Taff ist sie, die 76jährige Grand Dame der internationalen Oldtimer-Szene. Und sehr ehrgeizig. souverän, gradlinig, konsequent. und eloquent. Ihre Markenzeichen: Hosenanzug, Handtasche in Automobil-Format und eine humorvolle Berliner „Schnauze“. Ihr Name: Heidi Hetzer. Ihre Mission: Eine automobile Weltumrundung in ihrem Oldtimer „Hudo“ – einem eleganten amerikanischen 84jährigen Hudson Great Eight. Ihr Ansinnen: Eine zweijährige Reise auf den Spuren von Clärenore Stinnes, die 1927 ab Frankfurt zur ersten Expedition per Auto um die Welt startete und 1929 wieder in Berlin eintraf.

 Heidi Hetzer traf auf Nachfahren ihres Vorbildes

Hetzer4„Nein, ich will die Premiere von Clärenore Stinnes nicht toppen. Aber diese selbstbewusste, mutige Frau hat mich inspiriert. Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen meiner Tour, die am 27. Juli 2014 in Berlin startet, und der wagemutigen Weltreise der Industriellentochter Fräulein Stinnes – allein dadurch, dass wir beide starsinnig an unserem Ziel, einer Weltumrundung im Auto, festhalten“, sagte Heidi Hetzer bei einem gelungenen Event im Technikmuseum Freudenberg Ende Mai. Sie, die ehemalige Autohausbesitzerin und erfolgreiche Rallyefahrerin, traf in einer kurzweiligen, spannenden Diskussionsrunde auf die Nachfahren ihres Vorbildes. Denn auch Björn Söderström, ein Sohn von Clärenore Stinnes, aus Schweden im eigenen Auto angereist, und ihr Neffe Matthias Stinnes, Unternehmer aus Berlin, waren ein Wochenende lang im Technikmuseum Freudenberg zu Gast. Standen Rede und Antwort bei der Diskussionsrunde, die von Kim Engels vom Frauen Museum Wiesbaden humorvoll und kenntnisreich moderiert wurde. Und waren auskunftsfreudige Gesprächspartner, die ganz persönliche Einblicke in das Leben der kämpferischen, burschikosen Automobil-Legende gewährten.

Resümee einer starken, automobil-begeisterten Frau

„Clärenore hatte einen eisernen Willen und eine unbändige Energie – bei ihrer Weltumrundung, die sie gemeinsam mit ihrem Kameramann und späterem Ehemann Carl-Axel Söderström meisterte, aber auch bei ihrem unternehmerischen Handeln als Landwirtin in Schweden und bei ihren zahlreichen sozialen Engagements“, waren sich die beiden Stinnes-Nachkommen einig. Das Resümee einer starken, automobil-begeisterten Frau zog auch Manfred Schleißing vom Adler Club Deutschland – ein echter Experte in Sachen Stinnes-Söderström-Reise. Seine Hommage an die Pionierin: Die Organisation einer sechstägigen Fahrt mit Adler-Oldtimern im Frühjahr 2015 von Frankfurt nach Wien – auf der Route von Clärenore Stinnes.Hetzer3

Bis Wüste Gobi noch per „Sie“ 

„Meine Mutter guckte immer nach vorn – deshalb war ihre Reise, die ja teilweise ein lebensgefährliches Abenteuer war, selten ein Thema in unserer Familie. Erst als wir Kinder begriffen, was unsere Eltern geleistet hatten, fragten wir nach und bekamen die Details erzählt“, berichtete Björn Söderström. Eins dieser Details: Bis zur Wüste Gobi sprachen die beiden Protagonisten noch in der förmlichen Sie-Form miteinander – nach der überstandenen Bedrohung durch Räuberbanden reisten sie als echtes, verlässliches Team weiter. Lachend fügte der sympathische schwedische Senior, der dank seiner zweisprachigen Erziehung perfekt Deutsch spricht, hinzu: „Hätte mein Vater, wie die zwei anderen Begleiter, an dieser Stelle umgedreht, wäre die Geschichte unserer Familie nicht geschrieben worden!“

Parallelen von Stinnes zu Hetzer schnell gezogen

Leidenschaft, Mut, Abenteuerlust, Rallyeerfahrung, weiblicher Charme, Eigensinn und ganz viel Euphorie – die Parallelen von Clärenore Stinnes zu Heidi Hetzer sind schnell gezogen. „Uns verbindet die große Leidenschaft fürs Autofahren“, bekennt sich die quirlige Berlinerin und Oldtimer-Sammlerin zu ihrem femininen Vorbild. „Kämpfen, kämpfen, kämpfen steht jetzt schon im Portfolio meiner Reise, die mich 76.000 Kilometer rund um die Welt führt. Anders als bei der Stinnes-Reise werde ich auch nach Afrika, Australien und Neuseeland fahren.

