Das Systemzentrum 25 der Bundeswehr: Vernetzen mit Programm

Das Systemzentrum 25 in Erndtebrück digitalisiert und vernetzt Führungssysteme der Luftwaffe

(wS/sd) Erndtebrück. Wer schöne Natur und viel Ruhe zum Denken und Tüfteln braucht, ist hier in Siegen-Wittgenstein am Rande des Rothaargebirges genau richtig – und herzlich willkommen. „Gefragt sind hochspezialisierte IT-Experten, die Lust haben auf herausfordernde Aufgaben und hochwertige Arbeit“, unterstreicht Michael Jäger.

Jäger hat in den 90er Jahren in München Informatik studiert, war schon Chefprogrammierer einer NATO-Einheit in Belgien und am Aufbau eines „Weltraum-Lagezentrums“ beteiligt. Als Mann der Tat weiß er also, wovon er spricht. Seit April 2014 leitet der Oberstleutnant das Systemzentrum 25 in Erndtebrück, das manche Insider gern als „Software-Schmiede der Luftwaffe“ loben. Und er nimmt kein Blatt vor den Mund: „Wir brauchen Werbung, weil wir Leute brauchen.“

Die Aufgaben-Pakete des Systemzentrums 25 sind komplex. Hier werden nicht nur bewährte Computer-Systeme gepflegt und den ständig steigenden Anforderungen angepasst, nein, hier werden auch spannende Projekte von der Idee bis zur Einsatzreife entwickelt und vorangetrieben. „Wir leisten einen entscheidenden Beitrag zur umfassenden Digitalisierung und Vernetzung der Führungssysteme der Luftwaffe, und das – wenn notwendig – auch unter militärischen Einsatzbedingungen“, fasst Oberstleutnant Jäger zusammen.

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Am sogenannten Scrum Board werden alle aktuellen Projekte dokumentiert – von der Idee bis zum Vertrieb. So kennt jeder Mitarbeiter zu jeder Zeit den Entwicklungsstand. Hauptmann Thomas Götzinger (l.) ist Software-Entwickler und Hauptmann Michael Sinz (r.) ist der Leiter der IT- und Software-Entwicklungsprojekte.

Mit den Produkten und Dienstleistungen des Systemzentrums 25 werde sichergestellt, dass operationell notwendige Informationen zeitnah Entscheidungsträgern auf allen Ebenen zur Verfügung stehen, beschreibt der engagierte Stabsoffizier das große Lagebild seiner gut 160 Kopf starken Mannschaft. Ziel sei es, „einsatzrelevante Abläufe effektiver zu gestalten und Ressourcen effizienter einzusetzen.“

Mehr als die Hälfte der Einheit besteht aus Offizieren, wobei die Verwendung als Programmierer allen Dienstgradgruppen offensteht. „Ein Studium ist kein Muss“, betont Presseoffizier Hauptmann Christian Kletsch. „Gerade die Gruppe der Feldwebel mit IT-bezogener Vorausbildung oder auch mit dem bloßen Interesse am Programmieren und einem hohen Verständnis für Computer sind bei uns herzlich willkommen.“ Und: „Hier ist der Teamgeist wichtiger als das strenge Denken in Dienstgradgruppen.“ Um die Truppe – und nicht zuletzt ihre Kreativität – bei Laune zu halten, seien erst jüngst flexible, pendlerfreundliche Dienstzeiten eingeführt worden, ergänzt der Chef. „Auch Telearbeit wird gefördert.“

Die Hauptaufgabe der Anwendungsprogrammierer ist die Software-Entwicklung und Qualitätsprüfung in enger Zusammenarbeit mit deutschen, aber auch internationalen IT- sowie Luft- und Raumfahrtunternehmen.

„Hard- und Softwareaufträge aus der Bundeswehr – hier schwerpunktmäßig aus der Luftwaffe – an die Industrie werden in Kooperation mit der Industrie begleitet und abgearbeitet, um die Projekte auch militärisch nicht aus den Augen zu verlieren“, nennt Jäger eine weitere wichtige Aufgabe seiner Dienststelle: „Dadurch erhält sich die Luftwaffe eine unabhängige Bewertungskompetenz in allen Phasen von Rüstungsprojekten.“

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Stabsfeldwebel Oliver Trinks im zentralen Serverraum der Software-Testanlage. Mit diesem Modem-Einschub werden Datenverbindungen hergestellt.

Programme, die die Industrie aus welchen Gründen auch immer, nicht entwickeln kann oder will, werden von den Experten des Systemzentrums 25 selbst geschrieben. Hauptmann Kletsch: „Die Entwicklung von Softwareanteilen in verschiedenen Programmiersprachen und die Durchführung von Fehleranalysen und die Fehlerbeseitigung erfordern ein hohes Engagement sowie fachliches Systemverständnis.“

Einer der Hauptkunden sitzt gleich nebenan in derselben Kaserne: Der Einsatzführungsdienst der Luftwaffe, dessen Aufgabe es ist, den gesamten deutschen Luftraum zu überwachen und militärische Luftfahrzeuge zu führen. Die Bundeswehr betreibt hierzu 18 Großradargeräte; die deutsche Flugsicherung weitere knapp 30 Stück.

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Oberfeldwebel Michael Maciuch ist Anwendungsprogrammierer und Systemadministrator für Software-Testanlagen. Hier wird das Programm an einer echten Luftlage getestet. Alle realen Daten sind verfügbar. 10.000 Radardaten werden in 10 Sekunden in Echtzeit auf den Bildschirm gebracht. „Daraus bilden sich Flugspuren, die bewertet werden“, erklärt Maciuch.

CRC – Control and Reporting Centre – heißt diese Einrichtung. Eine zweite steht in Schönewalde südlich von Berlin. Zu den Aufgaben des Systemzentrums 25 gehört, die Software der CRC zu pflegen und weiterzuentwickeln, und zwar für die stationären wie für die mobilen (verlegefähigen) Radargeräte. Darüber hinaus wird daran gefeilt, die Datenformate auf internationale Standards zu bringen, um im NATO-Verbund optimal wirken zu können.

Der praktische Ablauf ist wie folgt: Das CRC schreibt Fehlerlisten. Daraufhin wird die Software repariert oder aktualisiert und erweitert (überwiegend von der Industrie, manchmal aber auch vor Ort von Bundeswehr-Ingenieuren). Nach jeder Weiterentwicklung oder Reparatur von Software muss diese natürlich überprüft werden. Dafür schreiben die Soldaten in Erndtebrück selbst Testprogramme und lassen diese realitätsnah oder sogar an echten Luftlagen laufen, bevor die Software zurück in den scharfen Einsatz kommt. Aus der Praxis für die Praxis.

Fotos & Text:  Sönke Dwenger (Oberstleutnant d.R.)

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