Russische Glückwünsche zur Deutschen Einheit

(wS/si) Siegen – Über 30 Besucher waren zur Veranstaltung der Volkshochschule der Stadt Siegen gekommen. „Reise nach Brjansk und zurück“ war der Titel des Vortrags, der vom Russisch-Deutschen Kulturzentrum LITERA in Siegen angeboten wurde. Brjansk ist eine russische Industriestadt mit circa 420.000 Einwohnern und liegt 380 km südwestlich von Moskau in einem Gebiet mit ausgedehnten Wäldern.

VHSLogo_bearbeitet-1Der Referent Ulrich Schloos ist Mitglied des Vereins und ging in seinem Vortrag zunächst zurück in die Zeit der historischen Umbrüche der Jahre 1989 und 1990. Er wollte damit die Entwicklung der deutsch-russischen Beziehungen unter Gorbatschow beleuchten, die zur Öffnung Russlands führte und die auch erst die Stadt Brjansk für westliche Besucher zugänglich machte.

Der Referent sagt „In der Zusammenstellung alter Video-Aufnahmen aus meiner Teilnahme an den Deutsch-Sowjetischen Friedenswochen 1989 in Deutschland und besonders 1990 in Russland hat mich die Erinnerung umgehauen. An dem Denkmal der Panzersperren vor Moskau sprachen der Bürgermeister von Moskau und der Patriarch der orthodoxen Kirche den 150 Besuchern aus Deutschland ihren Glückwunsch zur Wiedervereinigung Deutschlands aus.

Später im Kreml wurde dieser Glückwunsch von hoher Stelle wiederholt. Daran sollten wir uns im Umgang mit dem Ukraine-Konflikt erinnern, besonders am Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands.“ Eine deutsche Teilnehmerin der Veranstaltung am vergangenen Sonntag stellte die Frage, wie die russische Bevölkerung dazu stand.

Russische Mitglieder des Kulturzentrums LITERA, die zu dieser Zeit noch in Russland lebten, gaben eine einfache Antwort: Wir haben das verstanden und begrüßt. Die Russen haben sich für Deutschland gefreut, das zwei Teile, die zusammen gehören, nun auch wieder zusammen leben können. Das „gemeinsame Europäische Haus“ war ein Begriff in diesen historisch bewegten Jahren, der eine friedliche und freundschaftliche Zukunft zwischen Deutschland und Russland beschreiben sollte.

Der Referent las einen Satz aus einem politischen Aufsatz des Dichters und Diplomaten Fjodor Iwanowitsch Tjutchev aus dem Dorf Ovstug in der Nähe von Brjansk vor. „Die Geisteshaltung, die man jetzt in Deutschland gegenüber Rußland zu verbreiten versucht, ist noch keine akute Gefahr, doch sie könnte leicht zu einer solchen werden.“ Dieser Satz stammt aus dem Jahr 1844.

Tjutchev ist neben Puschkin und Lermontov in Russland der bekannteste und beliebteste Lyriker und hat viele Jahre als Diplomat in München gelebt. In Beiträgen von Teilnehmern der Veranstaltung wurde deutlich, dass Russland als Teil Europas gesehen wird und dass eine neue Spaltung in der Beziehung zu Deutschland nur wirtschaftlichen, kulturellen und auch menschlichen Schaden anrichten kann.

Teilnehmer verschiedener Fahrten nach Brjansk nahmen auch teil, lasen aus den Reisetagbüchern vor und bekräftigten „Nie wieder kalter Krieg“. Ulrich Schloos wird in der ersten Oktoberwoche an einer Konferenz an der „Technologischen Akademie Brjansk“ teilnehmen und hat unterschiedliche Freundschaftsbotschaften im Gepäck.

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