Reise in Echtzeit kann auf  Homepage verfolgt werden

Anders ist auch, dass Interessierte meine Reise fast in Echtzeit auf meiner Homepage verfolgen können, denn, ausgestattet mit einer kleinen Kamera von mundus.tv, werde ich meine Eindrücke zeitnah im Internet einstellen“, so die Oldtimer-Lady. Ihre Motivation: Den Namen Stinnes hochhalten und ihren Spuren folgen: etwa zum Baikalsee, den Fräulein Stinnes als erster Mensch per Auto überquerte, oder durch die Anden auf der Ruta Panamericana, die 1929 für die Expedition mit Manpower und reichlich Dynamit in dieser unbezwingbaren Felsenlandschaft entstand.

„Die Herausforderungen heute sind anders“, erzählte Heidi Hetzer, „es geht eher um Visa, Einfuhrbeschränkungen und Logistikprobleme mit Containerschiffen. Was mir jetzt noch zu meinem Glück fehlt, ist ein Beifahrer. Mein eingeplanter Copilot fällt wegen Rückenproblemen aus. Mein Wegbegleiter oder meine Begleiterin sollte folgende Voraussetzungen mitbringen: Sprachkenntnis, Internetaffinität, Humor und Durchhaltevermögen. Denn zwei Jahre mit mir können anstrengend werden!“

Berliner Original reagiert gelassen auf Yellow-Press-Betitelung

„Eine alte Schachtel in einem alten Auto“ – so ist Heidi Hetzer von der Yellow Press einmal bezeichnet worden. Das Berliner Original gibt sich gelassen ob solcher Sprüche. Auch weil sie völlig unabhängig handelt. „Clärenore reiste ja mit deutschem Diplomatenausweis und mit Sponsorengeld – ich bezahle meine Reise selbst und bin dadurch autark.“

Persönliche Gespräche und bildschöne Fahrzeuge

Eine Hommage an Clärenore Stinnes – das ist auch die neue Stinnes-Ausstellung 2.0, in moderner, überarbeiteter, aufgepeppter Interpretation. Sie wird noch bis mindestens Ende Juni im Technikmuseum zu sehen sein und kann dann gerne ausgeliehen werden. In originalen Überseekoffern liebevoll arrangiert, präsentiert sie etliche multimediale Infos, Exponate, Dokumente und Fotos. Dieses museale Arrangement, das von Alexander Fischbach, Vorstandsmitglied im Technikmuseum Freudenberg und Inhaber von mundus.tv aus Siegen, konzipiert wurde, stand im Mittelpunkt des Interesses. Einerseits samstags bei den rund 70 Gästen des Abend-Events, anderseits aber auch bei einigen hundert Besuchern am Sonntag, unter ihnen etliche Mitglieder der Oldtimer-Freunde Kreuztal samt ihrer bildschönen Fahrzeuge. Im Fokus dabei: die persönlichen Gespräche mit Heidi Hetzer und Björn Söderström in anregender Kulisse zwischen dem Original Film-Adler, dem automobilen Hauptdarsteller des Doku-Spielfilm „Fräulein Stinnes fährt um die Welt“ von 2009 – und Hudo, dem rasanten Hetzer-Begleiter. Er befindet sich derweil schon wieder in Berlin – zum letzten großen Check.

 Auf der Weltreise nur wenig Bekleidung – „Hudo“ wird fit gemacht

„Fünf T-Shirt, drei Jeans, Funktionswäsche und warme Kleidung – mehr werde ich nicht mitnehmen“, gestand Heidi Hetzer, „der Rest des Stauraums wird mit Ersatzteilen gefüllt. Auch wenn Hudo, der vor der Abfahrt noch etwas umgebaut wird, hoffentlich genauso fit ist für die Reise wie ich.“ Zum Weltreise-Start im Juli wird dann auch das „Team Technikmuseum Freudenberg“ im originalen Film-Oldtimer einem Adler Favorit Baujahr 1929 gemeinsam mit Björn Söderström und Matthias Stinnes auf dem Ku‘damm anwesend sein – um der sympathischen, spitzbübischen, taffen Seniorin eine erfolgreiche Reise, tolle Abenteuer, einzigartige Erlebnisse und besonders eine gute, gesunde Rückkehr zu wünschen.

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