Rechte der Frauen – Möglichkeiten der Hebammen

(wS/red) Siegen 01.07.2016 | Fast jedes dritte Kind in Deutschland kommt per Kaiserschnitt zur Welt. Es gibt große regionale Unterschiede. In einigen Kreisen liegt die Kaiserschnittquote bei über 43 Prozent. Andere Kreise haben gezeigt, dass durch mehr Information der Schwangeren und eine konsequente Betreuung durch Hebammen in der Schwangerschaft und im Kreißsaal die Kaiserschnitt-Quoten unter 26 Prozent sinken können. Die Zahl der Hebammen hat stark abgenommen.

Derzeit finden 99 Prozent der Geburten in Kliniken statt. Nur noch wenige Hebammen bieten außerklinische Geburtshilfe an – nicht zuletzt wegen der hohen Versicherungsprämie. Kleine Kliniken leiden ebenfalls unter den hohen Versicherungsprämien und erwägen die Schließung ihrer Geburtshilfe-Abteilungen.

Rechte der Frauen - Möglichkeiten der Hebammen. (Foto: CDU)

Rechte der Frauen – Möglichkeiten der Hebammen. (Foto: CDU)

Welche Wahlmöglichkeiten haben Schwangere vor diesem Hintergrund überhaupt noch? Dieses wichtige Thema erörterte die Frauen-Union Siegen Wittgenstein anlässlich einer Veranstaltung mit Ute Höfer, Hebamme und Ernährungsberaterin. „Früher war die Hausgeburt etwas völlig normales“ führte Frau Höfer aus. In den 50er und 60er Jahren wurde die Klinikgeburt modern. Die Frauen wurden nach der Geburt mehrere Wochen in der Klinik gepflegt und hatten in dieser Zeit kaum Kontakt zu ihren Kindern, stillen wurde nicht gefördert. Heute hat sich dies glücklicherweise wieder geändert. Es gibt Rooming-in, Stillen ist wieder „inn“. Jedoch sind im Laufe der Jahre die Wahlmöglichkeiten des Geburtsortes für die Frauen abhandengekommen. Im Idealfall kann die Frau zwischen zwei Kliniken wählen bzw. muss weite Wege zur Klinik der Wahl in Kauf nehmen.

Beleghebammen, die die Geburt bis zum Schluss begleiten, gibt es kaum mehr. Schichtwechsel während der Geburt im Regelklinikbetrieb lassen sich nicht vermeiden. Auch Hebammenkreißsääle und Geburtshäuser gibt es in der näheren Umgebung nicht. „Sicher kann man argumentieren, dass die medizinische Versorgung im Krankenhaus besser ist als in externen Einrichtungen, Statistiken belegen dies nicht. Es gibt hinreichende und seriöse Untersuchungen dazu“, erklärt Frau Höfer.

Frauen, die eine Beleg Geburt oder eine andere außerklinische Geburtsart wählen, werden die gesamte Schwangerschaft von einer Hebamme betreut. Es ist erwiesen, dass dies eine Geburt positiv beeinflusst. Eventuelle Risiken werden schon früh erkannt. „Komplikationen“, erläutert Frau Höfer: „kündigen sich meist so rechtzeitig an, dass eine Fortführung der Geburt im Krankenhaus möglich ist. Dies betrifft aber nur sehr wenige Geburten.“ Gibt es Anpassungsschwierigkeiten bei einem reifen Neugeborenen, ist eine Trennung von Mutter und Kind ist auch in Siegen Wittgenstein die Regel, falls das Neugeborene nach der Geburt kinderärztlich behandelt werden muss. Lediglich für Frühgeborene gibt es eine Pränatal Station im Jung-Stilling Krankenhaus. Bei integrativer Wochenbettpflege ist ein Kinderzimmer auf der Wöchnerinnen Station unentbehrlich, um ungestörtes Stillen und die Erholung der Frauen nach Geburt oder Kaiserschnitt zu ermöglichen. Das ist in den Kliniken leider nicht immer gegeben.

In Zukunft könnte die Entwicklung hin zu noch größeren Geburtskliniken führen. Damit wären noch längere Anfahrtswege vorprogrammiert. Insbesondere beim zweiten oder bei weiteren Kindern wird Zeit für die Anfahrt nicht immer ausreichen.

In unserem Kreisgebiet gibt es viel zu wenige freiberufliche Hebammen, die den Bedarf abdecken können. Zu wenige Hebammen bedeutet: Große Lücken bei der Nachsorge. Wer eine Hebammenbetreuung nach der Geburt zu Hause in Anspruch nehmen möchte, muss sich sehr früh darum kümmern. Durchs Raster fallen die Frauen, die weniger gut informiert sind, die jedoch überdurchschnittlich von der Betreuung durch eine Hebamme profitieren würden. Um diese Frauen zu erreichen, muss die Information über Betreuungsmöglichkeiten durch Hebammen bereits zu Beginn der Schwangerschaft verbessert werden. „Wir brauchen eine aufsuchende Hilfe durch mobile Hebammen (Familienhebammen), um auch die zu erreichen, die dringend Unterstützung benötigen bevor das Jugendamt involviert ist!“ mit diesem Appell von Frau Höfer an die Politik schloss Dr. Uta Butt, Vorsitzende der Frauen-Union hier in Siegen-Wittgenstein, die interessante Diskussion.

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